Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Völkermord? Rassismus? Hass?

Die Probleme zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen Südafrikas beschäftigen Sacha von der Crone. Eine Analyse des Schweizer Auswanderers.
Sacha von der Crone Auswanderer Südafrika Lodge Rassismus
© Sacha von der Crone

Versöhnliches Kontrastbild zum Text: Der afrikanische Garten blüht auch zum Ende des Sommers.

Die Morde an weissen Farmern in Südafrika haben in den letzten Wochen massiv zugenommen. Seit dem Ende der Apartheid vor gut 20 Jahren sind nahezu 70'000 Weisse ermordet worden. Davon viertausend weisse Farmer, meist wurden sie davor gequält und gefoltert. Grausame Taten, verübt von Schwarzen. Einige schreiben deswegen von Völkermord. Farmer in Südafrika zu sein, gilt als einer der gefährlichsten Berufe. Täglich verlieren durch Mord in Südafrika 50 Menschen ihr Leben, 20 davon sind weiss. Der Anteil der weissen Bevölkerung in der Regenbogen-Nation wiederum liegt bei unter zehn Prozent. Ein Bisschen viele Zahlen zum Anfang meines Blogs. Zahlen übrigens, welche die Regierung eher herunterspielt und offiziell tiefer einschätzt. Aber ja, man spürt es, wenn man Online-Zeitungen liest oder sich vor allem auch in den Sozialen-Medien herumtreibt, es gärt etwas. Allein in den ersten zehn Tagen des Februars wurde täglich eine «weisse Farm» überfallen und mindestens eine Person, wenn nicht gleich eine ganze Familie ermordet. Die Regierung spielt diese Zahlen herunter und gibt bekannt, dass man Statistiken nicht nach Herkunft oder Rasse führt, und es sich deshalb um nicht offizielle Angaben handelt.

Anders sieht es aber bei der Arbeitslosenstatistik aus. Hier wird ganz genau aufgelistet. Und zwar nach schwarzem Südafrikaner, Farbigem, Indisch/Asiatisch und Weissem. Bei einer Arbeitslosigkeit von über 27 Prozent im Land, liegt der der Weissen bei knapp über 5 Prozent. In absoluten Zahlen suchen also in etwa 200'000 Weisse einen Job, währenddessen weit über 4 Millionen Schwarze ohne Arbeit sind. Dass die eine Statistik nicht zwischen der Hautfarbe unterscheidet und die andere ganz genau, hat bestimmt seinen Grund. Ich glaube aber nicht, dass Rassismus ein Motiv für die Morde ist, sondern einfach der «Kampf Arm gegen Reich».

Was die weissen Südafrikaner am meisten beschäftigt: Die Regierung kommentiert die vielen Farmer-Morde, aber verurteilt sie nicht mit der nötigen Vehemenz. So stehen bereits auch die ersten weissen, prominenten Südafrikaner auf und fordern ein härteres Durchgreifen. Manche möchten sogar das Militär zum Schutz der Farmer abbestellen. Den amtierenden Präsidenten hörte man in früheren Jahren auch schon das Widerstandslied «Kill the Boers – tötet die Buren» singen. Ja, die weissen Farmer sind meistens Buren, damals vertrieben aus Europa, am Kap ansässig geworden. Hier wiederum haben sie Land eingenommen, welches brach lag, aber natürlich irgendwie vor 400 Jahren auch nicht das ihrige war. Doch leider sind die Weissen «Schuld», dass es Südafrika im Verhältnis zum restlichen Kontinent so gut geht oder ging. Beispiele von kaputten, heruntergewirtschafteten und verwahrlosten Farmen, welche von Schwarzen übernommen wurden, gibt es genügend nachzulesen. Und das Beispiel des Nachbarn Zimbabwe ist erschreckend genug.

Ich glaube auch, dass es nicht mehr viele Weisse in Südafrika gibt, welche die schwarze Bevölkerung bewusst benachteiligen wollen. Aber, und das ist ein schwelender Konflikt, die schwarze Regierung benachteiligt mittels Quoten-Regelungen die weisse Bevölkerung. Mit längerfristig grossen Problemen für Südafrika. Aufgrund der unrühmlichen Vergangenheit hat die schwarze und farbige Bevölkerung erst seit gut 20 Jahren Zugang zur freien Bildung. Und selbst heute noch lange nicht auf gleichem Niveau wie die Weissen. Ich bin also geneigt zu sagen: Habt Geduld! Man kann nicht Jahrhunderte von Erfahrung in einigen Jahren aufholen, doch der schwarzen und farbigen Bevölkerung geht es zu wenig schnell. Diese wiederum suchen die Fehler nicht bei der Regierung, sondern eben bei den Weissen.

Wer jetzt unmittelbar Angst um uns hat, die Geschehnisse liegen in etwa so weit weg von uns, wie meine Heimatstadt und Fussball-Cup-Halbfinalist (!!!) Winterthur von Kopenhagen. Also bleibts dabei: In unserer heilen Welt ist alles in bester und schönster Ordnung. Auch wenn der Regen ausbleibt. Und trotzdem machen wir uns Sorgen um «unser» Südafrika. Konflikte schwelen auch in Somerset West, wo schwarze Obdachlose hausen und Weisse auf Privat-Initiative versuchen ihnen zu helfen - bisher allerdings ohne Erfolg.

Man liest sich!

Im Dossier: Alle Auswanderer-Blogs von Sacha von der Crone