Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Leben zwischen zwei Welten - oder zwei Leben in einem

Auswanderer Sacha von der Crone erinnert sich an den Tag seiner Abreise und merkt, dass es manchmal schwierig sein kann, in zwei Welten zu leben. Obwohl er in Südafrika ganz in seinem neuen Leben angekommen ist, bleibt er im Herzen Schweizer.
Sacha von der Crone Auswanderer Südafrika Lodge
© ZVG

Sinnbild zum Leben zwischen zwei Welten - der eine Baum noch winterlich karg, der andere schon voll mit neuen Blättern.

Exakt heute ist es ein Jahr her, seit unsere Möbel in Hettlingen den Hausplatz verlassen haben, um nach Südafrika verschifft zu werden. Was war das für ein melancholischer und gleichzeitig vorfreudiger Moment. Der «Point of no Return» unserer Auswanderung war schon längst erreicht. Ein Jahr später können wir Fragen wie «Habt ihr den Schritt noch nie bereut?» mit einem klaren «Nein» beantworten. Die elektronische Agenda - früher oft voll mit Terminen und Aufgaben - wird heute nicht einmal mehr geführt. Unsere Aufgaben entstehen aus dem Alltag heraus und hängen oft auch von der Anzahl an Gästen ab. Wir sind angekommen in Südafrika, unserem neuen Leben in der Africa-Lodge. Auch angekommen sind wir zwischen zwei Welten, zweier Leben. Wir sind immer noch gut orientiert über das Geschehen in der Schweiz, viel besser als über die Ereignisse in Südafrika. Wir sind interessierte Schweizer, die im Ausland leben. Medaillen von Schweizern in Rio erwärmen unser Gemüt noch immer mehr, als die von Südafrikanern. Ich glaube auch, das wird ein Leben lang so bleiben. Die Schweiz war uns ein gutes zu Hause und unser Heimatland. Und das vergisst man sicherlich nie. Trotzdem sind wir in einem neuen Leben angekommen. 

In meiner geliebten Heimatstadt Winterthur geht es gerade darum, ob ein neu gebauter Radweg wohl zu viele «Haifisch-Zähne» bzw. zu viele Vorteilsrechte für Autofahrer habe. Oder ob der Quartierladen, der umgebaut und verkleinert wurde trotzdem noch hoch-rentabel sein wird. In Südafrika, und speziell in unserer Region, fragt man sich ob der Regen im Winter wohl wirklich ausreichend war, um die Landwirtschaft nach dem schlechten letzten Jahr wieder auf Vordermann zu bringen. Ob der Lebensmittel-Mangel besiegt wurde, und eine Hungersnot abgewendet werden kann. Ob die Wahlen irgendwas gebracht haben um die Armut, die Kriminalität und die Arbeitslosigkeit irgendwie einzudämmen und die Wirtschaft endlich wieder vom Boden kommt.

In der Schweiz ist das Leben so unbeschwert

Manchmal bin ich drauf und dran herauszuschreien: «Ihr Schweizer - was für Probleme ihr doch habt.» Aber natürlich, und ich weiss es ja selber, sind das Dinge, die die Menschen in meiner alten Heimat bewegen und beschäftigen. Ist man in diesem Rädchen drin, ist es natürlich ein Problem. Doch oft geht es bei solchen Diskussionen halt wirklich um den Winkel der Betrachtung und ich denke: Lasst es doch mal gut sein. In der Schweiz ist das Leben so unbeschwert.

Und dieses unbeschwerte Leben sollen wir beide so einfach aufgegeben haben? Ja, haben wir. Und unser Leben wurde noch besser. Wir leben natürlich nicht im tiefsten Afrika und geniessen deshalb auch viele gewohnte Annehmlichkeiten aus Europa. Und nichts desto trotz - das Leben ist einfach ein anderes. Die Leichtigkeit des Seins ist hier tagtäglich spürbar. Die Lebensfreude und Freundlichkeit von allen ist jeweils etwas vom Ersten, was uns unsere Gäste nach einem Tagesausflug erzählen. Obwohl hier fast jeder weniger hat als die Menschen in der Schweiz. Hier kann man mit einem kleinen Trinkgeld oder auch übrig gebliebenen Lebensmitteln oder älteren Kleidern unserer Angestellten noch jemandem eine grosse Freude bereiten.

Aber eben, wir leben in zwei Welten. Wir sind immer noch Schweizer und das streift man nicht einfach so ab. Nicht funktionierendes WLAN, ein Drucker im Büro, der «nicht gefunden» werden kann, nervt immer noch. Oder Wegweiser zur Africa-Lodge, die endlich bewilligt sind aber leider gemäss Layout-Entwurf nur mit „Africa“ beschriftet sind, können uns immer noch auf die Palme bringen. Obwohl, in Südafrika hat wohl auch nicht jeder einen Wegweiser auf dem «Africa» steht. Wir kämpfen nun, wohl noch einige Tage für den Zusatz «Lodge» und sind auf das Ergebnis, zu welchem Zeitpunkt auch immer, gespannt.

Man liest sich!

Im Dossier: Alle Auswanderer-Blogs von Sacha von der Crone