Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Die Heimat als Tourist erleben

Auswanderer Sacha von der Crone entdeckt die Vorzüge eines guten Supermarktes und ist einmal wieder als Tourist in der neuen Heimat unterwegs. Das bringt ihm fast die Schweizer Winter-Romantik zurück.

Während sich in der Schweiz jede Supermarkt-Kette bis ins letzte Detail ähnelt, sind in Südafrika die Verhältnisse ganz anders. (Zu) viel ist abhängig vom jeweiligen Manager: Ein Supermarkt einer grossen Kette hier in Somerset West ist zum Heulen. Ungepflegt, halb leere Gestelle und schmutzig. Zudem muss der Einkäufer eine richtige Pfeife sein. Innerhalb von drei Wochen ist es nun zweimal vorgekommen, dass meine Zigaretten-Marke ausverkauft ist. Kein Drama, ich weiss. Aber Zigaretten, welche nun wirklich nicht das kürzeste Ablaufdatum haben, sollten nicht ausverkauft sein. Wie gleichgültig dies einigen Mitarbeitern ist, merkt man an deren Antwort: «Probieren Sie es doch einfach dort oder dort, die haben sicher noch welche.» Umso erstaunter waren wir, als wir im nahen Stellenbosch einen Supermarkt der gleichen Kette besuchten. Wir fanden uns fast in einem High-End-Lebensmittel-Laden wieder. Viel mehr Produkte, ein unglaublich schöner Laden und liebevoll gestaltet.

Feuerholz to go

Unterdessen entwickelt sich ein Platz ganz in unserer Nähe zu einer kleinen Outdoor-Mall. Am Anfang verkaufte dort eine Bäuerin Früchte. Mittlerweile hat es sich wohl herumgesprochen, dass sich dort vor allem zu Stosszeiten viele Autos stauen. So sind nun auch Schnittblumen, Pflanzen, Feuerholz und Obst erhältlich. Ein kleiner «Kiosk» mit Getränken, Süssigkeiten und Zigaretten hat sich im Kofferraum eines uralten Opel-Kombis auch noch aufgebaut.

Vor allem Feuerholz findet jetzt reissenden Absatz. Die Südafrikaner kaufen auf dem Heimweg noch Holz für einen warmen Abend. Denn der Winter ist da, und die Temperatur sinkt in der Nacht auf wenige Grad. Das führt dazu, dass das Thermostat beim Aufstehen in unserem Wohnzimmer noch knapp 16 Grad anzeigt. Und der morgendliche Kaffee macht einen nicht nur munter, sondern wärmt auch auf. Immer früher entfachen wir das Feuer im Ofen. So verbreitet sich in unserer Stube eine wohlige Berghütten-Atmosphäre. Einmal in der Woche erwartet uns nun ein solcher Stubenhocker-Tag. In den nächsten Tagen könnten wir, verbunden mit den kühlen Temperaturen, vielleicht sogar von Schnee gezuckerte Hügel erwarten. Das wäre ein Bild aus Südafrika!

Als Touristen in der Heimat unterwegs

Doch zum Glück lässt uns die Sonne selten im Stich. Und bei gefühlten 20 Grad lässt sich eine traumhafte Weintour unternehmen. Die klare Luft bietet eine wunderschöne Weitsicht und lässt auch die winterlichen Weinberge in voller Schönheit erstrahlen. In einem Feriengebiet zu leben, und die vielen Attraktionen ohne die Touristen-Ströme zu geniessen, ist traumhaft. Birgt aber auch gewisse «Risiken». Wir waren ja selber vor zwei Jahren als Touristen in dieser Gegend. Und haben es auf unserer Weintour fertig gebracht, zwei Weingüter anzusteuern, die wir bereits als Touristen besucht hatten. Bei weit über 300 Weingebieten in unserer Gegend ist das eine wahre Meisterleistung. Trotzdem entdeckten wir viel Neues und verbrachten schöne Mittagsstunden inmitten der Weinberge - inklusive Degustation und einer feinen kalten Platte mit Käse und Fleisch. Hier kam fast ein wenig Schweizer Winter-Romantik auf. Gut eingepackt und mit herrlichem Weitblick genossen wir auf der Terrasse die Sonnenstrahlen auf dem Gesicht. Wie in den Schweizer Bergen beim Aprés-Ski. So verbringen wir die ruhigen Wintertage. Wir spielen zwischendurch Golf und geniessen einfach die entspannte Zeit und lassen die Seele baumeln.

Man liest sich!

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