Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Eine Woche in der Heimat

Blogger und Auswanderer Sacha von der Crone kehrt nach langer Zeit für eine Woche in die Schweiz zurück. Nach Südafrika nimmt er mit, was er und seine Frau besonders aus der alten Heimat vermissen.

Nun bin ich an der Reihe mit dem Heimatsurlaub. Meine Frau und die Hunde lasse ich im Regen zurück. Zum Glück giessts diese Woche konstant durch. So steigt das Damm-Level an, wenn auch nur um 2% - immerhin. Ich wiederum erwische eine unglaubliche Hochsommer-Woche in der Schweiz. Ein bisschen schuldig fühle ich mich schon, dass Barbara im nassen und kalten Südafrika bleibt. Aber eine Woche geht schnell vorbei und jemand muss schliesslich auf unser Haus, auf den Hof und die Hunde schauen.

Winterthur Sacha von der Crone
© ZVG

Sacha von der Crone freut sich, seine Heimat zu besuchen - hier in Winterthur.

Verkehrschaos

Lange ist es her, seit ich das letzte Mal in der Schweiz war. Da fühlte ich mich als Zuschauer meines alten Lebens, heute bin ich ein wahrer Tourist. Der Verkehr ist eine grosse Umstellung: plötzlich fährt man wieder auf der rechten Strassenseite. Die südafrikanischen Gepflogenheiten im Auto und der Linksverkehr sind stark verinnerlicht. Somit ist meine erste Autofahrt in der Schweiz ein kleines Abenteuer, denn ich fahre wirklich auf der falschen Strassenseite los. Der «erste Stopp» ist eher ein Rollstopp. Wenn ich blinken will, stelle ich die Scheibenwischer ein und im Kreisel blinke ich plötzlich nach links für eine drei-viertel-Umfahrt. Dazu ist mein Fahrstil gemächlicher als früher, also meistens. Eine Geschwindigkeits-Busse habe ich mir trotzdem als Souvenir kassiert – in Südafrika noch gar keine...

Die Aussicht während der Fahrt auf die Felder und Wiesen ausserhalb von Winterthur ist saftig grün. In Südafrika ist es meistens staubig, trocken und braun – ausser da wo bewässert wird. Hier ist es überall grün. Das kannte ich zwar vierzig Jahre lang, aber jetzt fällt es mir viel mehr auf. Seid ihr Euch dieser Schönheit eigentlich bewusst?

Ich packe in meinem Koffer...

In die Heimat zurückzukommen bedeutet natürlich, zu allererst meine Mutter wieder zu sehen, Verwandte zu treffen und mit Freunden gesellige Abende zu verbringen. Das sind schöne und wertvolle Momente, auch wenn es, wie jedes Mal, nicht reicht alle und jeden zu Treffen. Es ist aber auch Zeit, einzukaufen und vermisstes aus der Schweiz nach Südafrika mitzubringen. Selbst wenn uns in Südafrika nichts wirklich fehlt (ausser dem Raclette-Käse) ist die Liste lang. Der Koffer ist bei der Anreise dementsprechend leer.

Wie sollen wir auch in Südafrika ein «Ziger-Stöckli» kaufen können, um «die Gschwellti« zu kochen? Oder wie kommt Barbara in Somerset West an «Willisauer Ringli» oder ich zu meinem lieblings Appenzeller-Bier? Das Hundehalsband für Ziva, das sich an die strengen Regeln des Schweizer Tierschutzes halten soll, finden wir in Südafrika natürlich auch nicht – unser anderer Hund Fynn bekam seines von meiner Mutter im letzten Dezember geschenkt. Schweizer Schokolade ist erhältlich, aber viel zu teuer. Wir haben auch das Gefühl, dass sie nicht immer ganz frisch ist. Und niemand backt leckerere Guetzli als die Schweizer. Deshalb kommt auch das alles in den Koffer.

Schweizer Schockoladen Berg
© ZVG

Diese Leckereien aus der HeimaI fliegen mit nach Südafrika

Platz für Bücher

Pommes-Chips gibts natürlich auch in Südafrika, doch nicht die aus unserer Kindheit. Deutschsprachige Bücher sind zu keinem vernünftigen Preis erhältlich und die Bücher, welche uns Gäste daliessen, haben wir alle gelesen. Winterabende sind auch in Südafrika lange und das richtige Lesefeeling kommt «elektronisch» nicht so auf wie mit einem gedrucktem Buch. Deshalb sind dafür ein paar Kilos im Koffer vorgesehenUnd zu guter Letzt: Dank Schweizer Bouillon schmecken die Suppen noch köstlicher und schweizerischer. Sogar Kaffeekapseln finden den Weg in die Africa-Lodge.

Ist es verrückt, dass ich mit so einem grossen «Schweizer-Stapel» nach Südafrika zurückfliege? Ich weiss aber, dass sich meine Frau riesig über einen herzhaften «Wurscht-Chäs-Salat» oder ein gutes Brot freuen wird. Ich packe also in meinen Koffer: viel Freude und schöne Momente in der Heimat, aber ich freu mich auch schon wieder auf mein zu Hause.

Im Dossier: Noch mehr Blogs von Sacha von der Crone.