Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Die Woche der Vorurteile

In Südafrika wartet Auswanderer Sacha von der Crone auf den ersten Besuch aus der Schweiz. Und beschäftigt sich mit Vorurteilen - solchen, die sich nicht bewahrheiten und solchen, die ihn bedrücken.

Eines vorweg - Bobby war hier. Unglaublich aber wahr. Plötzlich stand er, wie angekündigt, am Montag hier und klärte zuerst einmal die Machbarkeit unserer Wünsche ab. Obwohl er diese eigentlich schon kannte. Für die meisten Arbeiten musste er dann nochmals kommen, da er das nötige Equipment nicht dabei hatte. Gleich als erstes komme er morgen zu uns. Übermorgen entschuldigte er sich dann sofort, dass es gestern nicht geklappt hat. Bis am Donnerstag erledigte er dann wirklich alles, das heisst, er musste noch ein drittes Mal kommen. So kann man also hier am Kap der guten Hoffnung geschäften. Seine Arbeit ist wirklich tadellos, kostengünstig und er ist ein super unterhaltsamer Typ. Aber er bestätigt so ganz viele Vorurteile in einem, was die Arbeitsweise hier in Südafrika betrifft.

Düstere Vorurteile
Generell sind wohl Vorurteile das Hauptaugenmerk in meinem heutigen Blog. Nachdem Barbara im zweiten Anlauf ihren Termin bei den Behörden hinter sich gebracht hatte, war ich diese Woche an der Reihe. Nach zwei Stunden (!) Fahrt, bzw. Stau erreichte ich Kapstadt - im Normalfall legen wir diese Strecke in ungefähr 30 Minuten zurück. Ich kam im Behördengebäude auch relativ schnell durch die Sicherheitskontrollen und vorbei am ersten Schalter gleich in einen Warteraum. Auf einigen wenigen Quadratmeter standen sich mindestens bereits zwanzig Wartende auf den Füssen. Es herrscht reges Treiben, man spricht miteinander, telefoniert oder surft rum. Obwohl Handys eigentlich verboten sind, was der Mann hinter dem Schalter auch alle paar Minuten in die Runde schreit. Plötzlich war es aber augenblicklich totenstill. Ein Muslim im schicken Thawb betrat den Raum, in der Hand eine billige Tüte und daraus lugte ein hastig verklebtes Paket hervor. Nach den schlimmen Ereignissen vom Wochenende in Paris dachte wohl jeder im Raum das Gleiche. Als kurz darauf ein Dunkelhäutiger den Raum betritt und den Muslim freudig und äusserst freundlich begrüsst, ist dem gesamten Raum die Erleichterung schon fast anzuhören und das in einem Land, in dem so viele Religionen und Gruppierungen friedlich miteinander leben.

Vorurteil mit hohem Wahrheitsgehalt
Vorurteil Nummer zwei:  Schwarze Südafrikaner, die sich ein Hotelzimmer leisten können sind unangenehme Gäste. «Von schwarzen Südafrikaner verlange ich immer eine 100-Prozent-Vorauskasse», sagte uns am Wochenende eine Schweizerin, welche mit Familie in unserer Nähe auch ein Gästehaus führt. Nach dem Nichterscheinen eines schwarzen Südafrikaners letzte Woche (man erhört die Hautfarbe am Namen) erleben wir zurzeit gerade die nächsten negativen Erfahrungen. Zwei Geschäftsmänner mit einer, manchmal auch zwei, weiblichen Begleitungen sind bei uns zu Gast. Oder besser gesagt, waren es. Frühstückszeiten, Check-out-Zeiten wurden überhaupt nicht eingehalten. Der Aufenthalt um eine Nacht in zwei Zimmern und dann doch nur für ein Zimmer verlängert, zwischenzeitlich wollten sie ganz abreisen. Wäsche zum Bügeln (kostenlos, das wurde vorausgesetzt) abgegeben und dann einfach verschwunden nach dem Bezahlen, der Schlüssel wurde irgendwo «deponiert» und sie führten sich auf, als gehöre ihnen die Welt. Eine Person alleine brachte es auch fertig, den 180-Liter-Warm-Wasser-Boiler alleine zu leeren, um sich dann anschliessend zu beklagen, es hätte kein Warmwasser mehr. Genau dies wurde uns auch von Simone, der Schweizer Gästehausbesitzerin, prognostiziert. Es bedrückt mich, dass dunkelhäutige, welche es ein wenig zu etwas gebracht haben, es jeden und vor allem auch die dunkelhäutigen Mitbürger immer spüren lassen, dass sie nun etwas Besseres sind. Man vergisst die Wurzeln zu oft. Sie führen sich wirklich auf wie Könige. Wohl gemerkt, bei uns kostet ein Zimmer 990 Rand - umgerechnet 75 Franken pro Zimmer. Also nicht die Welt, da gibt es luxuriösere und kostspieligere Unterkünfte. Simone haben wir übrigens durch diesen Blog kennen gelernt, sie hat uns oder vor allem Barbara eine gute und kostenvernünftige Coiffeuse empfohlen. Man hilft sich halt. Ein schöner Umstand.

Ganz Vorurteilsfrei haben wir diese Woche endlich das neue Gästezimmer fertiggestellt. Der Parkettleger kam einen Tag zu spät, dafür dann aber pünktlich. Jetzt ist alles für die Gäste bereit und wir sind schon stolz auf das Erreichte. Nun wird wohl auch ein wenig Normalität einkehren, da wir keine anstehenden Projekte haben. Wahrscheinlich... So haben wir vielleicht ein wenig mehr Zeit für uns, für Ausflüge oder auch endlich mal wieder eine Runde Golf.

Heute kommen die ersten Gäste aus der Schweiz, die wir kennen. Viele weitere werden folgen und wir freuen uns sehr über diese zusätzliche Abwechslung. Ausgerechnet auch ein Handballverrückter und dann erst noch von einem der grössten Rivalen von Pfadi Winterthur (meinem ehemaligen Arbeitgeber) - die Gäste kommen aus Thun und als kleine Begrüssungsüberraschung werden sie dann im Schrank von «meinem» Pfadi-Abschiedsshirt begrüsst. Ein bisschen Spass muss sein.

Man liest sich!

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