Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Fynn ist da

Ein neuer Hund, der herumtollt. Strom, der plötzlich ausfällt. Und unbekannte Männer vor dem Eingangstor. Auswanderer Sacha von der Crone berichtet von seinen Erlebnissen in Südafrika.

Lange angekündigt, lange erwartet: Am Dienstag ist nun endlich Fynn bei uns eingezogen. Der kleine Racker - immerhin mit 8 Wochen schon über 8 Kilo schwer - hält uns seither mächtig auf Trab. Sehr neugierig und ohne Berührungsängste ist er bei uns eingezogen. Ausgestattet mit einem Frotteetuch von seinem Züchter hat er unser Zuhause im Nu zu seinem gemacht. Schon nach wenigen Minuten tollt er bei uns herum, als sei er schon immer hier gewesen. Mann hat der Kleine schon Power!

Wenn der Strom ausfällt
Power ist ein gutes Stichwort - letzte Woche hab ich erzählt, dass wir den Strom per Pre-Paid-System beziehen. Was nun, wenn plötzlich, wie am Donnerstag, der Strom im ganzen Haus fehlt? Einfach so? In der ersten Viertelstunde denkt man noch, ok, das ist typisch - eine kleine Panne. Nach einer Stunde fragt man sich: Haben wir eine Info verpasst, dass im Quartier der Strom ausfallen wird? Man lauscht im Garten intensiv, ob irgendwo ein Radio, ein Fernseher oder sonst ein elektronisches Gerät zu hören ist. Nichts...

Das kann doch nicht sein, normalerweise wird man bestens über Stromausfälle informiert. Irgendwann beschleicht uns dann ein komisches Gefühl. «Hattest Du mal nachgeschaut, wie viel Kilo-Watt-Guthaben wir noch hatten?», fragt Babs. Ich war (fast) sicher, dass wir noch ausreichend Guthaben hatten.

Nach drei Stunden immer noch kein Strom. Auch in Südafrika geht einfach nichts ohne Strom, das wurde uns deutlich vor Augen geführt. Wir begannen uns zu langweilen und beschlossen, einkaufen zu gehen. Sicherheitshalber haben wir dann doch noch im Supermarkt Strom gekauft. Wieder zu Hause funktioniert das elektronische Einfahrtstor schon mal nicht. Kein gutes Zeichen und wiederum müssen wir über den Zaun klettern und es manuell öffnen. Nach sechs Stunden immer noch kein Strom und das Gerät, um das neue Guthaben aufzuladen, ist auch tot. Wahrscheinlich liegt das Problem nun doch nicht bei uns. Ein Anruf bei einer entfernten Nachbarin bringt Klärung. Der Stromunterbruch war angekündigt, die Info kam per Post - einfach nicht bis zu uns. Fast zusammen mit der Erleichterung, dass der Fehler nicht bei uns liegt, kommt auch der Strom nach acht Stunden wieder zurück in unser Haus.

Draussen vor dem Tore
Wenn es bei uns unangekündigt an der Türe vor dem Tor klingelt, dann kann man fast sicher sein, dass irgendjemand irgendetwas erbetteln oder uns aufschwatzen will. Alle Besuche sonstiger Art werden in Südafrika immer angekündigt. Seien es Behörden oder was auch immer. Ausser gestern: Da klingelten zwei Herren, die die Wasser-Anschlüsse, Leitungen, die Verteilung und so weiter kontrollieren wollen. Seit erst einem (!) Jahr werden solche Kontrollen bei jedem Besitzer-Wechsel durchgeführt, für Wasser und Elektrizität. Ist etwas illegal oder nicht sauber gemacht, wird der Vorbesitzer zur Kasse gebeten. Ich wollte die zwei Herren gar nicht beachten und schon gar nicht ins Haus lassen. «Das sind sicher wieder zwei Religions-Fritzen», rufe ich Barbara zu. Die Vermutung kommt nämlich nicht von ungefähr. Am letzten Sonntag standen doch tatsächlich piekfein geschniegelte Herren im Anzug und mit Krawatte vor unserer Tür und wollten über Gott sprechen. Solche Besuche gibts also auch in Südafrika. Einziger Unterschied zur Schweiz: Es waren nicht bloss zwei, auch nicht drei oder vier, es war eine ganze Horde, die die Strasse herunterlief und überall klingelte.

Am Tor vor dem Garten kann man also einiges erleben. Der Vorbesitzer hat einmal dem Postboten bei über 30 Grad warmen Sommertemperaturen den Wunsch nach etwas Wasser erfüllt. Der Bote gab ihm eine leere kleine Petflasche, welche er nicht nur mit Wasser, sondern mit einem Gemisch aus Wasser und Orangensaft auffüllte. Der Postbote war überglücklich und klingelte am nächsten Tag wiederum, dieses Mal hatte er aber keine kleine Petflasche dabei, sondern gleich einen 5-Liter-Kanister. Gibt man jemandem den kleinen Finger...

Es ist ja Frühling in Südafrika - nächste Woche werden die Temperaturen täglich über 25 Grad erreichen. Diese Woche war es doch noch verhältnismässig frisch. 18 Grad und immer ein leichter, kühler Wind vom Meer her. Für uns knapp ein Wetter, um ohne Jacke das Haus zu verlassen. Nicht so für die Südafrikaner. Wir können nun nämlich aus weiter Ferne die Touristen aus einem Haufen Menschen heraussehen. Wer jetzt kurze Hosen, ein T-Shirt und vor allem Flipflops trägt, muss ein Südafrikaner sein. Uns wird nur schon beim Hinschauen kalt.

Nächste Woche haben wir die ersten Gäste. Wir sind soweit bereit und freuen uns, dass es nun endlich los geht. Als fast letzte «Einrichtungs-Handlung» haben wir diese Woche noch den Ehrenplatz gefunden für unser Abschieds-Geschenk von unseren Nachbarn in Hettlingen. Eine altehrwürdige Fahne aus dem Gemeinde-Archiv unserer alten Heimatgemeinde. Ein wunderschönes Geschenk mit vielen guten Erinnerungen an die Heimat schmückt nun unseren Garten.

Man liest sich!

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