Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Die Woche der Entscheidung

In Südafrika wird gewählt und Auswanderer Sacha von der Crone beobachtet das Geschehen mit grossem Interesse. Die Unterschiede zur Schweiz sind frappant, findet der Blogger.
Sacha von der Crone Südafrika Auswanderer Blog
© ZVG

Die Schlange vor dem Wahllokal.

Nun ist sie also da, die grosse Woche der Wahlen. Am Mittwoch war es an der Zeit an die Urne zu gehen. Als direkte Demokratie erprobter Schweizer war es schon fast amüsant, das ganze Prozedere aus nächster Nähe zu verfolgen. In der Schweiz flattern die Stimm- und Wahlcouverts ja mehr oder weniger ungefragt alle paar Monate oder Wochen in den Briefkasten. Hier unten musste man sich im Frühjahr zuerst einmal eintragen lassen. Das heisst, im Frühjahr entscheiden, ob man dann im August wählen gehen will. Hat man sich nicht registrieren lassen, war es jetzt zu spät. Demzufolge wusste man im Voraus, dass sich von den 53 Millionen Bürgern von Südafrika 26 Millionen für die Wahlen «angemeldet» haben - ein neuer Rekord.

Nicht wählen zu gehen, war aber für viele bereits der erste Protest an der aktuellen Regierung. Auf Grund der Fragen in der rege benutzten Facebook-Gruppe unserer Region, wie «Wo kann ich wählen gehen?» oder «Muss ich meinen Ausweis mitnehmen?», merkt man wie unerprobt auch die weisse Bevölkerung mit den Urnengängen ist. Wie sinnvoll es wiederum ist, dass der Wahltag ein Feiertag bzw. arbeitsfreier Tag war, sahen wir auf dem Weg zum Einkaufen - die Schlange vor den Wahllokalen war doch beachtlich lang. Von sieben Uhr morgens bis sieben Uhr abends, waren die Wahllokale geöffnet. Wer um 19 Uhr noch in der Schlange stand, durfte seine Stimme noch abgeben, nachher war es zu spät.

Sacha von der Crone Südafrika Auswanderer Blog
© ZVG



Wenn in der Schweiz die Wahllokale schliessen gehts eine bis zwei Stunden und die ersten Hochrechnungen flimmern über die Bildschirme. So hab ich also am Mittwochabend mal versucht erste Prognosen oder Ergebnisse zu finden. Tatsächlich, die ersten Resultate waren veröffentlicht. Doch aufgepasst, während es in der Schweiz vielleicht eher-links- oder eher-rechts-Wählende Regionen gibt, ist es hier natürlich extrem. Bei den Resultaten aus den Townships kann ja kaum erwartet werden, dass die ursprünglich weissen Demokraten oben auf schwingen. Und so trudeln die Resultate ein und ich bekomme keinen rechten Überblick. Auch 24 Stunden nach Schliessung der Wahllokale lässt sich bloss sagen, dass der regierende ANC deutliche Verluste hinnehmen muss. Wie viele und wie bedeutend, wird man aber erst viel später, wohl im Verlaufe des Freitags wissen. Es ist vor allem ein Kampf um die Hoheit in den grossen Städten entbrannt.

Ein vielbeachteter Twitter-Komentar war dann: «Es ist halt wie beim Fussball: ein Verein, ein Leben lang. Und so wählt man halt auch einfach eine Partei.» Ist der Fussballverein schlecht, geht man nicht ins Stadion oder eben nicht wählen. Veränderungen passieren so natürlich nicht. Oder nur schleichend. Das verrückte ist einfach an dieser ganzen Situation, ob arm oder reich, schwarz oder weiss, zufrieden mit der Regierung ist eigentlich niemand. Zum Glück blieb es aber auf den Strassen bis jetzt ruhig.

In der Lodge kehrt wieder Leben ein

In unserem Reich, der Africa-Lodge und in unserem Leben bleibt natürlich alles beim Alten und wir sind zufrieden. Wir freuen uns, dass nun langsam wieder Gäste Einzug nehmen und so wieder mehr Leben in die Lodge einzieht. Geniessen die Sonnenstrahlen, welche nun wieder bedeutend länger und wärmer in unseren Garten scheinen, und so langsam kehrt der Frühling ein und alles spriesst und gedeiht. Fast pünktlich zu Saisonbeginn haben wir nun endlich auch den Wechsel zu einem anderen Internetprovider geschafft - nach gut drei Monaten Warterei.

Die Wegweiser bzw. Hinweisschilder zu unserer Lodge sind auch definitiv bewilligt und dürfen aufgestellt werden. Ja, vieles läuft gemächlicher in Südafrika, aber am Schluss kommt man zum Ziel und das ist doch die Hauptsache. Aufregen über diese Langatmigkeit lohnt sich nicht, ändern können wir sie sowieso nicht und es funktioniert ja dann schon irgendwann.

Im Dossier: Alle Auswanderer-Blogs von Sacha von der Crone