Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Sorgen um Südafrika

Bei strahlend blauem Himmel und Temperaturen um die 30 Grad könnte Auswanderer Sacha von der Crone eigentlich das Leben auf seiner Lodge geniessen. Wären da nicht die Sorgen um die Lage Südafrikas, mit Studentenprotesten, Gen-verseuchten Hühnern und Rücktrittsforderungen an den Präsidenten.

Eine Woche mit viel Kopfschütteln liegt hinter uns. Uns gehts gut, und würden wir «nur» in unserer eigenen, traumhaften «Africa-Lodge-Welt» leben, wäre wirklich alles perfekt. Die fast einwöchige kühlere Phase mit Temperaturen um knapp über 20 Grad und einigen Niederschlägen mit starken Winden liegt nämlich hinter uns, dem Garten gehts dadurch auch wieder gut. Nun scheint die Sonne am strahlend blauen Himmel und die Temperaturen sind immer bei 30 Grad. Unsere Welt ist also grossartig und hier liegt nicht der Grund für die Nachdenklichkeit.

Schauen wir aber aus unserem Garten raus nach Südafrika, beginnt das Kopfschütteln, verbunden mit einiger Traurigkeit darüber, was gerade im Land los ist. Die Studentenunruhen haben wieder zugenommen, aufgrund eines Handelsabkommens sind nun in den Supermärkten mehrheitlich Gen-verseuchte Hühner-Produkte zu erwarten, in den Gemüse- und Obst-Abteilungen hängen Schilder, dass die Lebensmittelkette wegen der Dürre nicht mehr die gewohnte Qualität liefern könne, und bald verkünden die Rating-Agenturen die neueste Beurteilung über Südafrika, niemand erwartet etwas Gutes.

Wirtschaftliche und politische Krise

Der Präsident wurde vom Verfassungsgericht für seinen millionenschweren Umbau der privaten Villa mit Steuergeldern zur Rückzahlung binnen 45 Tagen verurteilt. Man betitelte sein Vorgehen als rechtswidrig und Bruch der Verfassung. Die Opposition forderte umgehend seinen Rücktritt. Natürlich hat er dank der absoluten Mehrheit im Parlament auch dieses Misstrauensvotum problemlos überstanden. «Südafrika auf dem Weg zu einem Mafia-Staat», lautete dann auch die Überschrift auf einem deutschen Onlineportal. Nebst den veruntreuten Steuergeldern wird dem Präsidenten auch die Verbandelung mit einer mächtigen indischen Industriellen-Familie zur Last gelegt, die dank der präsidialen Liaison auch gleich Ministerposten in Südafrika anbietet.

«Tja, das ist halt alles Afrika», werden einige wohl denken. Stimmt, fast im ganzen restlichen Kontinent sind diese Gebaren gang und gäbe. Aber Südafrika war doch einst die Vorzeigenation eines ganzen Kontinents, von Nelson Mandela geprägt durch den Leitsatz, dass Macht Toleranz nicht ausschliesse und die Menschlichkeit das oberste Gut sei. Der moralische Kompass von Südafrika, wie Mandela bei seinem Tode betitelt wurde, fehlt diesem Land in seiner wohl grössten wirtschaftlichen wie auch politischen Krise sehr.

Es ist einfach eine Schande, wie die obersten des ANC - der Regierungspartei - im Moment die Visionen, die Leitideen von Mandela verraten. Immer mehr alte Weggefährten von Mandela entfernen sich von der aktuellen Regierung. Uneinigkeit und Korruption ist wohl gerade das Schlimmste, was Südafrika passieren kann. Reformen wären dringend nötig, um eine drohende Rezession zu verhindern. Der Unmut in allen Schichten und Farben der Bevölkerung wächst, das Vertrauen in eine baldige Lösung ist nicht vorhanden. Wie kommt dieses wunderbare Land wieder auf Kurs? Die kommenden Wochen und Monate werden sicherlich politisch spannend.

Im Dossier: Alle Auswanderer-Blogs von Sacha von der Crone