Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Von grosszügigen Golfern und schlafenden Politikern

Zuvorkommende Nachbarn, eine Golfer-Truppe aus Deutschland und eine Regierung, die zu wenig für das Land tut: Auswanderer Sacha von der Crone berichtet in seinem neuesten Blog über seinen Alltag in Südafrika und über den neuen Lieblingsplatz seines Hundes Fynn.

Die Trockenheit hält weiter an. Langsam wirds dramatisch. Vielleicht nicht gerade in unserer Gegend, aber für das Land als solches. Marode Leitungen, weil man seit 20 Jahren nicht investiert hat, verlieren teilweise bis zu 40 Prozent des Wassers, bis das kostbare Gut am Ziel ankommt. An gewissen Orten fliesst von acht Uhr morgens bis vier Uhr nachmittags kein Wasser mehr. Die Staudämme sind leer und die Felder staubtrocken. Hunger, nicht bei den Menschen, aber bei den Tieren wird bald die Folge sein.

Es ist nachzulesen, dass Südafrika rund 40 Milliarden Franken in neue Staudämme und ins Wassersystem investieren müsste. Geld, das natürlich fehlt. Geld, welches nun aber auch für Soforthilfen für Farmer und andere von der Trockenheit betroffene Wirtschaftszweige und Gemeinden bereitstellen muss. Erschreckend ist, dass das ganze Wassersystem für 38 Millionen Menschen geplant war. Mittlerweile zählt Südafrika 52 Millionen Einwohner und Schätzungen sprechen von einem jährlichen Wasser-Fehlbedarf von rund 20 Prozent. Fällt dann noch der Regen nicht wie gewünscht, wirds wirklich, wirklich eng. Man hat die Entwicklung einfach verpasst oder wohl eher verdrängt. Aus Angst vor Protesten schreckt die Regierung übrigens vor einer Erhöhung des Wasserpreises (noch) zurück.

Die Regierung zieht jeweils im Sommer nach Kapstadt um. Dort fand auch die jährliche Rede von Präsident Zuma zur Lage der Nation statt. Strassen wurden abgesperrt, Demonstrationen angekündigt und es kam sogar zu Ausschreitungen. Teile der Opposition wurde des Regierungssaales verwiesen, weil sie die Rede immer wieder mit Zwischenrufen störten. Zu hören gab es aus präsidialem Munde nicht viel Gutes. Südafrika muss sparen und zwar drastisch. Seit Beginn seiner Regierungszeit gehts ja auch stetig bergab mit der Regenbogennation, nur die Staatsverschuldung steigt. Die Stromsituation muss sich schnell und zuverlässig bessern. Geplant sind bis zu acht Atomreaktoren. Eigentlich viel zu teuer für Südafrika und vor allem nicht sinnvoll. Wind und Sonne wären täglich kostenlos verfügbar. Wahrscheinlich ist aber die Lobby von der Natur kleiner, als die von Russland. Russische Reaktoren sollen es nämlich werden.

Und in der Africa-Lodge? Wir hatten eine lustige Golfer-Gruppe aus Deutschland zu Besuch. Zu siebt nahmen sie unsere Lodge mehr oder weniger komplett in Beschlag. Fast täglich schwangen sie die Golfschläger und haben sich offensichtlich wohl bei uns gefühlt. So wohl, dass sie uns sogar zu einem gemeinsamen Nachtessen eingeladen haben. Solche unausgesprochenen Komplimente freuen uns natürlich sehr.

Spannend wars mit dieser bunten Truppe von lebenserfahrenen Männern (der Älteste war 84). Waren sie doch nicht zum ersten Mal in Südafrika - einer besuchte diese Region bereits 1982 zum ersten Mal. Damals war noch alles anders und nicht zu vergleichen mit dem heutigen Südafrika. Wir erfuhren so viel Wissenswertes und Spannendes von früher. 

Es musste auch noch der Rasenmäher und ein Bremslicht an unserem Auto repariert werden und wir entfernten eigenhändig zwei grosse Wespennester vor unserem Schlafzimmerfenster. Das war vielleicht ein bisschen ein riskantes Unterfangen. Las ich doch gleich darauf, dass es sich lohnt, dafür einen Spezialisten zu bestellen. Nun gut, wir schlafen nun wieder beruhigt ein und durch. Selbst ist halt hier oft der Mann. Oder der Nachbar, welcher an einem Auto unserer Gäste einen Platten bemerkte und gleich umgehend das Reserverad montierte. Schöne Nachbarschaftshilfe!

Nun werden wir für ein paar Nächte zum reinen Schweizer-Haus. Alle Zimmer voll gebucht und bewohnt mit Schweizer Gästen. Freunde von uns sind auch in der Region und so erlebe ich eine Golf-Runde wie damals zu Hause. Gut gehts uns also!

Man liest sich!

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