Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Business as usual - inklusive abwesendem Gärtner

Bei Auswanderer Sacha von der Crone ist der Alltag eingekehrt. Alles läuft wie immer. Für Südafrikaner heisst Alltag aber auch oft ein Leben an der Armutsgrenze. Trotz geregelter Arbeit.
Blog Sacha Crone Teaser
© zVg

Auf der Africa-Lodge Normalität: Eulen in den Bäumen und Tomaten aus dem Garten.

Normalerweise kristallisiert sich im Verlaufe unserer Woche immer sofort ein Thema für den nächsten Blog heraus. Diese Woche nicht. Alles wie gehabt, könnte man sagen. Volles Haus, schönes Wetter. Und auch das ist der Normalfall: Immer mal wieder was Unerwartetes zu lösen. Doch halt, es regnete nochmals! Fast schon ungewöhnlich oft gab es Niederschlag. Nie sonderlich ergiebig, aber für unseren Garten reichte es.

Ungewöhnlich ist es mittlerweile auch nicht mehr, dass Gärtner nicht zur Arbeit erscheinen, wenn es regnet. Unser schrieb: «Er würde schon kommen, aber...». Das schrieb er uns zehn Minuten, nachdem er eigentlich mit der Arbeit hätte beginnen sollen. Eine Woche zuvor bat er mich noch um einen Vorschuss, weil seine Mutter in der Heimat Hunger leide und er zu wenig Geld habe. Ich liess mich nicht erweichen und erklärte ihm, dass er noch zu wenig lange bei uns sei und ich ihm darum auch keinen Vorschuss leisten könne. «Gibst du ihnen den kleinen Finger...» Barbaras Schlussfolgerung war dann: «Scheinbar hat die Mutter bei Regen auch keinen Hunger.» Sarkastisch ja - aber wir haben uns an die vielen Spielereien der Arbeiternehmer gewöhnt.

Wurzeln in der Leitung

Wie immer wenns grad überhaupt nicht passt, kommt was dazwischen. «Unser Lavabo läuft nicht mehr ab», teilte uns ein Gast am Frühstück mit. «Ob mit der Dusche alles ok sei», fragten wir nach. «Ja, alles bestens.» Natürlich lösen wir solche Probleme sofort. Oder besser gesagt, wir kümmern uns sofort darum. Ich konnte beim besten Willen nirgends eine Lösung finden, das Wasser im Lavabo lief immer noch nicht ab. Auch drei Stunden und viele Versuche und «Umbauten» später, welche alles noch viel schlimmer machten.

In der Verzweiflung überprüfte ich auch noch die Dusche. «Moment mal, die läuft ja ebenfalls nicht ab.» Ich hab also Stunden am falschen Ort gesucht und die Gäste haben die Dusche wohl gar noch nicht benutzt. Zeit also den «Sanitär unseres Vertrauens» zu rufen. Schnell war er da und fand das Problem: Einmal mehr Wurzeln in der Leitung innerhalb des Badezimmers. So schön wie der Garten auch ist, Probleme bereiten die Wurzeln leider immer wieder. Doch dank Johan wird immer alles gelöst.

Tiefe Löhne und hohe Kosten

Johan, ein 65-jähriger selbstständiger Sanitär, ist ein äusserst herzlicher, zuverlässiger und gesprächiger Mensch. Von Anfang an hatten wir ein sehr gutes Verhältnis mit ihm. Wir sahen ihn wohl auch aufgrund der vielen Wasser-Problemen (zu) oft. Leider ist er an Hautkrebs erkrankt. «Er werde arbeiten, so lange es gehe», sagte er uns. Er muss es auch. Rentensystem in Südafrika? Mehr oder weniger Fehlanzeige.

«Wenn man nicht genug lange in ein und derselben Firma gearbeitet hat, ist es wirklich schwierig, nach dem Arbeitsleben in einen geregelten Ruhestand zu wechseln», erklärt er uns. Natürlich, privat liese sich das finanzieren. Doch dazu sind die Löhne zu tief und die Kosten, gerade auch für Kinder und deren Ausbildung, zu hoch. Kann man nach dem 60. Altersjahr eine gewisse Mittellosigkeit nachweisen, erhält man Sozial-Leistungen von umgerechnet 120 Franken pro Monat. Die Armutsgrenze liegt in Südafrika bei 35 Franken...

Jede Medaille hat zwei Seiten

Im Gegensatz dazu schwärmen unsere Gäste immer wieder von der hohen Qualität der Lebensmittel und den preiswerten Dinners in den vornehmen Restaurants. Gerade mit der Währungsschwäche ist für Europäer alles sehr günstig. Doch eben, wenn man dann Geschichten des «kleinen, südafrikanischen, weissen Mannes» hört, merkt man, dass natürlich auch das Lohn-Niveau entsprechend tief ist.

Knapp 20'000 Rand würde Johan im Angestellten-Verhältnis verdienen. Die Miete eines normalen Einfamilienhauses, wie man es in der Schweiz kennt, beläuft sich ungefähr auf 10'000 bis 15'000 Rand. Eine durchschnittliche Ausbildung für ein Kind kostet dann nochmals schnell 2000 bis 3000 Rand. Viel bleibt da nicht mehr übrig, geschweige denn, lässt sich etwas fürs Alter auf die Seite legen. So wird dann das für Touristen noch so günstige Abendessen für Einheimische schnell unerschwinglich. Jede Medaille hat zwei Seiten.

Man liest sich!

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