Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Katastrophen in der heilen Welt

Die Feuer in Südafrika wurden absichtlich gelegt oder aus Unachtsamkeit verursacht. Wie kann man nur?, fragt sich Auswanderer Sacha von der Crone. Trotzdem könnte es ihm und seiner Partnerin in der Africa-Lodge eigentlich nicht besser gehen.
Südafrika Dürre Brände Feuer
© Sacha von der Crone

Egal, wo man hinschaut: In Südafrika herrscht verheerende Dürre.

Die Feuer wüten weiter in Südafrika, aber sie sind weiter gezogen und nicht mehr in unserer Nähe. In unserer Gross-Region wurden teilweise bis zu 4500 einzelne Brandherde gezählt. Asche regnete es trotzdem noch bis in die Wochenmitte hinein. Wohl von den starken Winden weiter her getragen oder einfach von all den Blättern und Dächern herunter geweht. Viele der Feuer seien anscheinend gelegt oder aus Unachtsamkeit verursacht worden.

Auswandern Südafrika Waldbrand
© Sacha von der Crone

Wegen den Bränden hats in der Africa-Lodge Asche im Pool.

Wie kann man bloss so unachtsam sein? Es ist alles spindeldürr, was nicht bewässert wird. Kein Mensch mit gesundem Verstand schmeisst hier eine brennende Zigarette aus dem Auto oder lässt eine Flasche einfach so liegen. Jeder merkt, es braucht so wenig und ein neuer Brand ist entfacht. Aber selbst Polizisten werfen Zigi-Stummel aus dem Auto, wie sogleich von einem Augenzeugen mit Foto-Beleg auf Facebook gepostet wird.

Auch wurden Brände gelegt. Zum Beispiel am Fusse des Tafelbergs, wo ein schwarzer Jugendlicher gesehen wurde. Weisse Farmer lassen sich in einem Zeitungsartikel zitieren, wie sie Schwarze gesehen haben, die am helllichten Tage Feuer entfacht hätten. Ein Schwarzer wiederum postet auf Facebook: «Ein schwarzer Gott braucht als Diener nur Wind, Streichholz und Farmen von Weissen.» Ein veritabler Shitstorm ging los unter den Facebook-Usern.

Ich hab schlicht und einfach keine Ahnung, was hier stimmt und was nicht, Beweise fehlen auf jeden Fall. Doch eines zeigen all diese Nachrichten: Schwarz und Weiss ist hier noch lange nicht so vereint, wie man es gerne hätte. Die Schere zwischen Arm und Reich halt immer noch zu gross. Eine Zeitung lässt sich sogar zur These hinreissen, dass alles Sabotage sei, um die erfolgreiche Arbeit der Western-Cape-Regierung zu untergraben. Eines bin ich mir sicher, ein gefestigtes Land, geht anders mit Katastrophen um.

Katastrophe Nummer zwei ist die anhaltende Wasserknappheit. Regen kann man wirklich nur erbeten oder mittels Regentanz herbeischwören. Es bleibt einfach sonnig und heiss. Und Wasser gespart wird auch nicht, die nächsten strengeren Restriktionen wohl einfach nur eine Frage der Zeit. Berücksichtig man aber das starke Wachstum der ganzen Region um Kapstadt in den letzten zwei Jahrzehnten und stellt dem gegenüber, dass bezüglich Wasser-Speicherung rein gar nichts gemacht wurde, dann ist halt auch dieses Problem teilweise selbst gemacht.

Dazu kommt die überalterte Infrastruktur, die Wasser zu hundertausenden von Litern vernichtet, ins Meer oder bei einem Leitungsbruch über Tage einfach auf die Strasse plätschern lässt. Dann sieht man wiederum den Strassenbau, der in Südafrika aufgrund der steinig-sandigen Bauweise unglaublich viel Wasser benötigt und dadurch Bürger auf den Plan ruft, die rufen: «Stop, macht das im Winter oder wenn wir wieder genügend Wasser haben.»

Der nicht genügende Unterhalt oder Weitblick trägt eine grosse Mitschuld für die momentane Wasser-Krise ist. Es ist wirklich nicht einfach, und ich befürchte schlimmes. Ein dreckiges Auto ist übrigens mittlerweile ein Status-Symbol und zeigt öffentlich, dass man Wasser spart. Entsprechend entsetzt war ich, als mir heute ein Gast voller Stolz und mit Freude mitteilte, dass in seinem letzten Guesthouse, wo er übernachtete, sein Auto ungefragt jeden Morgen (!) auf dem Parkplatz frisch gewaschen wurde. Mir standen die Haare zu Berge!

Die Wasserknappheit ist vielen nicht bewusst. Andere wiederum neigen auch zur Dramaturgie - so gibt es auf Facebook einen Zähler, der runterzählt, wie viele Tage noch Wasser vorhanden ist bis zur kompletten Austrocknung. Aber auch das mag ich nicht so richtig glauben. Was wahr oder falsch ist, ist als immer noch Ausstehender schwierig einzuordnen.

Africa-Lodge Frühstück
© Sacha von der Crone

Kleine heile Welt in der Africa-Lodge.

So ist es einfach, zu sagen, dass wir uns - auf unser Leben bezogen - rundum wohlfühlen. Auch unsere Gäste. Schöne Beweise dafür sind jeweils die, die ihren Aufenthalt bei uns spontan für ein paar Tage verlängern oder zum Abschluss ihrer Rundreise nochmals für einige Nächte bei uns übernachten.

Man liest sich!

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