Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Der Gärtner, der nicht kommt und ein erster Diebstahl

Diese Woche kämpft Auswanderer Sacha von der Crone mal wieder mit seinem unzuverlässigen Gärtner. Und der Winterthurer lernt, warum in Südafrika ein Funkgerät zum Haushalt gehören sollte.
Sacha von der Crone Auswanderer Südafrika Lodge Diebstahl
© ZVG

Fynn: Ein Sonnenanbeter, der erste Sonnenstrahl im Garten treibt ihn aus dem Bett... 

Montag, kurz nach acht Uhr morgens, von unserem Gärtner keine Spur. Ausgerechnet heute. Nach einer stürmischen Nacht liegt viel Laub in unserem Garten herum. Der Gärtner reagiert nicht auf SMS oder Whatsapp-Nachrichten. In Gedanken hab ich mich schon von diesem guten Arbeiter und netten Kerl verabschiedet. «Jetzt geht die Suche wieder los», dachte ich mir. Nun gut, die Saison ist bald zu Ende und von dem her wäre das nicht so ein dringendes Problem. Plötzlich doch ein Lebenszeichen von ihm. Er sei daran die Arbeitsbewilligung zu verlängern. Er hätte uns eine SMS geschrieben, aber die sei wohl leider nicht angekommen, entschuldigt er sich. Ich verstehe es einfach nicht. Der junge Mann hat nicht jeden Tag in der Woche eine Arbeit, aber ausgerechnet dann, wenn er Geld verdienen kann, schwänzt er und geht aufs Amt. Andere Länder, andere Sitten und nicht nachvollziehbare Gedankengänge. Ob die ganze Geschichte stimmt, wissen wir erst, wenn wir die neue Arbeitsbestätigung sehen.

Eigentlich befürchtete ich einen anderen Grund für sein Fernbleiben. Am Freitag letzter Woche wurde ihm nämlich sein Fahrrad geklaut, direkt von unserem Hofplatz. Fast zehn Meter vom Eingang und vom Zaun entfernt. Das Fahrrad lehnte am Garagentor hinter unserem Auto, fast nicht sichtbar. Der Dieb musste also in genau den zehn Minuten, als ich kurz mit dem Auto weg war, über den Zaun geklettert sein, das Velo geschnappt und wieder über den Zaun von dannen gefahren sein. Unglaublich! Und das am heiterhellen Tag. «Willkommen in Südafrika», würde unser Nachbar dazu sagen. Sofort meldeten wir den Diebstahl über die Nachbarschaftswache-Gruppe im Chat. Postwendend fragte jemand nach, wie das Fahrrad ausgesehen habe. Nach unseren Angaben schickte das Chat-Mitglied sofort die Meldung: «Ich habe um diese Zeit einen Schwarzen gesehen, der viel zu gross war für das eher kleine Fahrrad und fast nicht fahren konnte.» Das war dann wohl der Dieb.

Wir stellen fest: Weisse Südafrikaner sind einfach aufmerksamer in unserem Quartier unterwegs als wir. Ich hätte mich vielleicht höchstens ab diesem lustigen Bild des schlechten Fahrradfahrers amüsiert, als mir auch noch Details des Velos gemerkt. Wie anders sie denken, wird uns bewusst, als wir uns zu einem eilig einberufenen Treffen der Nachbarschafts-Wache einfinden. Diebstähle haben stark zugenommen in unserer Gegend, Zeit zu handeln. «Es ist wichtig, dass möglichst viele sich mit einem Funkgerät ausrüsten, damit wir zusammen auch in der Nacht über den Notfall-Kanal kommunizieren können und sofort für einander da sind», wird uns schon fast eingebläut. Irgendwie fühle ich wie in einem Westernfilm. Funkgeräte für alle, damit im Notfall die Nachbarn morgens um drei Uhr zu Hilfe kommen? Als Schweizer weiss ich, dass ich in Winterthur wohl an einem Abend an einigen Haustüren klingeln müsste, nur um ein Stück Zucker borgen zu können. Doch die Erzählungen vom letzten Notfall zeigen ein anderes Bild.

Morgens um vier Uhr, drei Minuten nach dem Notruf über Funk, standen bereits die ersten Männer beim Hilfesuchenden auf dem Grundstück. Wir sind wirklich beeindruckt. Der Leiter des Treffens fügt an: «Mit einem Funkgerät bist du nie mehr alleine und hilflos. Und wenn deine Familie oder dein Hab und Gut in Gefahr ist, bist du froh um dieses Gefühl.» Die Worte wirken. Wir haben uns sofort für ein Funkgerät entschieden. Unser Leumund wird nun überprüft und anschliessend bekommen wir nach einer kurzen Einführung unser Gerät. Wenn ich vor Wochen schrieb, dass wir das Ding nicht brauchen, wurde ich eines besseren belehrt. Eigentlich kann ich es schon fast nicht erwarten, bis die Funkgeräusche auch in der Africa-Lodge erklingen.

Es sei gesagt, wir spüren keine Angst, fühlen uns wohl und sicher. Das gleiche gilt auch für unsere Gäste. Schliesslich wurde mir vor Jahren in einem Vorort von Winterthur, direkt vor unserer Haustüre, auch schon mal ein Fahrrad geklaut. Aber die Gemeinschaft, der Zusammenhalt von wildfremden Nachbarn in unserem Quartier ist tief beeindruckend.

Ach ja, noch etwas: Es regnete sogar einmal kurz in dieser Woche, drei Millimeter. Immerhin.

Man liest sich!

Im Dossier: Alle Auswanderer-Blogs von Sacha von der Crone