Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Jeder Tag birgt neue Herausforderungen

Neue Woche, neues Glück: Hund Fynn hält Auswanderer Sacha von der Crone auf Trab, die Zeitverschiebung sorgt für manches Wirrwarr und der Coiffeur-Besuch von Freundin Barbara für Kopfschütteln. 

Die Tage beginnen mittlerweile früh bei uns. Um 6 Uhr - man kann leider fast den Wecker danach richten - holt mich Fynn, der gerade seine Zukunft eher als Gärtner, denn Wachmann sieht aus den Federn (siehe Video unten). Barbara darf noch kurz liegen bleiben, so war der Deal, als ich für uns entschied, dass ein Hund unser Leben in Südafrika bereichern würde... Aber natürlich muss auch das Frühstücks-Buffet für unsere Gäste hergerichtet werden. Als eigentlicher Morgenmuffel fällt mir das Aufstehen erstaunlich leicht. Man richtet sich hier unten schon eher nach der Natur, wenn ich frühmorgens die Geräusche aus der Nachbarschaft richtig deute, bin ich wohl nicht der Erste der aus den Federn steigt.

Dank der europäischen Winterzeit sind wir der Schweiz nun eine Stunde voraus. Spielt ja eigentlich überhaupt keine Rolle, oder doch? - Wenn wir zum Beispiel abends müde auf dem Sofa sitzen beziehungsweise liegen, spielt die Stunde plötzlich eine Rolle. Anstatt US-Serien quälen uns dann noch Frühabend-Serien aus dem deutschen Privat-Fernsehen. Dafür habe ich theoretisch eine Stunde länger Zeit bis zum Abgabetermin dieses Blogs. Oder zum Beispiel am Mittwochabend, da wollte ich via Live-Ticker das Spitzen-Handballspiel zwischen Kadetten Schaffhausen und Pfadi Winterthur verfolgen. Spielbeginn um 19.30 Uhr. Als ich um 20.45 Uhr südafrikanischer Zeit den Spielverlauf anschauen wollte, machte ich mir sicherlich zehn Minuten Gedanken, weshalb es erst 4:4 steht, obwohl das Spiel schon lange lief. Man merkt, unsere Gedanken sind manchmal mehr in Europa als in Südafrika. Mit Facebook, WhatsApp und all den Online-Medien sind wir in der Schweiz auch mittendrin, statt nur dabei.

Der Weg zum Coiffeur

Nach fast acht Wochen seit dem letzten Coiffeur-Termin, noch in der Schweiz, ist es an der Zeit, dies in Südafrika auch zu tun. Immer mal wieder haben wir überall einige Coiffeur-Läden gesehen. Eines Morgens sagte Barbara zu mir, heute will ich zum Coiffeur. Wie abgemacht, bin ich zuerst an der Reihe.

Keine Ahnung, ob Männer ein Frisur-Malheur besser wegstecken als Frauen. Oder aber ob sie lieber mich mit entstellter Frisur anschaut, als selber mit einem unglücklichen Haarschnitt durchs Leben muss. Gesagt getan, ich gehe am Morgen hin, lasse mir die Haare schneiden. Eins vorweg: Das Ergebnis ist gut. Ich bin aber bis jetzt nicht sicher, ob die Coiffeuse meinen Haarschnitt «verstanden» hat. Es kommt mir nämlich eher vor, als würde sie diesen neumodischen europäischen Quatsch nachbauen. Egal, 200 Rand hab ich dafür bezahlt (circa 14 Franken) und gleich für den Nachmittag einen Termin für Barbara vereinbart. Um 13.50 fährt sie los, in der Hoffnung, dass es in Südafrika vielleicht schneller geht als in der Schweiz. Ich erwarte sie einfach mal zum Abendessen zurück.

Nach dreieinhalb Stunden kommt Barbara wieder. Von weitem sehe ich schon, die Frisur sitzt, aber ihre Laune ist leicht verdorben. «Über drei Stunden hat das Ganze gedauert und weisst du, wieviel ich bezahlt habe? - 2100 Rand (umgerechnet etwa 151 Franken)! Die spinnen doch.» In der Tat, ein unglaublicher Preis. Übers Ohr gehauen wurden wir nicht, aber irgendwie haben wir wohl einfach den teuersten Laden der Stadt gefunden. Somit werde ich in sechs Wochen wiederum als erster zu irgendeinem anderen Salon als Testobjekt hinfahren und bei erfolgreichem Ausgang, für Barbara einen Termin buchen. Vorher werden wir aber sicherlich die Preistabellen genauer anschauen.

Andere Länder - andere (Frühstücks-)Sitten

Nebst Touristen haben wir auch immer mal wieder Geschäftsleute zu Gast. Gerade diese Woche übernachten ein Franzose und zwei Südafrikaner aus Pretoria bei uns. Während unser Hauptzielpublikum, Touristen aus Europa, das übliche Frühstück mit Fleisch, Käse, frischem Obstsalat und vor allem auch den selbstgemachten Zopf sehr schätzen, können die Südafrikaner dem überhaupt nichts abgewinnen. Omlette (ohne Milch und sonstige Zugaben) - also eigentlich einfach ein ungerührtes Rührei, einmal zusammengeklappt und dazu dunkle Toastscheiben - reichen komplett. Aber das wichtigste: Zucker, und zwar braunen. Unglaubliche drei bis fünf Löffel Zucker kommen in eine Tasse Kaffee oder meistens Rooibos-Tee. Fünf Löffel! Mein Vater sagte jeweils zu Leuten, die viel Zucker und Milch oder Rahm in den Kaffee taten: «Wenn du den Kaffee nicht magst, trink doch etwas anderes.» Auch unser Gärtner trinkt den Tee mit drei Löffeln Zucker. Uns gefällt der ganz normale Gästehaus-Wahnsinn immer noch sehr, sehr gut, um nicht sogar zu sagen von Tag zu Tag besser.

Südafrika ist an der Rugby-WM leider nur im kleinen Finale dabei, ein weiterer Bewässerungs-Schlauch hat Leck geschlagen, seit einer Woche warten wir auf den TV- bzw. Internet-Installateur, den wir täglich anrufen und der dann jeweils morgen ganz bestimmt vorbeischauen wird und der Himmel ist wie meistens wolkenlos, die Temperaturen täglich nahe bei den 30 Grad, und wir haben ein neues Umbau-Projekt in Angriff genommen - mehr dazu nächsten Sonntag.

Man liest sich!

Im Dossier: Alle Beiträge von Auswanderer Sacha von der Crone