Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Leeres Haus, voller Kopf und ganz viel Vorfreude

Für Sacha von der Crone und seine Freundin Barbara gibt es kein Zurück mehr - ihre Auswanderung nach Südafrika steht kurz bevor. Vier Wochen vor dem Abflug werden ihre Möbel bereits verschifft. Es machen sich Aufbruchstimmung und Melancholie breit, wie der neue SI-online-Blogger in seinem ersten Beitrag schreibt.

Wir werden sicherlich noch einige Male über unseren eigenen Mut erstaunt sein. Doch momentan gehts uns richtig gut und wir freuen uns auf Südafrika. Südafrika einfach. Wenn wir auswandern, dann richtig. Ohne Hintertürchen und doppelten Boden. Alles ist gekündigt, verschenkt oder verkauft. Wir essen aus alten Tellern, die wir nicht mehr wollen, mit Besteck, das wir noch nie benutzt haben, und trinken aus Plastik-Bechern - wir warten im leeren Haus auf den 20. September, den Tag unseres Abflugs. Zum Glück wollte der Nachbesitzer schon früher ein paar Möbel bringen, damit wir noch das Nötigste - Sofa, Bettsofa und TV - haben und meine Mutter brachte noch einen «Not-Tisch» vorbei.

Was alles passt in einen 33 Kubikmeter-Container?
Freudig erwarteten wir am Freitag, 21. August, den Container - fast pünktlich um 16 Uhr fährt er vor. Meine Güte ist der hoch oben auf dem Lastenanhänger! Eiligst kann ich beim Lebensmittelladen ums Eck Paletten organisieren, um eine Treppe zu bauen. Hätte man vielleicht früher daran denken können, schliesslich wollen wir ja so vieles anders anpacken als all die Auswanderer, die man im deutschen Privatfernsehen Abend für Abend auf ihrem Weg ins neue Un-Glück bewundern kann. Und dann gibts gleich zu Beginn einen leichten Planungsfehler. Weitere werden folgen, aber das wird uns nicht aus der Ruhe bringen.

Türe auf - ein leicht muffiger Geruch kommt uns entgegen. Was war wohl die letzte Fracht in diesem Ding? Wir laden nach dem Treppenbau ein paar Möbel ein und begeben uns anschliessend ans «Platzfest» mit unseren Nachbarn. Abschied feiern und gleichzeitig noch Helfer für die grossen Möbelstücke organisieren, die am Samstag als erstes rein müssen. Alles klappt reibungslos, grössere Schäden bleiben aus. Wir müssen gut planen, hochrechnen, was wohl alles in einem 33-Kubik-Container Platz findet. Meine Freundin Barbara zeichnete schon Tage zuvor in der Stube «virtuell» den Container auf, um irgendwie abschätzen zu können, wie gross das Volumen tatsächlich ist... Und am Schluss haben wir sogar noch freien Stauraum und nehmen mit, was wir gar nicht unbedingt dabei haben müssen. Ausser die Fernbedienung des zweiten Fernsehers, die haben wir glatt vergessen, sie reist nun im Koffer mit uns mit.

Umziehen beziehungsweise Möbelpacken ist ja nie wirklich lustig und trotzdem freut man sich beim Schleppen auf Neues. Zieht man in der Schweiz um, transportiert man so viel Zeugs am Schluss nach der Wohnungsreinigung noch im Auto mit. Transportiert Bilder und TV und sonstiges heikles Zeugs. Das geht bei uns natürlich alles nicht. Sogar bei den Kleidern müssen wir abschätzen, was wir hier in der Schweiz noch brauchen und dann im Koffer Platz findet, ohne dass wir das Maximal-Gewicht der Fluggesellschaft überziehen. Ein früher Wintereinbruch würde mich nun also kalt erwischen. Und ein weiterer Unterschied: Für die Verzollung müssen wir jedes einzelne Möbelstück und jede Schachtel nummerieren und beschriften - wir haben genau die 100 voll bekommen.

Unsere Möbel auf grosser Fahrt
Seit nun zwei Wochen reisen uns unsere Möbel voraus. Via Rotterdam ans Kap mit dem Schiff - auf hoffentlich ruhiger See. Der wegfahrende Container von unserem Hausplatz hätte nicht sinnbildlicher sein können. Der grosse Aufbruch hat begonnen und Melancholie macht sich breit. Gemäss Angaben unseres Spediteurs werden die Möbel am gleichen Tag wie wir in Kapstadt ankommen - anschliessend folgt für den Container der Weg vom Schiff durch den Zoll und dann zu uns nach Somerset West - das wird nochmals Tage dauern.

Uns bleiben noch 14 Tage in der Schweiz. Abschied um Abschied wird stattfinden. Ich werde meinen letzten Arbeitstag haben - der von Barbara liegt schon länger zurück. Wohl auch deshalb ist sie mental schon viel weiter weg als ich. Alles wird nun konkreter, alles kommt näher. Wie schrieb mir vor ein paar Tagen jemand auf Facebook: «Es ist kein Abschied, sondern ein Aufbruch zu Neuem.» - Genau so ist es. Freude herrscht!

Man liest sich!

Der nächste Blog-Beitrag von Auswanderer Sacha von der Crone folgt kommenden Sonntag.