Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Wieder Hochsommer in Somerset West

Im Supermarkt in Südafrika stösst Sacha von der Crone manchmal an seine Grenzen - vor allem, wenn er nicht findet, was er sucht. Die Mitarbeiter sind dabei meist auch keine grosse Hilfe. Wie der Auswanderer dann jeweils reagiert und was er sonst noch erlebt hat in dieser Woche, verrät er in seinem Blog.

Zwei Tage mit leichtem Regen und tieferen Temperaturen liegen hinter uns. Alles hat sich leicht erholt, die Feuer gingen zurück. Entspannung für die Natur - aber nur für kurze Zeit. Denn jetzt steigt das Thermometer wieder täglich weit über 30 Grad.

In unserem Alltag versuchen meine Freundin Barbara und ich uns immer ein wenig abzuwechseln, zum Beispiel beim Einkaufen. Entsprechend muss ich manchmal noch suchen, wenn ich durch den Supermarkt gehe. Ich finde einfach die Butter nicht. Margarinesorte über Margarinesorte. Nur, wo ist bloss die Butter. Ich weiss ja eigentlich, wo sie ist, aber dort ist jetzt alles voll mit Feta - das ganze Regal. Das kann doch nicht sein. Ich frage einen Verkäufer. Seine Antwort: «Haben wir, aber im Moment gerade nicht.» Mir fällt ein zweites Regal auf, das voll mit dem griechischen Käse ist. Ok, keine Butter, dafür haben sie den Platz mit Feta-Käse aufgefüllt. Hamburger steht noch auf dem Einkaufszettel. Die Fleischabteilung ist riesig, die Auswahl auch. Von Rindshamburgern fehlt jedoch jede Spur. Ein anderer Verkäufer hilft mir. «Haben wir, aber im Moment gerade nicht.» Tags darauf ist das Regal überfüllt mit Hamburgern aller Art: Chili, Spice, gemischtes Fleisch oder mit Gemüsestückchen drin. Alles ist wieder da. Bloss gestern halt nicht. Zwei Beispiele, die stellvertretend für Südafrika sind. Man bekommt alles, vielleicht einfach nicht gerade heute. Auch beim Gemüse oder beim Obst. Manchmal fehlt halt was. Es wurde wohl falsch kalkuliert bei der Bestellung, vergessen oder die Lieferung fiel aus. Aber heute ist es ja wieder da. TIA sagt man, «this is Africa».

Uns gehts gut - wie gehts Südafrika?

Uns gehts ja wirklich gut hier am Kap. Der Tourismus floriert, die Anzahl ausländischer Touristen - trotz erschwerter Einreisebestimmungen - hat sich um weitere sieben Prozent erhöht. Aber wie gehts dem Land sonst? Die Berichte über Südafrika in den westlichen Medien nehmen zu. Besucher sprechen uns darauf an. Südafrika mit einer Arbeitslosenquote von über 25 Prozent stagniert. Mehr sogar noch. Die einstige afrikanische Vorzeigenation ist an einem kritischen Punkt angekommen. Die Währung sinkt und sinkt (gegenüber dem Franken verlor der Rand innerhalb eines Jahres fast ein Viertel an Wert), wodurch Südafrika für Touristen noch interessanter wird. Aber finanzpolitisch ist das natürlich kritisch. Südafrika ist reich an Bodenschätzen wie Gold und Platin - aber auch deren Preise sinken stetig. Hinzu kommt die Dürre. Der Preis des Grundnahrungsmittels Nummer 1, Mais, ist auf Rekordniveau und muss nun aufgrund der Dürre zu hohen Preisen importiert werden. Die Unzufriedenheit mit der Regierung und auch das fehlende Vertrauen in diese sind verständlich. Immerhin hat Präsident Zuma diese Woche nach langem Streit zugestimmt, die Renovation bzw. Aufschmückung seiner Villa, die er für über 14 Millionen Schweizer Franken mit Steuergeldern aufmöbeln liess, nun selber zu bezahlen. Wie viel er übernimmt, wird der Rechnungshof und das Finanzministerium entscheiden. Offiziell hat er natürlich keine Steuergelder hinterzogen, nein, diese Renovationen waren nötig, um einem höheren Sicherheitsstandard zu genügen. So wurde zum Beispiel der Swimmingpool vergrössert, um angeblich eine grössere Wasserreserve für die Feuerwehr zu haben. TIA! Zuma sass während der Apartheid zehn Jahre auf Robben Island ein. Ihm werden 738 Fälle von Korruption, Betrug und Geldwäscherei vorgeworfen. So was macht mich wütend und irgendwie auch traurig. Eine Nation, aufgebaut auf Versöhnung und ehemals florierend, wird nun von den eigenen Kindern ausgenommen. Schwierige Momente also für die Regenbogennation. Wir sind gespannt, wie es weiter geht und ob das alles einmal Auswirkungen auf uns hat. Aber genug Politik, wir sind ja hier nur Gäste.

Sonnensegel - Canopy - Abstimmung

Diese Woche konnten wir endlich den alten grossen Sonnenschirm durch zwei luftig leichte Sonnensegel ersetzen. Wir nutzten vier Stunden, in denen unsere Gäste ausser Haus waren, für diesen Umbau. Bei den heissen Temperaturen ohne Sonnenschutz war das schon fast eine Qual. Endlich ist auch die Ladefläche unseres Pick-ups mit einer «Haube» - genannt Canopy - abgedeckt. So hat Fynn nun eine grosse, geschützte Liegefläche bei unseren Ausflügen. Wie er dort hoch und runter kommt, ist noch nicht ganz gelöst. Bei mittlerweile über 30 Kilo, wirds langsam zur grossen Kraftprobe für mich, ihn dort hinaufzuhieven. Überraschung: Die Abstimmungs-Couverts für den Urnengang von Ende Februar sind bereits eingetroffen. Erstaunlich schnell und noch erstaunlicher: Barbaras und mein Couvert kamen gleichzeitig bei uns an. Wir stimmen ab und geben Schweizer-Gästen die Umschläge mit. So nehmen wir also zum ersten Mal aus Südafrika an einem Urnengang teil.

Man liest sich!

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