Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Der Gärtner ist wieder da - und Barbara weg

Ausgerechnet nach den vielen Einbruchmeldungen der letzten Zeit ist Auswanderer und Blogger Sacha von der Crone alleiniger Hausherr in der Africa-Lodge. Und schon in der ersten Nacht allein zu Haus kommts zu einem Zwischenfall...
Südafrika Auswandern Africa Lodge Sacha von der Crone
© Sacha von der Crone

Nach einem nächtlichen Erlebnis weiss Blogger Sacha von der Crone jetzt: Auf seinen Hund Fynn ist Verlass!

Tatsächlich klingelte der Gärtner pünktlich an unserer Tür und hielt mir auch gleich die erneuerte Bewilligung unter die Nase. Kann ich mich also doch endlich mal auf einen männlichen Arbeitnehmer verlassen? Schön wäre es. Sein Fahrrad wurde ja auf unserem Grundstück geklaut, und er braucht dringend ein neues, weil er eben gerade wegen des Velos Jobs an Orten annehmen kann, wo sonst nicht jeder hinkommt.

Er tut uns ja wirklich leid. Und irgendwie haben wir auch ein schlechtes Gewissen, weil es bei uns passiert ist. «Du kannst deinen Anteil an den Trinkgeldern ein bisschen früher bekommen, wenn du ein neues Fahrrad hast», erklärte ich ihm, auch ein wenig, um unser Gewissen zu beruhigen. 400 Rand, also weniger als 30 Franken, hat das letzte Bike gekostet. Sein Anteil an den Trinkgeldern wäre bedeutend höher. So laufen wir nicht Gefahr, von ihm verkohlt zu werden.

Scheinbar hat er nun ein neues Bike gefunden, liess er mich über Whatsapp wissen. Es koste aber 1000 Rand, ob das ok sei, schrieb er. Meine Antwort war, falls er 1000 Rand habe, könne er das Velo kaufen. Ich weiss schon nicht, ob die 400 Rand eine korrekte Angabe waren, aber 1000 sind bestimmt gelogen. Ich sah schon Bikes, die von Weissen auf Facebook verkauft wurden für 600 Rand, also gibt es bestimmt auf dem Markt im Township kein Bike für 1000. Ja, man muss wirklich immer auf der Hut sein, nicht «verarscht» zu werden. Schlimm, und trotzdem haben wir immer noch Mitgefühl mit den schlechter gestellten hier in Südafrika, aber eins wissen wir seit Anfang an. «Gibst du ihnen den kleinen Finger, nehmen sie die Hand, den Arm und noch mehr.» Auch wenn es mir nicht einfach fällt, eine gewisse Abgebrühtheit muss man an den Tag legen.

Barbara sagte mir unlängst belustigt, dass der Gärtner unsere Maid fragte, ob sie nicht noch Single-Frauen kenne. Er würde so gerne endlich eine Frau haben. Mir erklärte er aber auch schon, dass er Geld nach Hause schicken müsse, weil seine Frau krank sei und in ein privates Krankenhaus in Malawi müsse, weil die staatlichen nichts taugten. Ehrlich gesagt, hätte ich ihm einfach so, 600 Rand für ein neues Fahrrad gegeben, ich hätte ihn entweder nie mehr gesehen oder er wäre wieder zur Arbeit erschienen, aber mit 100-prozentiger Sicherheit ohne Velo. Dafür hätte er wohl einfach zwei, drei lustige Nächte verbracht. Unverschämte Aussage, denkt Ihr? Nein! So wäre es gewesen. Schliesslich will er an einem seiner beiden Arbeitstage bei uns nur 10 Prozent seines Lohnes, weil er es sonst nicht mit dem Geld an den Marktständen vorbei bis nach Hause schaffe. Ende der Woche geht dann das Geld direkt mittels Geldinstitut nach Hause, wo eifrig am neuen Haus gebaut wird.

Ausgerechnet nach all den Einbruchmeldungen in den letzten Wochen und unserem Meeting mit der Nachbarschafts-Wache verbrachte ich die erste Nacht «alleine» in der Africa-Lodge. Barbara genoss eine Woche Ferien in der Heimat, den ersten seit unserer Auswanderun. Ihr Flug wäre sonst sogar verfallen. Ich bin ja kein «Schiss-Haas» und werde das alles schon meistern.

In der ersten Nacht, morgens um 3, erwache ich, weil Fynn knurrt, und zwar laut. Wenn ein Ridgeback knurrt, hat das seinen Grund. «Fynn, was ist?» frage ich ihn, schnurstracks will er nach draussen in den Garten. Nun gut, wenn ein Wachhund nach draussen will, soll er nach draussen können. Ich öffne die Tür, bewaffnet mit Taschenlampe und einem Puls von wahrscheinlich 200. Das Herz schlägt direkt im Hals. Fynn rennt raus und bleibt vor dem Durchgang zu unseren Gästezimmern stehen. Aus einem Zimmer höre ich lautes Schnarchen, Niesen und Husten alles gleichzeitig. Der Gast jammerte mir noch vor, dass er erkältet sei. Fynn knurrt unaufhörlich, ich kann sonst nichts Besonderes feststellen. Das Schnarchen, Niesen, Husten hört auf, das Knurren von Fynn auch, und er zottelt zurück ins Haus. Vielleicht haben wir den Gast geweckt, ich traue mich nicht, ihn darauf anzusprechen.

Aber eines weiss ich nun: Auf Fynn ist Verlass, und er erträgt scheinbar keine Schnarchenden in der Nacht. Ich brauchte eine Stunde, um wieder einschlafen zu können, Fynn nach diesem Einsatz keine fünf Minuten. Sein Schnarchen wiegelte mich irgendwann auch wieder in den Schlaf...

Man liest sich!

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