Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Endlich wieder ein Zuhause

Auswanderer Sacha von der Crone und Freundin Barbara haben die Lodge in Südafrika von ihren Vorbesitzern übernommen. In seinem neuesten Blog schreibt der Winterthurer über die Arbeit, die nun auf sie wartet, den ungewohnten Einkauf von Strom und die Rollenverteilung zwischen Gärtnern und Chefs. 

Nun haben wir wieder ein Heim. Alle Möbel sind dort, wo sie hin sollen. Die Bilder sind mehr oder weniger aufgehängt und die vielen Deko-Artikel von Barbara platziert. Lange hat es seit dem Möbelverlad Mitte August gedauert, aber nach sechs Wochen haben wir wieder ein Zuhause. Es tut uns beiden gut, sich etwas geborgen zu fühlen und langsam anzukommen.

Mit dem Einzug und nach der Übergabe von den Vorbesitzern sind nun alle Pflichten auf uns übertragen. Es ist manchmal sogar schon fast hektisch. Alles ist neu und vieles natürlich noch gänzlich unbekannt. Aber das Ankommen ist vor allem eine schöne Zeit. Endlich können wir unsere Ideen umsetzen, beginnen mit handwerklichen Veränderungen, um unseren Stil in die Africa-Lodge zu bringen. Das ist spannend und macht nebst viel Arbeit auch Freude. Man sieht, was man täglich vollbracht hat. Dazu gehört auch der erste Versuch, einen Zopf zu backen. Hefe hier zu bekommen, ist nicht ganz einfach, aber möglich. Die meisten Mehlsorten haben die Hefe bereits beigemischt. Das Ergebnis lässt sich sehen und schmeckt vorzüglich. So werden wir also Zopf an unserem Frühstücksbuffet auftischen können.

«Schatz, ich geh dann noch Strom kaufen»
Eine Geschichte, die ich unbedingt erzählen muss. Strom ist knapp hier und demzufolge auch teuer - bedeutend teurer als in der Schweiz. Wenn etwas teuer ist, gibts meistens auch «Zechpreller». Aus diesem Grunde bezahlt man in unserer Gegend den Strom im Voraus. Analog unserem Pre-Paid-Handy-System haben wir einen Zähler in der Garage, welcher uns anzeigt, wie viele Kilowatt-Stunden wir noch haben. Neigt sich der Stand dem Ende, müssen wir zum Supermarkt in unserer Nähe fahren, unsere Stromnummer angeben, bezahlen, nach Hause fahren und den Code auf dem Kassenzettel eintippen. Nach wenigen Sekunden sind die gekauften Kilowatt-Stunden aufgeladen. Ein bisschen aufwendig, aber eigentlich ist das System ganz ok. Man hat die Kosten im Griff und es wird einem bewusst, dass Strom immer noch nichts Alltägliches ist. Der Strom fliesst immerhin zuverlässig und wir sparen, wo wir nur können - mit Solar-Lichtern oder Öko-Glühbirnen - und wir sorgen dafür, dass kein Gerät zu viel auf Standby ist. Eigentlich ganz vernünftig. In der Schweiz oft vernachlässigt.

Nebst dem Stromverkauf können hier aber die Supermärkte meistes noch mehr. Man kann an der Kasse zusammen mit den Lebensmitteln auch noch Rechnungen bezahlen. Die Rechnung von der Gemeinde für die Abfallentsorgung zum Beispiel. Auf der Rechnung sind anstelle des Einzahlungsscheins viele Supermarkt-Logos abgebildet - das heisst, in all diesen Läden kann ich die Rechnung einfach aufs Fliessband legen und schon ist die Überweisung nach dem Bezahlen erledigt. Während also in der Schweiz die Post krampfhaft versucht, Geld und Personal zu sparen und in irgendeinem Quartierlädeli aufzugehen, ist dies in Südafrika schon lange geschehen und erst noch kundenfreundlich.

Unser Garten - ein Traum verbunden mit viel Arbeit
Wir wussten es schon immer: Unser Garten ist wirklich traumhaft schön, wunderbar angelegt und tiptop gepflegt. Kein Besucher oder sogar der TV-Installateur, der nicht ein Foto oder zwei schiessen will. Unser Gärtner kommt zweimal die Woche und da fällt natürlich viel Grünabfall an. Gestern fuhr ich mit ihm zur ziemlich weit entfernten Grünabfall-Deponie. Schön gelegen mit Meersicht. Es bot sich mir dort ein Bild wie so oft hier: die Schwarzen arbeiten und die Weissen schauen zu. Will heissen: Die weissen Häusle-Besitzer oder Gärtnerei-Chefs stehen daneben, schauen zu und krümmen keinen Finger, während sich der schwarze Gärtner auf dem Laster oder Pick-up abmüht. Mir fällt dieses Gebahren ziemlich schwer und ich half Malan beim Entladen. Auch im Supermarkt stösst einem ein Schwarzer den Einkaufswagen zum Auto, packt die Einkäufe in den Kofferraum und hilft anschliessend noch beim Ausparken. Das alles für einige Rappen Trinkgeld. Auch hier fühl ich mich oft fehl am Platz - aber auf der anderen Seite verdienen sich diese Leute damit ein paar Rand am Tag und das ist natürlich auch wiederum sinnvoll.

Wie jede Woche haben wir auch jetzt wieder die Welpen von www.lionsriver.com besucht - und nun wissen wir: Es wird Fynn sein, der nächste Woche bei uns einzieht. Wir freuen uns sehr darauf und sind froh, fiel die finale Auswahl-Entscheidung am Schluss zusammen mit den Züchtern. Nächsten Sonntag mehr dazu.

Man liest sich!

Im Dossier: Alle Blogs von Auswanderer Sacha von der Crone aus Südafrika