Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Regen! Endlich Regen!

Früher ärgerte er sich über Regen - heute könnte er einen Regentanz dazu veranstalten. Südafrika-Auswanderer Sacha von der Crone über die grösste Freude dieser Woche. Und den Frust über einen neuen, alten Fernsehsender.

Nie hätte ich zu träumen gewagt, dass dieser Titel einmal die Überschrift eines Blogs von mir sein könnte. Aber tatsächlich - es hat geregnet! Nicht nur wir haben uns darüber gefreut, alle hier unten, die Freude war spürbar und auch sichtbar. Unser Garten hat sich leicht erholt, die kühleren Temperaturen anstelle des prallen Sonnenscheins taten der Natur gut. So südafrikanisch sind wir also schon, wir freuen uns über Regen... Seit wir im Western Cape leben, regnet es jetzt zum dritten oder vierten Mal. Wie wichtig Regen und Wasser sein kann, wird uns erst jetzt bewusst. Jetzt, da wir mit Wasser- und Regenknappheit leben müssen. Oft sind Niederschläge doch ein Ärgernis, hier verspürt man jetzt plötzlich Dankbarkeit und sieht, wie sich alles erholt.

Für unseren Hund Fynn war es der zweite Regentag in seinem Leben bei uns. Wie immer trottete er, als Morgenmuffel, früh morgens aus dem Haus. Und weil er Regen nicht wirklich kennt, kam er rückwärtslaufend (!) wieder und mit zugekniffenen Augen wieder zurück ins Haus und schaute mich an, als wollte er fragen: «Was ist da draussen gerade los?» Mit dem Regen hat sich auch die Feuergefahr einigermassen gelegt. Glaubt man den Wetterprognosen, war es das jetzt aber auch wieder für die nächste Zeit. Temperaturen über 30 Grad, sind nun wieder die Regel.

Ein Stück Heimat wurde uns genommen

Klingt dramatisch und ist vielleicht für viele nicht nachvollziehbar (wie die Freude über den Regen): Ein ehemaliger luxemburgischer TV-Sender mit drei Buchstaben, den wir hier unten nebst einem deutschen TV-Sender mit auch drei Buchstaben für gutes Geld abonniert haben, stellte einfach sein Programm um. Anstelle des normalen RTL-Programms empfangen wir nun RTL International - neu, werbefrei. ABER mit steinalten, aufgetauten und entstaubten Gamellen. Die erste Folge von «Frauenknast» zum Beispiel. Man stelle sich das vor: 20 Jahre altes Zeugs wird uns nun frisch serviert. Das kann nicht schmecken. Oder es gibt das Frühstücksfernsehen, das abends um 18 Uhr über den Bildschirm flimmert, und Nachrichten, bei denen nur der Ton zu hören ist, weil die Bildrechte fehlen.

Wie ich schon mal schrieb: Gewohnheiten sind das, was uns fehlt und uns ab und zu Heimweh beschert. Und nun wird uns mit einem Programmwechsel noch Gewohnheit genommen. Klingt vielleicht komisch, ist aber so. Und dies ohne Vorankündigung beziehungsweise mit Ankündigung am gleichen Tag der Umstellung, während eines laufenden Abos. Juristisch wohl fragwürdig, moralisch ein Ärgernis. «Wenn ihr sonst keine Sorgen habt», denken bestimmt einige. Ja richtig, sonst haben wir keine Sorgen. Nun erhöhen wir die Internetkapazität, schauen über das WWW deutschsprachiges Fernsehen und gut ist.

Lustig war allerdings, dass wir dank diesem Programmwechsel in den Genuss einer Ur-Alt-Episode von «Goodbye Deutschland» kamen, in der doch tatsächlich zwei nach Somerset West ausgewandert sind, um mit einem Guest House ein neues Leben zu beginnen. Die zwei sind mittlerweile schon lange wieder zurück in der Heimat. Blüht uns das auch mal? Wir können es uns nicht vorstellen...

Und zum Schluss noch dies

Das Haus ist weiterhin voll, wir beherbergen eine grosse Golfgruppe, die uns mit dem zeitgleichen Frühstücken kurzzeitig auf Hochtouren bringt. Wir planen für den Winter den einen oder anderen Umbau und stossen dabei immer mal wieder auf die Frage: Und wo bekommen wir das Material? Hier hilft uns die schon mal zitierte Facebook-Gruppe mit passenden Tipps immer schnell und gerne weiter. Es ist immer wieder ein spezielles Gefühl, zum Beispiel nicht zu wissen, wo man Terrassen-Dielen kaufen könnte. In der Schweiz wusste man solche Sachen einfach, hier gehört das Suchen des richtigen Geschäfts immer mal wieder zur Tagesplanung. Es gibt immer noch vieles, vieles neu zu entdecken.

Man liest sich!

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