Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

4 Sterne oder Star Wars in Südafrika

In der Africa Lodge in Südafrika kamen die Sterne-Kontrolleure im Luxusschlitten vorbei, ausserdem spannende Gäste wie ein Concorde-Pilot, und der Feigenbaum hat sich endgültig verabschiedet. Auswanderer Sacha von der Crone hat eine spannende Woche hinter sich.

Wir bekamen Besuch von einem Kontrolleur von Südafrika Tourismus. Die Überprüfung unserer vier Sterne erfolgt in einem knapp jährlichen Rhythmus. Es war spannend, der Mann bewegte sich über eine Stunde auf unserem Grundstück kontrollierte die Zimmer, besuchte den Pool und bewertet so den gesamten Eindruck, die Sauberkeit und auch die Serviceleistungen, natürlich verbrachten wir den Morgen damit, alles noch mehr auf Hochglanz zu trimmen als sonst schon. Zum Abschluss gab es ein kurzes Feedback-Gespräch mit ersten Inputs oder Bemerkungen. Den Rest erfahren wir dann in etwa drei Wochen per E-Mail. Eventuell bekommen wir nochmals Besuch von einem weiteren Prüfer, der dann den ersten Kontrolleur kontrolliert und ein weiteres Urteil fällen wird. Es kann also noch ein Weilchen dauern.

Aufgefallen ist mir vor allem, dass er mit einem unglaublich grossen und teuren deutschen Luxusschlitten bei uns vorgefahren ist. Für einen normalen Angestellten viel zu teuer. Wollte er uns damit zeigen, dass er genug Geld hat und nicht bestechlich ist? Oder eben, dass er es ist und darum so ein teures Auto fährt? Schlimm meine Gedanken, ich weiss. Die Maid fragte nach, ob der Kontrolleuer ein Schwarzer gewesen sei. Als wir bejahten, meinte sie nur, der will sowieso Geld. Obs stimmt oder nicht, ist egal. Schlimm ist einfach, dass in einem Land, das nach dem Ende der Apartheit schnell erfolgreich wurde, eben weil es keine Korruption zuliess, nun immer und überall Bestechung vermutet wird und auch viel Geld fliesst, bis weit nach oben bzw. bis ganz hinauf.

Spannende Besucher
Was früher ein Bier mit Freunden zum Beispiel nach einem Handballspiel war, sind heute kurze oder längere Geplauder mit Gästen beim Frühstück oder am Pool. Die sozialen Kontakte finden mehrheitlich mit unseren Gästen statt. Und natürlich auch über die Online-Medien mit den Freunden zu Hause. Ich hätte nie gedacht, dass diese Gespräche mit unseren Gästen so spannend sein können.

Oder habt Ihr schon mal länger mit einem ehemaligen Concorde-Piloten gesprochen? Er reist um die Welt, verkauft Bücher und erzählt Anekdoten aus seinem Piloten-Leben. Manchmal fährt er sogar mit einem Kreuzfahrt-Schiff um die halbe Welt und hält Lesungen. Oder da waren die zwei, die ein Agrar-Hilfswerk in den Townships aufbauen wollen und den Bauern Möglichkeiten bieten, ihre Produkte auch ausserhalb des armen Viertels zu verkaufen. Bereits in Ghana und anderen Ländern auf dem afrikanischen Kontinent waren sie aktiv und hatten auch entsprechend viel erlebt und zu erzählen. Aber auch der Austausch mit «normalen» Touristen ist spannend, offenbart neue Eindrücke über unsere neue Heimat. Auch wir stehen häufig Red und Antwort, wie es denn gekommen sei, dass wir nun hier die Africa-Lodge betreiben.


Der schnelle Wochenrückblick

  • Es regnete einmal in der Nacht für vier oder fünf Stunden. Doch leider war das nicht mehr als der bekannte Tropfen auf den heissen Stein, reichte aber, um unsere vergessen gegangen Kissen auf den Stühlen im Garten zu ruinieren.
  • Der Feiertag Mitte der Woche - der Tag der Versöhnung - wurde von vielen Einheimischen für Demonstrationen gegen den amtierenden Präsidenten genutz. Eigentlich so gar nicht versöhnlich, überall zu hören und lesen: «Zuma must fall». Sogar am Tafelberg wurde ein riesiges Transparent enthüllt, die Unzufriedenheit über den korrupten Staatspräsidenten wird grösser und grösser. Stürmische Zeiten könnten auf das Land zu kommen.
  • Hund Fynn hat ein neues, rotes Halsband. Das Geschenk meiner Mutter zeigt nun von weitem deutlich: Fynn ist Schweizer.
  • Der Feigenbaum - wir vermuteten schon länger, dass er dem Tod näher ist als der vollen Blüte - fiel heute mit lautem Krachen auf den Liegestuhl. Wo letzte Woche noch Vögel Feigen klauten, klafft nun ein Loch im Garten.
  • Und, es war mal wieder Zeit für leichte Renovationen, Stühle glänzen nun im frischen Look. Das Haus füllt sich mehr und mehr mit Weihnachtsgästen, Bekannte werden uns besuchen, die Hochsaison geht nun los, und meine Mutter hat sich schon gut eingelebt, geniesst den Garten und erlebt mit uns zusammen den Alltag.


Man liest sich!

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