Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Von Walen und Wahlen

Die Winterpause nutzen Auswanderer Sacha von der Crone und seine Freundin für Ausflüge ans Meer - und um das politische Geschehen des Landes zu beobachten.

Am Wochenende war es Zeit für einen Familien-Ausflug. Fynn mit ins Auto gepackt und entlang der wunderschönen Küste auf Wal-Suche gehen. Das war das Ziel - und daneben unserem Fynn zum ersten Mal das Meer und die schönen Strände zeigen. Ich las einmal: «Nur wer seinen Ridgeback einmal an einem Strand toben sah, weiss, wie glücklich ihn das macht.»

Auf einer App entdeckten wir einen Strand, an welchem Hunde ohne Leine toben dürfen. Leider fanden wir den Strand dann aber nicht, dafür einen anderen. Es machte ihn unglaublich glücklich. Ungestüm und furchtlos, wie er nun einmal ist, stürzte er sich ins Meer. Die erste Welle überspülte ihn auch gleich, aber das war ihm egal.

Die Fahrt entlang dieses Küstenstreifens ist wirklich spektakulär, vor allem bei schönem Wetter. Am Anfang unseres Ausfluges wähnten wir uns noch in der Schweiz. Kurvig war die Strecke und dichtester Nebel herrschte. Ein Herbstausflug in die Schweizer Berge wäre wohl ähnlich gestartet. 

Keine Frage - die Landschaft hier ist abwechslungsreich. Dies werden wir in ein paar Wochen noch intensiver erleben können. Wir planen einen Road-Trip nach Johannesburg, wo wir zu einer Hochzeit eines schweizerisch-südafrikanischen Paares eingeladen sind. Wir freuen uns sehr darauf, einmal fast quer durchs Land zu fahren und dann Hochzeitstage mit Schweizer Flair und südafrikanischer Tradition zu erleben. Fynn wird in dieser Zeit in einem Hunde-Hotel in der Nähe leben. Dieses haben wir diese Woche ebenfalls besichtigt - er kann sich darauf freuen.

Unser Ausflug endete leider ohne einen gesichteten Wal. Vielleicht waren wir noch ein bisschen zu früh dran. Im August starten wir noch einmal einen Versuch. Den Ausflug liessen wir mit Fisch und Chips in einem Hafenrestaurant ausklingen. Begleitet von einer ordentlichen «Pizza» aus dem Magen von Fynn. Der Gute schluckte wohl zu viel Salzwasser und fütterte so auf unkonventionelle Art die Möwen. 

Nebst den Walen im Meer beschäftigen so langsam aber sicher auch die kommunalen Wahlen die Bevölkerung. Anfang August steht dieser Urnengang an. Und es wird vermutet, dass die machthabende ANC-Partei empfindliche Verluste hinnehmen muss. Gut so, finden viele, vor allem in den weissen Kreisen der Bevölkerung. Es wird auch befürchtet, dass der ANC diese Verluste nicht einfach so hinnehmen, das Ergebnis unter Umständen nicht akzeptieren und diesen demokratischen Wechsel bekämpfen wird. Unruhige Zeiten wären wohl die Folge.

Unruhige Zeiten sind aber bereits im Gange, denn auf Grund der befürchteten Wahlergebnisse, der steten Unzufriedenheit der ärmeren Bevölkerung und nicht eingehaltenen Walversprechen sind schon einige Demonstrationen in regelrechte Schlachten mit Toten und brennenden Autos ausgeartet. Sogar eine Politikerin wurde in der Nähe der Hauptstadt vor den Augen des Ehemannes und ihrer Kinder erschossen. Auch in unserer Nähe war zwei Nächte lang die Autobahn entlang der Townships wegen brennender Fahrzeuge gesperrt. Die Demokratie ist halt noch jung, das Land wirtschaftlich an einem Scheideweg und die Arbeitslosigkeit unglaublich hoch. Vor allem jetzt im Winter, wenn der Tourismus pausiert und viele keine Saisonstelle haben. Wir bekommen von dem ausser über die Medien nichts mit und fühlen uns weiterhin puddelwohl hier unten am Kap. Wir sind in unserem neuen zu Hause natürlich immer noch Ausländer und somit höchstens Zuschauer von diesen politisch stürmischen Zeiten.

Man liest sich!

Im Dossier: Alle Beiträge von Auswanderer Sacha von der Crone