Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Fertig lustig!

Die Hochsaison kann beginnen: Für Auswanderer und Lodge-Betreiber Sacha von der Crone bedeutet das volles Haus bis Ende März. Dafür kann er auf seine Erfahrungen vom letzten Jahr zurückgreifen. 

So, wir haben eine lockere Woche hinter uns. Golfspielen, Pool geniessen und die Seele baumeln lassen. Doch jetzt ist Schluss mit Lustig - bis Ende März. Kein Morgen ohne Frühstücksbuffet-Aufbau. Die Saison beginnt nun so richtig, abwechslungsreich werden bestimmt unsere Begegnungen mit Gästen oder auch Freunden - somit sind wir wieder voll drin im Leben als Gastgeber. Das heisst, unser eigenes Leben ein wenig zurückstellen und voll für unsere Gäste und deren Bedürfnisse da sein. Entspannter als vor einem Jahr sind wir bestimmt. Wir wissen ja nun, was auf uns zu kommt.

Dieses Wochenende klingelte wieder einmal unser Nachbar: Er kam gerade vom Crayfish-Fangen zurück und bereicherte auch dieses Jahr wiederum unser Nachtessen mit frisch gefangenen Langusten. Lekker (arfrikaans) war es! Wir revanchierten uns mit einer feinen Flasche Weisswein und hatten Glück, gleich eines seiner Lieblings-Weingüter erwischt zu haben.

Die Wasserknappheit hält uns weiter auf Trab und meine Befürchtung, dass sich wohl nicht alle daran halten, hat sich bestätigt. Statt etwa 70 Millionen Liter pro Tag zu sparen, sind es für die ganze Region Kapstadt gut 40 Millionen. Es ist also ein harter und langer Weg und die Situation wird nicht einfacher, denn Sonne pur erlebten wir die letzten Tage und so soll es in den kommenden zehn Tagen auch bleiben. Entspannung ist also nicht in Sicht. Wasserleitungsbrüche gibt es immer noch zu sehen. Mit Schrecken habe ich erfahren, dass es von Seiten der Stadt eine Faustregel gibt: Leckt oder birst eine Leitung mehr als sechs Mal in einer gewissen Länge, wird die gesamte Leitung ersetzt, vorher wird gebastelt und geflickt. In einem Land, in dem finanzielle Ressourcen nicht gross sind, wird halt immer nur das Nötigste investiert. Egal welch kostbares Gut verloren geht. Wir versuchen weiterhin unser Bestes, unseren Teil zum Wassersparen beizutragen.

Haben Sie gewusst, dass...?

Weiterhin verfolgen wir natürlich die Nachrichten auch aus unserer alten Heimat. Die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative ist gerade das grosse Thema. Eine Abstimmung, die wir noch als «normale» Schweizer miterlebt haben. Wussten Sie, dass in Südafrika, nebst Deutschland und den USA weltweit am meisten Flüchtlinge leben? Dies bei knapp 53 Millionen Einwohnern und einer Arbeitslosigkeit von über 27 Prozent? Dass jährlich mehr als eine Viertelmillion dazu kommen - Illegal oder legal? Dass sich in Südafrika Flüchtlinge frei im Land bewegen dürfen, Arbeit annehmen können und es keine eigentlichen Flüchtlingslager oder Asylzentren gibt? Dass daduch die Rassismus-Problematik innerhalb der schwarzen Menschen-Gruppen immer grösser wird? Und dass trotzdem keine einzige Partei die Ausländerproblematik im Wahlkampf einsetzt? Dass der Flüchtlingsstrom auf dem afrikanischen Kontinent eher nach Süden als nach Norden führt? Dass zwischen 2008 und 2012 in keinem anderen Land der Welt so viele Asylanträge eingereicht wurden wie in Südafrika? Dass statistisch gesehen Asylbewerber bedeutend weniger arbeitslos werden als Südafrikaner und oft sogar mit eigenem Unternehmen Arbeitsplätze schaffen?

Dass Südafrika nun eine Abschottung nach europäischem Vorbild anstrebt und dadurch bereits jetzt ein grosser Mangel an Fachkräften im Gesundheitssektor herrscht? Hat die Redewendung «Wer wenig hat, ist eher bereit mehr zu geben» doch viel Wahres? Als Randnotiz: Wenn aus Europa Hilfsgelder vergeben werden, dann immer mit Bedingungen wie etwa «zollfreie Einfuhr von Produkten aus der EU». Somit ist in Westafrika nun Milch aus Europa günstiger als die Einheimische. Hilfe führt hier direkt zu weiteren arbeits- und mittellosen Bauern. Eines ist aber klar, Flüchtlinge wird es immer geben und die Lösung findet man nur global und nicht einfach innerhalb der eigenen Grenzen.

Man liest sich!

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