Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Leben im Katastrophengebiet

Die Gegend um Kapstadt erlebt eine der schlimmsten Dürren seit über 100 Jahren. Südafrika-Auswanderer Sacha von der Crone übt sich mit seinem Lodge-Gästen im Wasser sparen. Und wundert sich, wie andernorts immer noch verschwenderisch mit dem knappen Gut umgegangen wird.
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© Sacha von der Crone

Es wurde Regen angekündigt - und so sah das Wetter am Ende bei Sacha von der Crone in Südafrika aus. Leider, denn Regen wäre dringend nötig gewesen.

Nun leben wir also seit dieser Woche offiziell in einem Katastrophen-Gebiet. Die Gegend um Kapstadt wurde inmitten der schlimmsten Dürre seit 113 Jahren zu einem solchen erklärt. Natürlich hat die Deklaration zum Katastrophengebiet vor allem politische Gründe. So kann nun zum Beispiel Level 4 der Restriktionen ausgerufen werden. Zudem sind weitere Geldmittel frei zur Bekämpfung dieser Dürre. Oder auch einfach zur Bekämpfung der Situation. Es werden zum Beispiel neue Stellen geschaffen: Es werden Personen gesucht, die an der Telefon-Hotline arbeiten und Tipps zum Wasser sparen geben oder bei Wasserproblemen weiterhelfen.

Das Geld wird aber nicht nur unnütz verbraucht. Es können so auch Wasserlöcher gebohrt werden in Nähe von Schulen oder auch Spitälern. Die Lage ist also ernst. Einmal mehr. Aber dieses Mal so richtig. Noch zwei Monate soll die Wasserreserve reichen. Aber auch nur, wenn sich jeder an die Vorgaben hält und zudem endlich Regen fällt. 100 Liter pro Tag und Person dürfen noch gebraucht werden. Zum Vergleich: Die Schweizer verbrauchen zwei- bis dreimal so viel pro Tag. Ganz ehrlich, ich glaube nicht, dass das die Südafrikaner schaffen.

Noch immer zeigen viele Südafrikaner in den sozialen Medien, wie sie vermeintlich Wasser sparen. Zum Beispiel, wie sie das Abwasser der Waschmaschine in den Garten schütten und dieser nun grüner ist als jemals zuvor. Nun gut, so hat er ja noch nicht Wasser gespart. Ausser er hätte seinen Garten früher immer mit Leitungswasser gegossen, aber da der Garten nun ja grüner ist als jemals zuvor...

Fitnesscenter teilen mit, dass sie ab sofort die Sauna-, Dampfbad- und Pool-Landschaften schliessen und so bis zu 650'000 Liter pro Monat sparen. Autowaschen ist jetzt auch nicht mehr erlaubt, Hotels in Kapstadt schliessen ihre Pools und überhaupt darf ausserhalb des Hauses kein Leitungswasser mehr benutzt werden. Warum erst jetzt, verdammt nochmal? Die Krise ist ja wirklich schon lange Thema in meinem Blog und in der Region, aber erst jetzt erkennt man wirklich den Ernst der Lage?!

Der beste Post dazu, der unglaubliche viele Likes und unterstützende Kommentare erhielt, war doch tatsächlich dieser: «Es muss wohl was Wahres an der Krise sein - sogar CNN Amerika hat darüber berichtet.» Da kann ich nur den Kopf schütteln! Jetzt glauben es also alle, CNN hat sogar darüber berichtet. Ich glaub, ich spinne! Und unsere Nachbarin lässt den Sprinkler sogar bei leichtem Regen noch laufen. Ja natürlich darf sie das, sie hat ja wie wir ein eigenes Bohrloch. Dabei sind die Nächte nun kühl genug, jeden morgen liegt Feuchtigkeit auf unserem Rasen, im Garten und auf den Tischen - bewässern ist nun wirklich nicht mehr nötig. Und auch wenn wir kein Leitungswasser benutzen, das Bohrloch bei uns fördert ja auch Wasser zu Tage - kein Trinkwasser, aber irgendwo, irgendwann wird Grundwasser auch zu Trinkwasser.

Es wurde auch frohlockt, dass Wasser gespart wird, erfolgreich. Der Konsum ging um fast zehn Prozent zurück. Nun gut, die Touristen sind weg, die Schwalben auch (Europäer, die den Winter hier im Sommer verbringen), also wahrscheinlich halten sich schlicht zurzeit etwa zehn Prozent weniger Menschen in unserer Region auf. Nix gespart, geliebtes Südafrika.

Ich bin sicher, obwohl die Schweiz das Wasserreservoir von Europa ist, werden wir schon von Kindesbeinen an besser auf die Kostbarkeit von Wasser hingewiesen. Bildung ist halt auch in diesem Bereich Gold wert. Und wenn unsere Maid uns lobt, wie sorgsam und sparsam wir mit Wasser umgehen, dann finden wir das speziell. Wenn sie uns aber erzählt, wie in den Townships sorglos auch jetzt noch Wasser vergeudet wird, dann fragen wir uns nicht warum, denn sie bezahlen halt nichts dafür. So fahren zum Beispiel auch heute noch, alle Mini-Busse frisch geputzt und blitzblank herum. Wasserrestriktionen? Davon hat unser Gärtner erst von mir erfahren.

Die neue Wasserrechnung ist bei uns eingetroffen. Stolz sind wir - um zwei Drittel konnten wir zusammen mit unseren Gästen den Verbrauch reduzieren. Und nun sind die letzten Gäste abgereist, die Africa-Lodge schliesst für gut zwei Monate und wir leben unsere Freizeit dort aus, wo andere Ferien machen.

Man liest sich!

Südafrika-Blog Damm früher
© Sacha von der Crone

So sah einer der Dämme früher aus,...

Südafrika-Blog Damm heute
© Sacha von der Crone

...und so sieht er jetzt aus.

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