Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Es sind Kleinigkeiten, die den Unterschied machen

Fynn lernt schwimmen, Wasser wird zum knappen Gut und warum «Best before» besser ist als Ablaufdatum: Sacha von der Crone berichtet in seinem neuesten Blog über den Sommer-Alltag in Südafrika.

Haben wir doch vor einigen Wochen fröhlich vermeldet, dass alle Möbel heil hier unten angekommen sind, müssen wir nun doch mit einem zweigeteilten Gartentisch leben. Die Steinplatte teilte sich einfach so in zwei Stücke. Danach mussten wir uns sagen lassen, dass man Steinplatten immer auf der Längsseite befördern sollte. Und wir dachten noch, wir seien clever, weil wir die Platte gleich auf dem Sockel montiert transportierten. Nun gut: Wir wollten ihn eigentlich gar nicht mitnehmen und er schaffte die Reise ans Kap nur, weil zu viel Platz im Container war.

«Best before»
Manchmal sind es wirklich Kleinigkeiten, die mir hier unten positiv auffallen. In der Schweiz werden doch Tonnen von Lebensmitteln weggeschmissen, weil das Ablaufdatum erreicht oder gar überschritten wurde. Jedermann weiss zwar, dass der Hersteller dieses Datum aufdruckt und bis dann die gewohnte Qualität garantiert. Giftig und unverträglich sind danach praktisch keine Lebensmittel. Aber Ablaufdatum klingt irgendwie dramatischer. In Südafrika steht das Herstellungsdatum ebenfalls auf der Packung und beim zweiten Datum heisst es «Best before». Eigentlich genau das, was in der Schweiz mit dem Ablaufdatum auch ausgesagt werden will. Wie ich nachgelesen habe, ist «Best before» eine gängige englische Bezeichnung.

Im deutschsprachigen Europa hat sich die Politik gegen diese Formulierung ausgesprochen. Weshalb bloss? Erstaunlicherweise schmeissen auch wir hier unten viel weniger Essbares weg als noch in der Schweiz. Planen wir besser? Oder ist es vielleicht doch die Gewissheit, dass wenige Kilometer von uns entfernt, die ersten Menschen in den Townships morgens nicht so genau wissen, was sie abends zu essen haben? Unsere Angestellten nehmen auf jeden Fall jedes Essen, das von Gästen zurück gelassen wird, sehr, sehr gerne mit nach Hause. Sei es sogar eine angebrochene Joghurt-Grosspackung.

Es gab mal wieder etwas zu reparieren. Ein Schlauch, mal wieder, der vom Kompressor ins Bewässerungssystem führt, riss, und zwar so richtig und flutete das Pumphäuschen ziemlich voll mit Wasser. Ich habe es in der Eile versucht zu flicken, damit wir den Garten weiter bewässern können. Am Abend darauf, fluteten wir das Häuschen zum zweiten Mal. Manchmal wäre es besser, die Arbeit gleich richtig zu machen. Nun läuft das Wasser wieder nur in den Schläuchen und nicht mehr ins Pumphäuschen. Ich nerve mich einfach noch über die unnötige Wasserverschwendung.

Fynn wächst weiter und weiter, bald erklimmt er wohl auch die zweigeteilte Küchentüre. Zudem bewies er uns gestern an einem kleinen und leider bereits nur noch halbvollen Stausee im Weingebiet, dass er bereits ein Schwimmer ist.


Wasser, ein teures Gut
Der halbvolle Stausee - zu Beginn des Sommers - zeigt wohl auch, dass wir uns vielleicht auf Restriktionen bezüglich Wasser vorbereiten müssen. Regen ist nicht viel in Sicht und die Wasservorräte sind bereits knapp. Die Regierung will, dass zehn Prozent Wasser gespart werden. Das hat bis jetzt nicht funktioniert, deshalb werden sie wohl die Preise erhöhen, denn nun muss bereits ein Spar-Ziel von 15 Prozent erreicht werden. Eine einfache Rechnung, die Preise werden um zehn Prozent erhöht und wer nun die geforderteten 15 Prozent einspart, gibt sogar noch weniger Geld aus fürs Wasser als vorher. Kritiker werfen der Regierung allerdings vor, dass in den letzten 20 Jahren zu wenig in die Wasserinfrastruktur investiert wurde und somit die Krise unter anderem auch selbstverschuldet ist. Andere Regionen wie zum Beispiel Johannesburg sind bereits stärker betroffen. Dort haben erste Diebe bereits grosse Wassertanks gestohlen.

Wir sind gespannt, wie es weiter geht mit dem Wasser und mit unserem Leben. Nächste Woche kommt endlich «hoher» Besuch. Meine Mutter reist für einen Monat zu uns. Wir freuen uns sehr, ist es doch sehr spannend, sie bei uns zu haben und ihr unser neues Zuhause, unser neues Heimatland näher zu bringen.

Man liest sich!

Im Dossier: Alle Blogs von Südafrika-Auswanderer Sacha von der Crone