Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

How are you?

Oberflächliche Freundlichkeit gibt es auch in Südafrika. Vor allem am Telefon. Doch oft schlägt sie um und endet mit einem wütenden Auflegen des Anrufers. Auswanderer Sacha von der Crone berichtet im neusten Blog von seinen Erfahrungen.

Man kennt das ja. Wenn sich in der Schweiz zwei treffen, heisst es fast immer «Hoi, wie gahts?», ohne dass die Antwort den Fragesteller sichtlich interessiert. Hier in Südafrika ist es diesbezüglich, wenn man sich unter die Augen tritt, nicht anders. Häufig wird die Antwort «Fine and you?» schon gar nicht mehr beantwortet.

Viel schlimmer ist es aber am Telefon. Wenn man angerufen wird, nennt der Anrufer nicht seinen Namen - er fragt umgehend nach dem Gemüts-Zustand. Anständigerweise fragen wir dann natürlich auch nach, wie es ihm denn gehe, immer noch ohne zu wissen, mit wem wir überhaupt sprechen.

Wird das «How are you» vom Anrufer nicht mehr beantwortet, kann man fast sicher sein, dass wir den Anrufer kennen - eben, wie wenn man sich unter die Augen tritt. Ist der Anrufer unglaublich freundlich, will er wohl etwas von uns. Unglaublich viele Telefonate sind Werbe-Anrufe. Häufig drehen sie sich um Computer und man will uns irgendetwas verkaufen oder manchmal - vermute ich sogar - irgendwelche Passwörter abschwatzen. Diese Anrufe beginnen noch stinkfreundlicher als alle andere Anrufe und wenn man umgehend sagt, dass wir keine Computer-Probleme haben oder einfach gar nichts mit ihm zutun haben möchten, dann ist es vorbei mit Freundlichkeit und das Telefon wird einfach aufgelegt. Kein Aufwiederhören oder dergleichen. Einfach weg.

Running Gag Bobby - der TV-Installateur ist zurück

Bobby war tatsächlich ein erstes Mal wieder bei uns, um TV-Installationen durchzuführen. Er kam Tage später als vereinbart, konnte fast alles erledigen und den Rest würde er gleich am nächsten Tag, so um elf erledigen. Wir warten noch immer. Elf Uhr am Morgen ist schon zum zweiten Mal vorbei. TIA (This Is Africa).

Leider ist aber auch das Süd-Afrika: Präsident Zuma hat einen erneuten Misstrauens-Antrag erfolgreich überlebt, da ihn die eigene Partei auch weiterhin stützt. Die Studenten-Unruhen haben massiv zugenommen, einige Unis mussten nach wüsten Demonstrationen und Ausschreitungen sogar schliessen. Viele gelegte Brände haben Teile von mehreren Universitäten unbrauchbar gemacht, zudem wurden auch bedeutende Kunstwerke für immer zerstört. Die schwarzen Studenten wehren sich gegen eine noch immer vorhandene Bevorzugung von weissen Mitstudenten. Sie protestieren aber auch gegen die schwarze Regierung, die die versprochenen Verbesserungen des Landes nicht erreicht hat. Weisse Studenten demonstrieren wiederum weil Afrikaans als Unterrichtssprache abgeschafft werden soll. Die Probleme in Südafrika werden nicht kleiner und schon lange oder immer noch vorhandene Rassenprobleme kommen wieder an die Oberfläche.

Dann gab es wiederum einen Diebstahl, der allerdings beim Versuch blieb. Aber mein Hund Fynn ist unschuldig. Ein weiblicher Gast hat doch tatsächlich eine dekorative Früchteschale eingepackt. Unsere aufmerksame Maid hat uns auf das Fehlen hingewiesen und wir konnten bei den Gästen noch vor der Abreise nachfragen, ob sie wissen, wo die Schale hingekommen ist. Tatsächlich hat sie die Schale wieder aus dem Koffer gekramt mit den Worten, sie dachte ihr Mann hätte sie gekauft. Mal ehrlich, welcher Mann kauft irgendein dekoratives Stück ohne das Wissen seiner Frau?

Noch immer ist Sommer und Hochsaison in der Lodge - aber auf mich kommen nun spezielle Tage zu. Termine in der Schweiz führen dazu, dass ich die Africa-Lodge leider für einige Tage verlasse und Barbara mit unseren Angestellten alleine zurück bleibt. Arbeits- und stressreiche Tage werden auf sie zukommen. Aber es muss so sein, schliesslich wollen wir auch nächste Saison volles Haus mit spannenden neuen Projekten. Und ich besuche nun also ein erstes Mal die Schweiz als Tourist bzw. für Geschäftstermine.

Man liest sich!

Im Dossier: Alle Beiträge von Auswanderer Sacha von der Crone