Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Unruhe

Am Freitag sollte in Südafrika gegen die Regierung demonstriert werden. Auswanderer Sacha von der Crone fasst zusammen, wie er die Tage um den Streik erlebt hat.
Sacha von der Crone Auswanderer Südafrika Lodge Unruhe politische Lage
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LKW-Blockade: einfach, aber effizient.

Alle unsere Angestellten haben ihre Trinkgelder erhalten. Bewusst jeweils erst Ende Saison. Wir wollen ja sicher sein, dass sie uns während der Haupt-Tourismus-Zeit erhalten bleiben. Anschliessend kann es jeweils ein wenig schwierig sein. Weil zum Beispiel unsere Haupt-Maid von fünf Arbeitstagen auf zwei zurückfällt, die Wochenend-Maid wiederum fällt ganz aus, wenn die Africa-Lodge in der Winterpause ist. Aber eben, dafür soll auch das Trinkgeld sein, damit sie sich die arbeitsfreie Zeit finanzieren bzw. überbrücken können. Das wäre der Plan, bedingt aber auch, dass sie sich finanziell einteilen könnten.

Die Haupt-Maid hat einen Tag nach der Trinkgeld-Verteilung per Whatsapp gesagt, dass sie nicht mehr kommt, da sie nun einen anderen Job habe. Die Wochenend-Maid wiederum, die eigentlich die komplette Woche hindurch woanders arbeitete, kann nun plötzlich immer kommen und wird nun zur Stellvertretung. Und dann, aus dem Nichts, meldet sich Beauty, unsere gute Seele der ersten Stunde, hier bei uns. Sie verschwand ja mehr oder weniger über Nacht aus dem Lande mit Sack und Pack, Mann und Kind, ohne uns überhaupt was zu sagen. Nicht aber, ohne vorher eine neue Maid eingearbeitet zu haben. Sie werde in einem Monat wieder in Südafrika sein, ob wir einen Job für sie hätten, fragt sie jetzt. Die Nachricht erfolgte gefühlte zwei Minuten nach der Kündigung der Haupt-Maid, welche ja eben wiederum wegen Beauty bei uns war.

Man kann jetzt denken, die Arbeitnehmer machen, was sie wollen. Ja, so ist es. Aber da auch die Arbeitgeber machen, was sie wollen, passt das schon so. Schliesslich sollte man sich davor hüten, jemals etwas Schriftliches mit ihnen zu vereinbaren. So sind die ungeschriebenen Regeln und das kann halt dann zur kurzfristigen Unruhe führen. Doch der Gärtner kommt immer pünktlich und nun sogar wieder mit eigenem Fahrrad, er hat sich also tatsächlich an die Abmachung gehalten und mit einem Teil des Trinkgeldes ein neues gekauft. Das war eines der Highlights der Woche. Ob er am Freitag kommt, werden wir sehen.

Der Freitag wird ein spezieller Tag.

Für Freitag ist mehr weniger ein Generalstreik ausgerufen. Man soll nicht arbeiten, sondern demonstrieren. Grund dafür sind die letzten Rochaden bzw. Entlassungen von Ministern durch Präsident Zuma. Man will sich das nicht mehr bieten lassen und vorallem riecht die Opposition Morgenluft, weil sich nun auch regierungstreue Politiker vom Präsidenten entfernt haben. Ein weiterer Misstrauensantrag soll nun mit Unterstützung der Regierungspartei eine Chance haben. Die erste Rating-Agentur hat auf jeden Fall schon reagiert und Südafrika auf Ramsch-Niveau herabgestuft. Das Vertrauen ist weg. So sollen nun friedliche Proteste das Zünglein an der Waage sein.

Was bringt der Freitag, fragen wir uns die ganze Woche. Folgen viele dem Aufruf? Er wird nicht nur auf den sozialen Medien breitgetreten, sondern auch private und staatsunabhängige Radio-Stationen propagieren den Streik- und Demo-Tag. Wir haben uns vorgenommen - und auch entsprechend geplant -, die Africa-Lodge nicht zu verlassen. Übertreiben wir damit? Keine Ahnung, irgendwie glauben wir nicht daran, dass viel passieren wird.

Doch dann wollten wir Möbel bestellen und zwar am liebsten gleich. Sie waren leider nicht an Lager und die Verkäuferin sagte uns, dass die nächste Lieferung wohl erst am Montag eintreffe. Man wisse nicht, was am Freitag sei. Oh, einige glauben also wirklich an einen Tag des Stillstandes. Andere wiederum fürchten um ihre planmässigen Flüge. Vielleicht ist da doch mehr dahinter als wir denken?

Freitag: Der Gärtner erscheint nicht. Man habe ihm geraten zu Hause zu bleiben, für Ausländer könne es gefährlich werden, schreibt er knapp, vielleicht sogar auch noch als Warnung an uns. Sonst ist der Tag bis jetzt ruhig, viele Demonstranten sind auf der Strasse, Lastwagen blockieren ganze Autobahnen und die grossen Städte sind mehr oder weniger lahmgelegt. Friedlich, wie es sein soll in einer funktionierende Demokratie. Hoffentlich bleibt es so.

Man liest sich!

Im Dossier: Alle Auswanderer-Blogs von Sacha von der Crone