Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Ein kleines Jubiläum und eine grosse Ehre

Im Herbst wagten Sacha von der Crone und seine Freundin den Schritt und wanderten nach Südafrika aus. Wie sie sich seither ihrem neuen Lebensrhythmus angepasst haben, erzählt der Winterthurer in seinem neuesten Blog. Ausserdem verrät er, wie die ersten Lohnverhandlungen mit seinen Angestellten über die Bühne gegangen sind, und warum sie allen Grund zur Freude haben.

Tatsächlich schon 20 Blogs hab ich geschrieben. Seit ziemlich genau vier Monaten leben wir nun in der Africa-Lodge. Oft werden wir danach gefragt, ob wir Heimweh haben. Nein, wir haben kein Heimweh, wir vermissen natürlich Menschen und vor allem auch Gewohnheiten. Gewisse Rituale haben wir auch hier unten schon eingeführt - sei es der morgendliche Kaffee, bevor es mit dem Frühstücksstress losgeht, tägliche Spaziergänge mit Hund Fynn in der traumhaften Natur, um einfach mal Zeit für sich oder uns zu haben, oder auch ein Feierabend-Bier an der Sonne, bevor wir den Tag beim Essen und Fernsehschauen ausklingen lassen. Lustig ist auch, dass wir in der Schweiz überhaupt keine Schoggi-Tiger waren, hier unten muss es allabendlich ein bisschen Schokolade sein. Wie so oft im Leben, was man nicht einfach so bekommt, wird spannend und begehrenswert. Die Zeit vergeht wie im Flug. Scheinbar war es auch genug Zeit für unsere Maid, die man neu «Domestic Worker» nennen sollte, wie auch für den Gärtner, der immer noch Gärtner genannt werden darf, das Gespräch mit uns zu suchen.

Beide hatten dasselbe Anliegen, aber unser Gärtner führte das Wort. Als hätte er es in der Schweiz gelernt, bedankte er sich zuerst für das äusserst angenehme Arbeitsklima, das vorzügliche Essen, das sie jeweils bekommen. Und er sagte auch, wie sehr beiden die Arbeit bei uns gefalle. Nach langer Rede um den heissen Brei, sagte er, dass sie gerne mehr Lohn hätten. Alleine die Taxifahrkosten hätten sich in der Zeit, seit sie in der Africa-Lodge arbeiten, fast verdoppelt. Wir nahmen das Anliegen ernst und versprachen ihnen, bald eine Antwort mitzuteilen. Schliesslich brauchten wir Zeit, um das ganze zu besprechen und auch das Lohnniveau zu überprüfen. Uns wurde von den Vorgängern gesagt, dass die beiden gut verdienen würden.

Barbara führte zwei, drei Telefonate mit Bekannten und wir schauten im Internet nach, welche Anhaltspunkte man so findet. Wir haben nun den Lohn von rund zehn Franken auf umgerechnet elf pro Tag erhöht. Sicherlich ein fairer Betrag, wir sind ja mit den beiden auch sehr zufrieden. Auf Facebook sind wir in einer Gruppe für Somerset-West-Bewohner. Hier kann man alles fragen, erfährt aktuelle Infos und soeben hat tatsächlich jemand nach einem gängigen Lohn für einen «Domestic Worker» gefragt. Die unzähligen Antworten bestätigten uns, dass unsere Lohnzahlung im oberen Mittelfeld liegt. Es zeigt aber auch, wie gross die Lohnschere für die gleiche Arbeit ist und auch - aufgrund von abschätzigen Antworten - wie schwer es Hausarbeiterinnen wohl an manchen Orten haben.

Zur Arbeitswelt gehören ja auch Feiertage. Und davon gibts in Südafrika einige, die sich von der Schweiz unterscheiden. Was sich aber ganz sicher unterscheidet, ist das Vorgehen, wenn zum Beispiel der Tag der Arbeit auf einen Sonntag fällt. In der Schweiz heisst das für die Arbeitnehmer: Pech gehabt! In Südafrika ist das anders. Die Feiertage sind im Public Holidays Act von 1994 festgeschrieben. Es schreibt unter anderem auch fest, dass, wenn ein Feiertag auf einen Sonntag fällt, der darauf folgende Montag ein gesetzlicher Feiertag ist. Zudem können zusätzliche Feiertage jeweils für ein Jahr durch den Präsidenten festgesetzt werden» (Zitat Wikipedia). Andere Länder, andere Feiertags-Sitten.

Eine freudige Nachricht erreichte uns diese Woche - mit 9.1 von zehn möglichen Punkten haben wir auf einem Internet-Portal mit unserer Lodge ein super Ergebnis erzielt. Wir bekommen eine entsprechende Urkunde in den nächsten zwei bis drei Monaten zugestellt, hiess es im E-Mail. Erstellung, Druck und Versand brauchen halt Zeit. 

Vom Winde verweht werden wir gerade im Moment. Es war uns sogar nicht einmal möglich den doch einigermassen geschützt stehenden Sonnenschirm aufzustellen. Alles, aber wirklich alles was nicht niet- und nagelfest war, drohte fortzufliegen, sogar Besteck machte sich auf dem Frühstückstisch selbstständig. Brände gabs leider auch wieder vereinzelt in unserer Region, aber alles nicht in einem bedrohlichen Masse. Das Wasser bleibt knapp, Regen fehlt und ist auch die nächsten zehn Tage nicht in Sicht. Fynn wächst und wächst - also alles wie immer gut in Südafrika.

Man liest sich!

Im Dossier: Alle Auswanderer-Beiträge von Sacha von der Crone