Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Verkehrte Welt in Südafrika

Auswanderer Sacha von der Crone ist im Fussballfieber und verfolgt die EM-Spiele daheim vor dem Fernseher. Ganz anders die Südafrikaner, die sich zwar für die europäischen Ligen interessieren, mit der EM aber nichts am Hut haben. 

Der Winter ist da. Um halb fünf das Feuer im Kamin entfachen, ist nun nicht mehr eine schöne Abwechslung, sondern eine tägliche Notwendigkeit. So werden die Fussball-EM-Abende zu kuscheligen Fernseh-Momenten. In Südafrika werden jeweils während der Fussball-Saison auf den Sport-Pay-TV-Kanälen Samstag für Samstag ausnahmslos alle Bundesliga- und Premier-League-Spiele übertragen. Die Bevölkerung ist ziemlich fussballverrückt, jedoch nur bei Fussballspielen aus den Topligen in Europa. Die einheimische Liga ist einfach nicht besonders attraktiv. Erstaunt haben wir darum festgestellt, dass die Europameisterschaft hier unten fast niemanden interessiert.

Vielleicht auch deshalb? Südafrika steht im Final des COSAFA-Cups. Ein Turnier der Länder des südlichen Afrikas. Noch nie hab ich davon gehört und auch rein gar nichts wahrgenommen. Ein Blick auf die Finalpartien der letzten Jahre zeigt, dass man da sportlich wohl nicht viel verpasst hat. Namibia, Mosambik, Madagaskar oder auch Botswana und Lesotho standen sich jeweils im Endspiel gegenüber. Das Turnier wurde nur erfunden, um all den Teams, die regelmässig die Weltmeisterschaften oder den bekannten Afrika-Cup verpassen, eine Chance zu geben, unter Wettkampfbedingungen Spiele austragen zu können. So misst sich also am Samstag «unser» Südafrika im Finale mit Botswana. Samstags um halb sechs. Wir werden uns dann den Europameisterschaften zuwenden.

Den fussballlosen Freitagabend nutzten wir für einen Ausflug ins Winter-Wonder-Land an der Meeresküste in unserer Nähe. Ein Lichterspektakel, welches rund einen Monat dauert. Wir besuchten den Carnival-Umzug. Ein Umzug mit rund 50 Fahrzeugen, viel Licht und Feuerspektakel. Der Winter wird zelebriert und man unternimmt viel, um den Outdoor-verrückten Südafrikanern auch im Winter draussen etwas zu bieten.

Verkehrte Welt, wenn ich dann gerade zu diesem Zeitpunkt eine Nachricht von meiner Mutter bekomme und sie mir von ihrem Badi-Ausflug erzählt. Verkehrte Welt auch darum, weil unsere ersten neun Monate hier unten am Kap heiss, sonnig und trocken waren und wir jeweils die waren, welche vom Sommer berichteten.

Heute gehört nach zwei Tassen Kaffe zum Frühstück der Aufwärm-Rooibos-Tee zur täglichen Routine. Oder auch Raclette-Abende mit Freunden beim Cheminée im Juni sind sehr beliebt. Lustige Erscheinung des Winters sind auch all die Mitarbeiter in den Supermärkten oder gar auch auf Weinfarmen, die uns in dicken Jacken empfangen und bedienen. Ja, es ist kühl, aber man könnte dies auch mit anderer Kleidung als einer dicken Winterjacke lösen. Der Anblick amüsiert uns, vermittelt aber auch ein spezielles Gefühl. Man ist sich nicht sicher, ob der Mitarbeiter erst eben zur Arbeit gekommen ist oder auf dem Sprung nach Hause ist und wir ihn vom Feierabend abhalten. Sie ertragen einfach die Kälte schlecht.

Trotz der kühleren Temperaturen findet, sobald die Sonne scheint, unser Leben hauptsächlich draussen statt. Es gibt immer mal wieder kleinere Sachen zu flicken oder wenn es nichts zu tun gäbe, haben wir ja noch Fynn. Er will logischerweise täglich draussen etwas erleben. Hat er im Garten alleine Zeit, nutzt er diese momentan gerade, um die mühsam aufgebaute und renovierte Bewässerungsanlage zu zerkauen. Sprinkler um Sprinkler sind ihm schon zum Opfer gefallen oder seine zweite heimliche Leidenschafft ist buddeln. Tiefe Löcher in unserem privaten Garten zeugen von seiner Schaffenskraft. 

Man liest sich.

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