Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Die erste Ferien-Woche

Um Kapstadt hält die Jahrhundert-Dürre immer noch an. Auswanderer Sacha von der Crone schreibt, wie er kreativ Wasser spart, wie ihn die Natur Südafrikas ins Staunen versetzt und wie er seine neu gewonnene Freizeit geniesst.

Die erste Ferienwoche in der Africa-Lodge ist in vollem Gange. Wir geniessen sie «leider» immer im Freien, immer im Garten. Die Temperaturen erreichen täglich mehr als 20 Grad. Das heisst vor allem, es hat wieder nicht geregnet, nur einmal ein bisschen. Die Pegelstände der Dämme sinken auch diese Woche. Dafür steigt das ungute Gefühl weiter. «Zwei Minuten duschen pro Tag und wenns gelb ist, nicht spülen», heisst die dringliche Devise der Regierung von Kapstadt.

Ganz ehrlich, wir kriegen beides (noch) nicht hin. So weit ist auch unser Verständnis noch nicht gediehen. Zu oft sehen wir weiterhin Leitungsbrüche, welche nicht repariert werden und so zehntausende Liter von Wasser einfach auf die Strasse spülen – und dies während Stunden! Unverständlich gross ist auch weiterhin die städtische Verschwendung von Trinkwasser. Sei es im Strassenbau oder sogar in der Gebäudereinigung.

Doch ganz untätig schauen wir dem Wasserdebakel auch weiterhin nicht zu. Dank eines «erfundenen Systems», ich sagte im Scherz es sei zu patentieren, sammeln wir nun auch unser Waschmaschinen-Abwasser und verwenden es für die Hausreinigung. Schliesslich sind wir ja nun unter uns, und so sind keine Gäste von dieser weiteren Sparmassnahme betroffen. Gebaut aus den Resten der alten Pool-Leitungen fliesst das Wasser in eine Tonne. Das System ist sogar erweiterbar. Es könnte auch noch das Lavabo-Abwasser und das Wasser aus der Spüle in der Küche aufnehmen. Doch nun warten wir mal ab, für nächste Woche sind zwei Tage starke Regenschauer angekündigt. Hoffentlich stimmen dieses Mal die Prognosen.

So vieles bewältigen wir mittlerweile selber, schlagen uns alleine durch und können so fast jeden Abend auf eine spezielle Leistung stolz sein. Ich glaube, genau das ist die grosse Freude unserer Auswanderung. Nebst dem, dass ich nun abends um halb fünf, «umgerechnet» Anfangs Dezember, noch im Garten sitze, sind diese Erfahrungen für uns wirklich gewonnene Lebensqualität. Zugetraut hätte ich uns dies alles im voraus nicht. Natürlich kommt uns die afrikanische Bauweise bei all dem sehr entgegen. Fast jede Leitung, ob Strom, Trinkwasser oder Abwasser, ist mehr oder weniger frei zugänglich. Vieles ist in der Africa-Lodge aus Holz und deshalb für mich einfacher zu handhaben.

Auch unser Garten ist äusserst «dankbar». So mussten wir zum Beispiel dringend einige Sträucher schneiden, extrem schneiden, weil sie zu gross wurden oder teilweise sogar ins empfindliche Reet-Dach wuchsen. Keinen Gedanken dazu mussten wir an Frost verschwenden. Die Natur macht fast keine Pause, also kann man auch nicht so viel falsch machen. Munter schnitten wir drauflos, um schon nach einigen Tagen mit Freude zu sehen, dass die ersten Triebe bereits wieder ausschlugen. Vieles erscheint uns nun einfach, obwohl wir aus der Ferne der Schweiz noch grössten Respekt davor hatten. «Machen und mal schauen. Es kommt schon gut!», passt wohl gut für uns, für vieles was unser neues Leben betrifft.

Bei unserem Auswanderungsprojekt wurde uns sicherlich Blauäugigkeit unterstellt. Ja, das wird wohl so gewesen sein. Zum Glück waren wir es. Mit allen typisch schweizerischen Vorsichts-Gepflogenheiten wagt man so einen Schritt erst gar nicht. Blauäugigkeit ja, aber sicher nicht Naivität und Dummheit. Darum gehts uns so gut.

Wir haben viel Zeit zum Geniessen oder manchmal auch einfach zum verplempern. Wir führen Ziva zusammen mit ihrer Schwester im Hundepark aus oder besuchen mit ihr die Welpenschule. Auch wenn wir mittlerweile noch die einzigen Teilnehmer sind. Mit Fynn spazieren wir bei Sonnenschein durch die herbstlichen Reben und beobachten auch dort Spezielles. Die herbstlichen Triebe sind noch nicht einmal geschnitten, schon schlägt die Rebe wieder aus. Ein schönes Bild.