Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Lauberhorn-Rennen bei 35 Grad

Die Hitze ist immer noch drückend, die Brände kommen immer näher und das Vorhaben, das Lauberhorn-Rennen live zu verfolgen, ist geglückt. Südafrika-Auswanderer Sacha von der Crone über seine heisse Woche am Kap der Guten Hoffnung.

Die Brände haben zugenommen in unser Region. Aber wir sind nach wie vor sicher in der Africa-Lodge, die Distanz zu den ersten gefährlichen Feuerbränden ist noch weit. So wird es wohl und hoffentlich auch bleiben. Nichtsdestotrotz: Ein Brandherd war schon so nahe, dass wir zum Frühstück stetig mit einem «Wedel» die Asche von den Tischen wehen mussten. Mir war zuerst gar nicht klar, was für feines weisses Zeugs da auf unseren Gartentischen lag. Bis Barbara mir zurief, dass die Autos voller Asche seien. So wurde uns dann die Gefahr plötzlich doch sehr bewusst, und sie kommt damit auch näher.

Zwei Feuersbrünste waren in unserer Region ziemlich gross diese Woche. Spannend dabei war, dass sowohl auf Facebook wie auch im lokalen Radio aufgerufen wurde, die unermüdlichen Feuerwehr-Männer zu unterstützen, nicht mit Geld sondern mit Getränken - explizit erwähnt - auch gerne mit Süss-Getränken und Energy Drinks oder Sandwiches. Im Lokal-Radio wurde durchgegeben, an welcher Kreuzung man die Sachen abgeben konnte, und auf Facebook verabredete man sich vor dem «Pick'n Pay», um die Spenden zu sammeln. Ein schönes, fast schon romantisches Wir-Gefühl ist stark spürbar. Ich frage mich, ob es in einem solchen Fall auch in der Schweiz so gelebt würde, ich empfinde es als einzigartig. Man spürt aber auch, dass die Brände hier im Sommer halt einfach dazugehören und man damit lebt. Einige Pflanzen-Arten brauchen das Feuer sogar zur Fortpflanzung bzw. Versamung.

Vom Lauberhorn auf und davon

Ich konnte meinen Wunsch in die Tat umsetzen und tatsächlich bei über 35 Grad im Schatten das Lauberhorn-Rennen, wenn auch auf verkürzter Strecke, live im TV geniessen - das gleiche Ziel gilt natürlich auch für die legendäre Streiff. Ebenso verfolgen wir Woche für Woche die neuen Auswanderer auf SRF in «Auf und davon». Eine Sendung, die wir schon in der Schweiz fast nie verpasst haben.

Ich glaube aber nicht, dass wir sie nun mit anderen Augen verfolgen. Zu verschieden, zu individuell sind die einzelnen Geschichten. Auswandern lässt sich wohl nicht einfach vergleichen, man muss es erlebt haben, um mitzufühlen. Ich bin sicher, dass der Erfolg des Auswanderns darin liegt, dass man bereits «zu Hause» ein erfülltes, glückliches Leben hatte und man auf der Suche nach der Steigerung ist. Flucht, Angst oder Hoffnung auf besseres «Ohni nüt» sind bestimmt ein ganz schlechter Ratgeber. Niemand, wirklich niemand, hat auf einen in einem fremden Land gewartet. Man ist als Auswanderer noch viel mehr seines eigen Glückes Schmied. Wer das in sich trägt, wird als Auswanderer Erfolg haben. So zeigte es auch der Jahresrückblick von «Auf und davon».

Nach vier Monaten in der Fremde haben wir noch keine neuen, tiefen Freundschaften geknüpft, das wäre wohl auch vermessen gewesen zu erwarten. Wir haben aber unzählige, gute Kontakte geknüpft, spannende Gäste und sonstige interessante in Südafrika lebende Menschen kennengelernt, sind aber immer noch weit entfernt, Südafrika als unsere neue Heimat zu empfinden, sicher aber als unser neues Zuhause. Es gefällt uns immer noch sehr gut, wir geniessen die Tage hier an der heissen Sonne und machen uns bereits Gedanken, wie wohl der Winter sein wird. Gerade mit all den Flüchtlings-Problemen in Europa ist es auch spannend zu erfahren, was es heisst, Ausländer zu sein.

Zum Schluss noch dies

Fynn weiss sich problemlos in der Hitze zu helfen. Er buddelt fein säuberlich einige Zentimeter Erde weg, bis sie kühler wird, und kuschelt sich dann in die gegrabene Mulde ein. Niemand hat ihm das gezeigt - er trägt es in sich. Ende Januar bekommen wir zudem immer noch Weihnachtskarten - der Post sei Dank, wird so die Überraschung noch grösser. Präsident Zuma ist übrigens immer noch nicht beliebter. Riesige Transparente werden an Hochhäusern aufgehängt - «Zuma must fall» - ist der Slogan. Im Internet kursieren viele Bilder von solchen Plakaten, die meisten sind allerdings Fake, aber erregen doch trotzdem Aufmerksamkeit. Und: Wir sind immer noch komplett ausgebucht, geniessen die vielen Gäste und finden doch auch immer noch Zeit für eine kurze Abklühlung im Pool oder bei einem Spaziergang mit Fynn unter grossen Bäumen.

Man liest sich!

Im Dossier: Alle Südafrika-Blogs von Auswanderer Sacha von der Crone