Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Pray for Rain

Auswanderer Sacha von der Crone wartet noch immer auf Regen! Dafür verändert sich in Sachen Sicherheit auf Südafrikas Strassen bald einiges, wie der Blogger bemerkt.
Sacha von der Crone Auswanderer Südafrika Lodge Wetter Regen
© Sacha von der Crone

Tradition: Jeden Nachmittag spielt und lernt Fynn auf der grossen Wiese mit seinem Herrchen.

Als Schweizer hätte ich es mir nie erträumen lassen, so viel über das Wetter zu schreiben. Vor allem nicht über das andauernd sonnige Wetter. Aber die Geschichten um das Ausbleiben des Regens werden immer abstruser und täglich gibts was Neues. Diese Woche machte auf WhatsApp und Facebook ein Hoax die Runde, der eigentlich so schlecht war, dass man kaum denken konnte, dass sich die Regierung von Kapstadt dazu äussern müsste. «Wegen der andauernden Hitze und dem Ausbleiben von Niederschlägen, wird diesen Monat vom 29. bis 31. Tag das Wasser komplett abgeschaltet.» So lautete der Text, der sich in Windeseile verbreitete. Gut, sind wir im Februar und der hat ja auch dieses Jahr, selbst in Südafrika, keine 31 Tage. Trotzdem wurde dem Text geglaubt und die Regierung sah sich zu einer Entwarnung veranlasst.

«Nur noch 130 Tage Wasser bleiben übrig» (man sprach ja auch schon von nur noch 97 Tagen…), «Langzeit Prognose zeigt - bis Juni kein Regen», «Let us pray for Rain», «Die Dämme sind bei einem Füllstand von 33 Prozent angelangt, ab 25 Prozent kann das Wasser nicht mehr abgepumpt werden». Das sind weitere Meldungen. Ob Fake-News, Halb- oder Ganz-Wahrheit, wir können es nicht beurteilen. Eines ist aber sicher - viele Regentage haben wir in den vergangen eineinhalb Jahren hier noch nicht erlebt. Die Lage ist sicherlich ernst, sehr ernst. Zumal nun auch unsere Pumpe, welche Wasser aus der Tiefe holt, mehr und mehr stoppt, weil sie Luft statt Wasser ansaugt.

Die Zeichen sind klar. Irgendwie den Winter erreichen und dann hoffen, dass sich die Dämme füllen und alles besser wird. «Die Dämme stehen aufgrund der veränderten Winde und der Klimaveränderung mittlerweile an den falschen Orten», ist schon wieder eine solche Schreckensmeldung. Wenn ich aber die durchschnittlichen Niederschläge von unserer Region mit der Schweiz vergleiche - und die Schweiz ist kleiner als unsere Region -, dann fällt eines auf: Der regenreichste Monat hier, der Juni, entspricht der Schweiz im März oder April. Und mehr als 90 Milimeter pro Monat werden im Western Cape durchschnittlich gar nie erreicht. In der Schweiz aber gleich an vier Monaten. Wie sollen sich also die Dämme überhaupt füllen? Der Grossteil des restlichen Südafrikas ertrinkt im Übrigen weiterhin fast im Regen. Etwas hat sich wirklich verändert.

Verändern wird sich per 1. Mai auch einiges auf den Strassen. Neue Regelungen werden eingeführt. Vor allem bezüglich Geschwindigkeit wird sich einiges nach unten korrigieren. Handlungsbedarf ist bestimmt vorhanden. Innerhalb der südafrikanischen Sommerferien, der sogenannten «Feier-Saison» von Mitte Dezember bis Mitte Januar, sind in Südafrika über 1700 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen. Mehr als zehntausend Tote sind es pro Jahr. Eine weitere Änderung betrifft ein wenig das typisch südafrikanische Bild mit den vielen Leuten auf den Ladeflächen von Pick-ups: Es dürfen in Zukunft nur noch maximal fünf Personen auf der Ladefläche sitzen - Kinder sind ganz verboten. Zudem dürfen Fahrzeuge mit mehr als 9 Tonnen Gewicht während der Rush-Hours gar nicht mehr auf die Strasse. Was das mit der Sicherheit zu tun hat, keine Ahnung. Aber wahrscheinlich häufen sich damit weiter gewisse Ausfälle in den Supermarkt-Regalen…

Wir sind uns der grossen Trockenheit in diesem Land bewusst, auch einer gewissen Gefährlichkeit, doch es bleibt wie es ist. Wir sind von all dem überhaupt nicht betroffen. Wir leben zusammen mit unseren Touristen in der heilen, wunderschönen südafrikanischen Ferien-Welt und geniessen all die Vorzüge des traumhaften Südafrikas und lassen es uns gut gehen. Wenn auch langsam aber sicher der seit November anhaltende Dauerbetrieb an unseren Nerven zehrt, fühlen wir uns pudel- oder besser gesagt ridgeback-wohl. Und, können uns auch heute noch amüsieren, wenn sich deutsche Gäste über deutsche Gäste aufregen, weil diese vor dem Frühstück bereits mit dem Pool-Tuch, ihre Liege reservieren. Auch wenn es für jeden Gast einen eigenen Liegestuhl hat, Vorurteile sind doch immer da, bestätigt zu werden.

Man liest sich!

Im Dossier: Alle Auswanderer-Blogs von Sacha von der Crone