Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Kein Regen, kein Gärtner, aber sonst läufts

Auswanderer Sacha von der Crone erlebt die Feiertage in Südafrika relaxt. Das mag am Sommer dort liegen - oder aber an einigen modernen Gadgets, die das Leben des Bloggers vereinfachen.
Sacha von der Crone Auswanderer Südafrika Lodge Wetter Regen
© ZVG

Hettlinger Fahne und stolzer Fynn: Dank meiner Mutter, der passionierten Näherin, ist unser Hettlinger Abschiedsgeschenk fast wie neu. Die Spuren des Windes sind verweht...

Es hat nicht geregnet und der Gärtner kam auch nicht. Beides ist aber ein bisschen nachvollziehbar. Regen gibts im Sommer in der Kapregion sowieso selten und Montag, der erste Arbeitstag in der Woche, war ein Feiertag in Südafrika, somit wars auch fast schon klar, dass der Gärtner nicht kommt. Immerhin hat er nachgefragt, obs ok sei, wenn er nicht komme. Mit den Feiertagen hier unten ist es so eine Sache. Auf der einen Seite kompensiert man Feiertage, die auf einen Sonntag fallen mit einem freien Tag am Montag, und andererseits hab ich das Gefühl, wer arbeiten will, wird arbeiten, egal ob Public Holiday oder nicht. Die Geschäfte haben immer offen. Einfach mit verkürzten Öffnungszeiten, selbst am 25. Dezember. Teilweise, zum Beispiel Heiligabend oder Silvester, sind die Öffnungszeiten um eine Stunde verkürzt, manchmal auch um drei Stunden. So galt für uns die Faustregel: Nach dem Frühstücks-Service bis kurz nach dem Mittag werden die Läden immer geöffnet sein. Wir sind gut gefahren damit.

Apropos fahren...

...damit unser Auto auch in Zukunft gut fährt, war es kurz vor Weihnachten Zeit für den Service. Termin vereinbaren bei einem Autohändler mit der entsprechenden Marke im Angebot, Ersatz-Auto reservieren, damit ich auch wieder nach Hause komme, natürlich läuft alles so, wie wir Schweizer das kennen. Am Tag davor wurden wir per SMS erinnert, dass es morgen Zeit sei, um 7.15 Uhr das Auto vorbeizubringen. Schon mal ein cooler Service. Auto vorbeigebracht und es ging zu wie im Bienenschlag. Gefühlte hundert Kunden hatten die gleiche Ablieferungszeit des Autos wie ich. Schlange stehen im Auto vor dem Schalter. Es ging zügig, immer wieder beobachtete ich eine Frau, die die Autonummern notiert. Irgendwann, wohl zwanzig Minuten später war ich an der Reihe. Ein Zettel wurde mir gezeigt und ich konnte visieren, was mit unserem Auto alles geschehen wird. Auto und Schlüssel abgegeben, Ersatz-Auto in Empfang genommen, dann fuhr ich nach Hause.

Zwei Stunden später folgte ein Anruf, die Scheibenwischer sollten ersetzt werden, ein Preis wurde genannt, wir lehnten ab, es regnet ja sowieso zu wenig. Halbe Stunde später, nächster Anruf, die Reifen sind knapp noch im legalen Rahmen, das wussten wir und waren auf ein reisserisches und überteuertes Angebot gefasst. So war es auch. Wir lehnten ab und Barbara machte ihnen gleich klar, dass mit uns nicht zu spassen sei und schon gar nicht lassen wir uns über den Tisch ziehen. «Ich kläre das mit meinem Chef und melde mich wieder», sagte der Typ von der Werkstatt. Halbe Stunde später, der Preis hat sich um 40 Prozent gesenkt und wir stimmen dem Angebot zu. Manches ist halt doch wie in der Schweiz und man kauft keine neuen Reifen ohne zünftigen Rabatt. Was ich aber aus der Schweiz gar nicht kenne, ist dies: Nachmittags um zwei bekamen wir eine SMS, unser Auto sei fertig mit dem Service, nun würden die neuen Pneus montiert, die Felgen ausgewuchtet und anschliessend werde das Fahrzeug gereinigt und sei dann so gegen fünf zur Abholung bereit.

Man hinterlässt ja als Kunde überall seine Daten, E-Mail-Adresse, Handy-Nummer und so weiter. Aber es ist wirklich erstaunlich, wie oft gerade das Handy, hier unten Cell-Phone genannt, dabei genutzt wird. Meldet man der Stadt ein Problem mit dem Abwasser oder Strom, bekommt man per SMS eine Referenz-Nummer, auf die man sich immer berufen kann. Generell gesagt, bei vielen Beschwerden oder Aufträgen, die man erteilt, findet der anschliessende Kontakt immer über SMS statt und manchmal auch online. Strom kaufen wir ja immer noch im Pre-Paid-System, dies geht ganz einfach mit Button über das Online-Banking. Das gleiche gilt auch für das Aufladen des Cell-Phones. Pro Netz-Anbieter gibts einen Button und das Guthaben ist sofort auf dem Handy. Manchmal denke ich, dieses junge Land (nach der Apartheid) hat die Zeichen der Zeit erkannt, ist mit den neuen Möglichkeiten sehr vertraut und setzt sie gekonnt und gut ein. Das Grundbuchamt als weiteres Beispiel gilt als eines der modernsten und sichersten der Welt. Andererseits wissen immer noch lange nicht alle Menschen hier unten, wie schlecht, wie miserabel es um die Wassersituation steht, weil die städtische Kommunikation versagt und die Bürger deshalb nicht informiert sind...

Wir geniessen übrigens die Anwesenheit meiner Mutter, ihre Leidenschaft für die Näherei kommt uns entgegen. So wurde nicht nur die stolze Hettlinger-Fahne wieder auf Vordermann gebracht, sondern auch in den Gästezimmern können wir bald mit einer genähten Neuheit überraschen. Das neue Jahr startet also ganz nach Wunsch.

Man liest sich!

Im Dossier: Alle Blogs von Sacha von der Crone