Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Jetzt sind wir ein Guesthouse

In Südafrika kehrt langsam der Alltag ein. Auswanderer Sacha von der Crone beweist sich als Heimwerker, freut sich über die Vorzüge seiner neuen Heimat - und grüsst frech vom Pool in die kühle Schweiz.

Die neue Website ist seit Anfang Woche online und hat ihre Wirkung nicht verfehlt, bereits konnten wir aufgrund des Auftrittes eine erste Buchung entgegennehmen. Dafür haben wir auch noch neue Fotos geschossen, zudem den Poolbereich ein wenig aufgemöbelt mit einer Lounge, die auch abends zum Verweilen einlädt. Am Mittwoch sind unsere ersten Gäste eingetroffen und fühlen sich laut eigenen Aussagen äusserst wohl. Wir sind nun also definitiv da, wo wir sein wollten - wir sind Betreiber eines Gästehauses. Somit haben wir nun auch bereits unser erstes Frühstücksbuffet aufgebaut, fast schon waren wir ein wenig nervös davor. Aber wir haben das zur vollsten Zufriedenheit hingekriegt. Es lohnte sich, in den letzten Wochen ein wenig die Bauernmärkte zu besuchen und die eine oder andere Spezialität zu entdecken.

Garten, Garten und nochmals Garten
Das alles hält uns ziemlich auf Trab. Der Garten muss täglich bewässert werden, bei knapp 3000 Quadratmetern dauert das seine Zeit. Es ist ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem vorhanden, das leider ein wenig in die Jahre gekommen ist, sodass wir viele Lecks beheben mussten. Wir wurden in dieser Woche oft als Handwerker auf die Probe gestellt. Manchmal auch freiwillig, als wir einen Holzzaun versetzten, um den Poolbereich zu vergrössern. Beim Einschlagen eines Befestigungspfahls habe ich dann, sehr zur Freude von meiner Freundin Babs, gleich auch noch einen unter Boden verlegten Bewässerungsschlauch angebohrt - und wurde somit wiederum zum Sanitär.

Auch der Pool braucht Pflege, Reinigungsarbeiten müssen gemacht werden und das Wasser will immer wieder kontrolliert sein, schliesslich stehen fast 80'000 Liter kostbares Wasser auf dem Spiel. Das alles bringt uns täglich grosse Abwechslung, kein Tag ist wie der andere und wir kämpfen abends definitiv nicht mit Einschlafproblemen. Zudem hält uns natürlich auch Hund Fynn auf Trab, der will bespasst und erzogen werden. Auch er kämpft abends nie mit Einschlafproblemen. So gross er sich schon fühlt und manchmal aufspielt, er ist eigentlich noch ein Baby. Obwohl er in nur einer Woche schon ordentlich gewachsen ist und plötzlich schon ganz alleine aufs Sofa kann. Das zeigt er uns verbotenerweise immer wieder.

Nun haben wir fast so etwas wie Alltag erreicht, trotzdem sind wir noch weit davon entfernt, südafrikanisch zu sein. Obwohl wir uns mittlerweile auch schon über Regen freuen, versuchen den «Springbocks» bei der Rugby-WM vor dem Fernseher zu helfen oder nicht mehr grillieren, sondern ein «Braai» machen, verfolgen wir das Schweizer Geschehen noch viel intensiver als das südafrikanische. Die Vorzüge unserer neuen Heimat übernehmen wir mit Leichtigkeit. Unser Leben findet praktisch nur noch draussen statt, der Fernseher läuft im Gegensatz zu früher nur noch selten und wir spüren die grosse Lebensfreude der Einheimischen. Etwas, worin uns Afrika sicherlich voraus ist. Die Maid singt bei der Arbeit und der Gärtner erzählt mir voller Freude, dass er beim Baumschneiden ein Chamäleon gesehen hat. Wahrlich keine Seltenheit in Südafrika, aber ein faszinierendes Tier ist es allemal und somit muss auch Zeit sein, sich an der Vielfalt des Lebens zu erfreuen.

Kühlschrank-Kauf - eine endlose Sache
Aber auch das ist Südafrika: Der Kauf eines Kühlschrankes, das kann schon mal gut und gerne 30 Minuten dauern. Kontakt eins ist der Verkäufer wie bei uns. Er berät uns und führt uns schliesslich zum gewünschten Gerät. Wir entscheiden uns zum Kauf. Nun schnappt sich der Verkäufer irgendeinen Fresszettel - ja wirklich einfach einen Fetzen Papier, den er gerade findet - kritzelt die endlose Gerätenummer darauf und verschwindet. Wir warten. Zehn Minuten später ist er zurück, trägt immer noch den gleichen Zettel mit sich rum und führt uns zu einem Desk. Dort warten wir gemeinsam mit ihm. Irgendwann sind wir an der Reihe und der Verkäufer unterhält sich mit der Kassiererin (Kontakt zwei) und schliesslich werden wir nach Name, Adresse, Telefonnummer, Cell-Nummer und nach der ID oder Passnummer gefragt. Alles geht natürlich in gemächlichem Tempo über die Bühne. Der Verkäufer schaut einfach zu.

Anschliessend können wir bezahlen, ein Zahlungscoupon ist für uns und der andere für den Verkäufer. Nun verschwindet der Verkäufer ein weiteres Mal für zehn Minuten um anschliessend zusammen mit Coupon und Fresszettel wieder zu erscheinen. Gemeinsam laufen wir zum Ausgang und Warten bis irgendwann zwei weitere Mitarbeiter (Kontakt drei und vier) und der Kühlschrank erscheinen. Wir bekommen Gerät und Coupon und laufen drei Schritte weiter bis zum Security-Mitarbeiter (Kontakt fünf). Der kontrolliert Coupon, Fresszettel und Kühlschrank, setzt einen Stempel auf die Quittung und wir dürfen das Geschäft verlassen.

Natürlich, so ein Kühlschrank ist auch ein teureres Gerät, da muss alles seine Ordnung haben. Richtig. Aber auch beim Staubsauger, dem Bügeleisen oder dem Toaster läuft es so...

Und jetzt, 30 Grad strahlender Sonnenschein - der erste Sprung in den Pool steht an, wer denkt da an die kühle Schweiz?!

Man liest sich!

Im Dossier: Alle Auswanderer-Blogs von Sacha von der Crone