Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Das lange Warten auf die Handwerker

Blogger und Auswanderer Sacha von der Crone braucht Handwerker, die das Reet-Dach flicken. Doch es dauert, bis sie kommen.
Sacha von der Crone Südafrika Auswanderer
© Sacha von der Crone

Auf einem Ausflug entdecken wir zwei neue Weingüter: Ein lohnendes Ausflugsziel für unsere Gäste.

Ich fühl mich schon fast verpflichtet, nach allem Gejammer über zu wenig Regen zuerst über das Wetter zu schreiben – nur kurz. Es hat immer mal wieder geregnet, allerdings nicht wahnsinnig ergiebig. Die Damm-Levels steigen zwar nach wie vor, nachdem sie bis vor drei Wochen nur abgenommen haben.

Doch noch immer sind sie nur halb so voll wie vor einem Jahr – und das reichte ja, wie wir wissen, nirgends hin. Schon werden weitere Spar-Massnahmen diskutiert, aber das wird auch nichts bringen. Schlimm ist einfach, wenn unsere Maid immer und immer wieder davon berichtet, dass sich bei ihr zu Hause im Township niemand, aber auch wirklich niemand um den Wasserhaushalt kümmert. Wasser läuft einfach so auf die Strasse, Wasserhähne werden nicht geschlossen – dort wird Wasser vergeudet. Genug gejammert, es wird schon irgendwie weitergehen.

Wie sollen wir uns verhalten?

Wenn ich in der Vergangenheit geschrieben habe, wie stolz wir sind, dass wir vieles mittlerweile selber flicken, renovieren oder gar bauen können, dann hat das auch seinen Grund, wie wir diese Woche aufs Neue erfahren haben. Es ist einfach mühsam mit den Handwerkern. Wirklich mühsam. Ein Teil unseres Reet-Daches sieht nicht mehr toll aus, vielleicht wars der Wind oder sogar Vögel, die Baumaterial für ihre Nester gesucht haben.

Auf jeden Fall ist das Dach ein wenig zerzaust. Ein Fachmann muss her, wir haben schlicht keine Ahnung und aufs Dach steigen will ich auch nicht. «Morgen zwischen 09.00 und 12.00 Uhr kann ich kommen und mir das Ganze anschauen», sagt der Experte, der schon einmal von unseren Vorgängern engagiert wurde. «Super, das geht ja schnell... wenn er dann auch kommt», denken wir. Mittag ist schon lange vorbei, als sich der Herr wieder meldet: «Ich kann heute nicht mehr kommen, aber morgen um 12.00 Uhr oder am späteren Nachmittag so nach 18.00 Uhr.» Natürlich muss es um 12.00 Uhr sein, schliesslich muss der gute Herr ja das Dach checken und nicht mit uns zusammen im Dunkeln TV kucken – um 18.00 Uhr ist es nämlich zapenduster.

Keine zehn Minuten später meldet sich ein anderer Mitarbeiter der Firma: «Ich habe eine Notiz auf dem Tisch, ich soll ihr Dach checken, nächsten Montag am Morgen kann ich vorbei kommen.» Wir haben jetzt verschiedene Möglichkeiten. Erstens: Wir kanzeln diesen Mitarbeiter ab und erklären ihm, in welchem Sauladen er arbeitet. Zweitens: Wir vereinbaren auch mit ihm einen Termin, in der Hoffnung, dass so wenigstens einer kommt.

Drittens: Wir beschimpfen diese Firma auf Facebook und für alle sichtbar. Viertens: Wir sind und bleiben Schweizer und entsprechend anständig. Natürlich bleiben wir liebe Schweizer und erklären ihm, dass sich bereits ein Mitarbeiter gemeldet hat und er nichts weiter tun muss. Mit der Folge, dass auch am Tag vier nach unserem Anruf niemand bei uns vorbei gekommen ist. Mit allen anderen Optionen wäre sicherlich schon jemand bei uns im Garten gestanden und hätte bei Tageslicht (!) unser Dach inspiziert. Ja, this is Africa und wir halt immer noch Schweizer.

Sacha von der Crone Südafrika Auswanderer
© Sacha von der Crone

Die Wintertage geniessen die Bewohner der Lodge im Freien: Die Sonne wärmt trotz stürmischem Wind.

Das Cheminee qualmt

Ein zweites Problem:  Trotz altem und trockenen Holz qualmt unser Cheminee mehr ins Haus als in den Kamin. Da stimmt definitiv etwas nicht. Ein Fachmann muss auch hier ans Werk. «Ich kann jemanden vorbeischicken, es wird aber zwei, drei Tage dauern», lautet hier die Antwort. Tag zwei – wir rufen wieder an: «Ich weiss, dass mein Mitarbeiter noch nicht bei Euch war, aber wir sind komplett überlastet, es wird schon noch klappen diese Woche.» Wir glauben es, schliesslich ist unser Ansprechpartner und Inhaber der Firma ein Deutscher... Am Tag drei stehen unangekündigt zwei Männer hier und lösen das Problem.

Ja, wir leben in Südafrika und man kann sich mit allem arrangieren. Zudem haben wir ja Zeit. Wir erkunden weitere Ausflugstipps für unsere Gäste, suchen nach neuen Köstlichkeiten fürs Frühstücksbuffet, lernen neue Weine kennen und erweitern beim Probieren unser Weinwissen. This is also Africa.