Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Das erste Mal - fully booked

Es läuft rund für Südafrika-Auswanderer Sacha von der Crone und Freundin Barbara. Zum ersten Mal ist ihr Guesthouse ausgebucht. Das bedeutet jedoch vor allem eines: eine Menge Stress.

Mitte Woche erlebten wir unser erstes Mal als ausgebuchtes Gästehaus - wir hätten sogar noch mehr Zimmer vermieten können. Die Saison beginnt langsam aber sicher, und wir haben einen spannenden Mix an Gästen zu Besuch. Nebst den Touristen beherbergen wir einen Drohnenpiloten, der für Filmaufnahmen in der Gegend ist, oder einen Farmer aus dem Norden Südafrikas, der hier unten Kundenkontakte pflegt. Abwechslungsreich sind auch die kurzen und manchmal längeren Gespräche. Doch wie immer kommt - nebst mehr Früchten schnipseln für den Fruchtsalat oder mehr Fleisch und Käse aufschneiden fürs Buffet - in solchen Situationen alles zusammen. So benötigten wir am Fully-Booked-Morgen schnell einen Klempner (eine Baumwurzel im Garten brachte eine Abwasserleitung zum Bersten), zudem waren noch Bodenleger im Haus für unser neustes und wohl für einige Zeit auch letztes «Umbau-Projekt». Und dann waren da noch unsere Maid und der Gärtner, die zwar mehr oder weniger selbstständig arbeiten, aber doch auch Zeit beanspruchen. Barbara und ich waren zusammen mit Hund Fynn übers ganze Grundstück verteilt und erhielten Informationen oder gaben Instruktionen. Dazu bedienten wir unsere Gäste beim Frühstück, die von all dem nichts mitbekommen sollten. Wir habens irgendwie hinbekommen.

Gut war bei all diesem Stress, dass nicht auch noch unser TV-/Internet-Installateur vorbeikam, obwohl er nach mittlerweile fast 14 Tagen versprochen hatte, heute aber ganz sicher zu kommen. Wir warten immer noch...

Ein neues Gästezimmer entsteht
Um unseren Gästen noch mehr Komfort zu bieten, haben wir uns entschieden, das Zimmer, das über kein Bad en suite verfügt, aufzulösen und selber zu benützen. Stattdessen werden wir unser altes Schlafzimmer als Gästezimmer anbieten. Doch dieses muss vorher noch renoviert werden. Die Badezimmer mit Shabby-Chic-Möbel und Duschkabine haben wir selber restauriert beziehungsweise neu aufgebaut. Für den Boden zogen wir zum Glück einen Spezialisten zu Rat. Denn wie sich rasch herausstellte, war der steinalte Parkettbelag unter dem Teppich tatsächlich feucht und leicht schimmlig. Der Bodenleger meinte, wir können das Parkett selber rausnehmen oder unseren Gärtner damit beauftragen, der nehme den Boden sicherlich gleich mit nach Hause - «diese Schwarzen können ja mit allem noch was anfangen». Wir verzichteten darauf und brachten den alten, zerschnittenen und ausgebleichten Teppich zur Mülldeponie. Dort gibts einen «Shop», in dem alles noch halbwegs Brauchbare ausgestellt und verkauft wird. Sogar unser Teppich schaffte es in ein Regal - unvorstellbar! Nun sind also zwei Personen damit beschäftigt, den alten Parkettboden rauszureissen und einen feinen Estrich zu giessen. Zwei Arbeiter, die, ohne zu übertreiben, gleich lang arbeiten, wie sie Pause machen. Es ist schon so: Speditives, zügiges Arbeiten ist bestimmt nicht hier erfunden worden. Aber bei einem Stundenlohn von einem Franken ist das kein Drama.

Ich möchte mich nicht über die südafrikanische Arbeitsweise lustig machen, doch zwei Sachen amüsierten mich im Baumarkt sehr. Ich kaufte für den Umbau eine Trockenbauwand, die zugeschnitten werden musste, damit sie die Türe vollständig verdeckt. Vier Mitarbeiter waren dafür notwendig. Zwei haben abgemessen, einer führte - inmitten der Regale - die zwei Schnitte aus und ein Vierter observierte und kommentierte das Geschehen. 25 Minuten später war ich mit der Platte auf dem Weg zum Auto. Die vier wurden allerdings auch ziemlich lange aufgehalten. Sie mussten meine Platte aus etwa drei Meter Höhe mit dem Gabelstapler runterholen, obwohl rundherum genügend Platten gelegen wären. Der Gabelstapler wiederum musste aus zwei Gründen relativ lange warten: Erstens fehlte zuerst ein weiterer Mitarbeiter, der eine rote Fahne schwingt, um auf die mögliche Gefahr durch den Gabelstapler aufmerksam zu machen. Und zweitens, fiel dem Fahrer doch im unglücklichsten Moment der gelbe Bauhelm vom Kopf und er musste warten, bis ihm ein anderer Mitarbeiter den Helm wieder gebracht hatte. Sicherheit geht vor - und er, der Staplerfahrer, muss sicher keine Sachen aufheben. Hierarchie und Ordnung muss sein.

Das ist immer wieder spür- und sichtbar. Ist einer eine Stufe höher, lässt er das alle Untergebenen spüren. So auch der Chef der Bodenleger. Der kam zusammen mit seinen Mitarbeitern bei uns an, setzte sich in einen Stuhl und schaute den anderen beim Arbeiten zu. Als er merkte, dass alles auf gutem Wege war, zog er von dannen. So war es auch bei den Elektrikern, der Chef sonnte sich und liess arbeiten.

STOPP - schön der Reihe nach
Ampeln gibts in Südafrika viele, und wenn es keine Ampel hat, dann ist praktisch jede Kreuzung mit Stopp-Schildern «geregelt». Vier Strassen, vier Schilder. Und wer fährt jetzt als Erster? Schön der Reihe nach: Wer zuerst kommt, fährt auch zuerst los. Egal, ob er von der kleineren in die grössere Strasse reinfährt, ob er weiter geradeaus fährt oder nach links oder rechts abbiegt. Für mich gibt es fast nichts, das sinnbildlicher ist für Südafrika. Man nimmt aufeinander Rücksicht, kennt wenig Eile oder gar Hetze und alles hat seine Ordnung. Stellen Sie sich solche Kreuzungen mal in der Schweiz vor...

Man liest sich!

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