Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Auf Ideensuche für die Sommersaison

Auch nach einiger Zeit in Südafrika fallen Sacha von der Crone die Unterschiede zur Schweiz immer wieder auf. Der Auswanderer über seine Eindrücke zur aktuellen Woche - und seine Vorfreude auf die Sommersaison.

«Oscar Pistorius - the Blade-Runner - muss für nur sechs Jahre in Gefängnis.» Diese Nachricht hören wir im Autoradio und wir merken sofort, sie bewegt Südafrika. Der weisse Moderator, kriegt sich fast nicht ein über dieses Urteil. Als falsches Signal wertet er das Verdikt. Wenn man bedenkt, dass die Ermittler, welche als erste damals beim Tatort ankamen, den Fall als sonnenklar werteten und deshalb ein wenig schlampig bei der Spurensicherung ans Werk gingen, versteht man diese Aussage. «Kaum auszumalen, wie das Urteil ausgefallen wäre, wenn er nicht Weiss und nicht Populär gewesen wäre.» Können wir anschliessend hören und lesen.

Es zeigt einfach einmal mehr auf, auch Jahrzehnte nach dem Ende der Apartheit, lassen sich auch heute, viele Jahrzehnte mehr der Rassentrennung noch immer nicht von der Hand weisen. Wie oft sagen wir uns bei Fahrten in der neuen Heimat: «Oh, jetzt sind wir aber eher in einer schwarzen Gegend». Es ist so, ob bei uns in Somerset West oder auch in Stellenbosch, eine Seitenstrasse weiter und plötzlich sind wir umgeben von Schwarzen, während es vorher gerade umgekehrt war. Es ist einfach noch immer auffällig. Es gibt Gegenden, in denen Schwarze leben und einkaufen, oder halt eben solche wo Weisse leben. Unser Leben ist auch so, wir sind umgeben von Weissen. Was fast hundert Jahre bestand hatte, kann sich nicht einfach so verändern.

Die Zeit nutzen, um Neues zu entdecken

Und gewisse Regeln lassen uns ja auch wirklich die Haare zu Berge stehen. Gerade eben wurde beschlossen, dass das sogenannte «Jungfrauen-Stipendium» nun endgültig der Vergangenheit angehört, weil verfassungswidrig. Tatsächlich, es gab in einer kleinen Provinz ein Stipendium, wenn die Studentin beweisen konnte - und zwar jährlich -, dass sie noch Jungfrau ist. Altertümlich oder was auch immer ich denken mag, es war bis heute so in Südafrika. So weltoffen, tolerant und auch äusserst modern wie ich Südafrika erlebe, so rückständig ist es halt auch in gewissen Dingen und Regionen. Trotzdem haben wir unsere Wahlheimat, gerade das Western Cape (bekannt für die Garden-Route), schon sehr in unser Herz geschlossen. Fast täglich erleben wir Neues, entdecken Erstaunliches und erfreuen uns an unserem neuen Leben.

Weingebiete gehören natürlich dazu, fast auf jedem Ausflug fahren wir an welchen vorbei und probieren immer mal wieder etwas Neues. Gerade eben besuchten wir eine Käserei, deren Käse uns an einer Degustation serviert wurde. Eine schöne kleine Farm mit vielen Käse-Spezialitäten - wir wollen ja unseren Gästen auch in der nächsten Saison Spezialitäten und Leckereien zum Frühstück servieren. Ausflüge in die nähere und weitere Gegend gehören nun immer wieder zu unserem Wochenprogramm. Morgen brechen wir alle drei auf, eine gute Stunde der Küste entlang zu fahren und Wale zu beobachten. Ein unglaubliches Naturschauspiel bietet sich da Jahr für Jahr. Wale schwimmen zur Paarung und zur Geburt, zusammen mit einer «Hebamme», in die Bucht von Hermanus, um bis November/Dezember dort zu verweilen. Wal-Beobachtung nicht aus dem Boot, sondern einfach von blossem Auge vom Ufer aus. Einzigartig.

Schnee? Regen!

Ansonsten ist unser erster Winter hier am Kap sehr erträglich. Natürlich, die Nächte drinnen und draussen sind kalt. Scheinbar sogar so kalt wie seit 26 Jahren nicht mehr. Minus ein Grad direkt am Strand in unserer Nähe. So schlimm empfinden wir als Alpin-erprobte Südafrikaner das Ganze nicht. Schliesslich wissen wir auch Schnee von Reif auf einer Wiese zu unterscheiden. Ganz im Gegenteil zu einer Südafrikanerin, welche direkt vor uns, bei einem Hunde-Spaziergang ganz entzückt vor Glück «Snow» aufschrie. Es war bloss Reif an einem schattigen Wiesenplatz.

Der Regen fällt zwar immer mal wieder, doch scheinbar viel zu wenig. Die Reservoirs bzw. Stauseen sind so schlecht gefüllt wie noch nie, die Wasserrestriktionen noch immer nicht aufgehoben. Es könnte also noch schlimmer werden mit der Dürre. Nächste Woche erreicht das Thermometer tagsüber bereits einmal wieder 26 Grad, prophezeit der Wetterdienst. In der Schweiz sagt man dem ja Sommer - wir stecken noch immer fest im Winter.

Man liest sich!

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