Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Die Unruhe vor dem Sturm

Die Jahrhundert-Dürre um Kapstadt hält immer noch an und ein Monsterstrum nähert sich. Auswanderer Sacha von der Crone schreibt, wie er sich vor dem Unwetter schützt und was nach der Sturmnacht übrig geblieben ist.

Seit Anfang Juni leben wir wegen Wasserknappheit offiziell in einem Katastrophen-Gebiet. Diese Woche verschlimmerte sich die Lage nochmal drastisch. Ein Wintersturm mit starken Böen, zwölf Meter hohen Wellen, Regen und Tageshöchsttemperaturen von 14 Grad lautet die Prognose.

Wir richten uns darauf ein. Das heisst, genug Holz fürs Cheminee ins Wohnzimmer tragen, genug einkaufen um zwei Tage das Haus nicht zu verlassen und Raclette auf unsere Speisekarte setzen. Dieses Alphütten-Feeling lässt uns unsere Sorgen fast vergessen.

Hund Ziva in Stube
© ZVG

Hund Ziva hat es sich im Wohnzimmer gemütlich gemacht.

Es gibt noch mehr zu tun: Wir lassen das neue Brennholz auf das ältere Holz vom letzten Winter stapeln,doch es ist grüner als versprochen. Nachdem wir zwei Abende lang unsere Stube in eine Räucherkammer verwandelt haben – es brannte sogar in den Augen – beschliessen wir, das alte Brennholz auf das neue zu beigen. Somit ist harte Arbeit angesagt. Es zeigt sich einmal mehr, dass Brennholz nicht nur beim Feuern einheizt.

Plötzlich häufen sich aber Panik-Meldungen zum Sturm in den sozialen Medien. Viele Südafrikaner bekommen es mit der Angst zu tun. Uns bringt das noch nicht aus der Ruhe. Schliesslich ist Wind nichts aussergewöhliches am Kap der guten Hoffnung – das früher «Kap der Stürme» hiess und diesem Namen immer mal wieder alle Ehre machte.

Doch die Lage spitzt sich weiter zu: Alle Schulen bleiben geschlossen, man soll sich auf Springfluten vorbereiten (wir wohnen am Hügel – somit für uns kein Thema) und alle Abflüsse und Dachrinnen von Blättern befreien, damit das Wasser gut abfliesst. Da wir sowieso schon auf den Winter vorbereitet sind, ist das für uns aber keine grosse Sache.

Irgendwie werden wir doch ein bisschen unruhig: Alle Vorkehrungen deuten auf einen grossen Sturm hin. Es wird sogar vom stärksten Sturm der letzten zwanzig Jahren berichtet. Die Wetter-App prognostiziert Windstärken bis 90 km/h.

Dann, mitten in der Nacht geht’s los! Der Wind wird stärker und stärker, der Regen peitscht an den Fenstern und wir schlafen nicht viel. Die Hunde nehmen es gelassener und schlafen tief und fest. Wie sehnen uns dem Tageslicht entgegen, um zu sehen, was alles zerstört wurde. Eigentlich nichts. Viel Laub im Garten, da und dort ein grösserer Ast, aber das war es auch schon. Zum Glück!

Schaden im Garten
© ZVG

Der Schaden im Garten hält sich nach dem Sturm in Grenzen.

Heftiger ging es an anderen Orten zu und her. Ein neu eröffnetes Shoppingcenter musste evakuiert werden, weil das Dach davon flog. Springfluten überspülten Uferstrassen und es kam zu Bränden, wegen heruntergeflogenen Stromleitungen oder Blitzeinschlägen.

Sogar Tote sind zu beklagen. Und wie so oft, traf es auch die Ärmsten der Ärmsten, welche ihre Wellblech-Behausung im Winde davon fliegen sahen.

Eine verheerende Katastrophe erlebt die rund 400 Kilometer entfernte  Stadt Knysna – dort tobt ein Feuer von seltenem Ausmass. Zehntausend Bewohner mussten evakuiert werden, der Regen in auch diesem sehr trockenen Gebiet, kommt erst an.

Regen fiel in diesem Wintersturm übrigens nicht viel – gut 50 Millimeter – das reicht noch immer hinten und vorne nicht. Auf dem Tafelberg lag ein bisschen Schnee. Es müssten wohl noch zwanzig solche Stürme kommen um die Wasserknappheit zu besiegen.

Wir warten also weiterhin. Auch wenn nun alle unsere Tonnen gefüllt sind und wir die Toiletten-Spülung erst in Wochen wieder betätigen müssen, es bleibt ernst.

Im Dossier: Noch mehr Blogs von Sacha von der Crone.