Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Schon wieder Ärger mit dem Gärtner

Die Suche nach einem Gärtner entwickelt sich für Sacha von der Crone zur unendlichen Geschichte. Der neue ist nun doch nicht gekommen und jetzt müssen der Auswanderer und seine Freundin wieder selbst anpacken.
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© ZVG.

Das Leben in Südafrika unterscheidet sich in vielen Belangen von jenem in der Schweiz.

«Der neue Gärtner ist erschienen. Er kam sogar zu früh...» So begann mein Blog letzte Woche. Zu früh gefreut! Wir sahen ihn nämlich am vereinbarten Montag nicht. Da er selber kein Telefon hat, rief uns sein angeblicher Bruder am Sonntag an. Er könne am Montag nicht kommen, er hat Kopfschmerzen. Klingt nach einem Witz, ist es aber nicht. So wurden Barbara und ich am Montag mal wieder zu Gärtner und jäteten und rechten Laub.

Am Dienstag stand der Gärtner plötzlich vor dem Tor. Ich schickte ihn gleich wieder nach Hause. Montag und Donnerstag sind seine Arbeitstage. Am Donnerstag erschien er dann... nicht. So suchen wir also wieder einen Gärtner. Nach der südafrikanischen Maid, die nie erschien, und dieser Geschichte mit dem Gärtner haben wir nun tatsächlich die Bestätigung, dass schwarze Südafrikaner nicht wirklich die geborenen Arbeiter sind. Ein Vorurteil, welches wir nicht wahrhaben wollten, ist leider bestätigt. Schlimm, alle jammern über zu wenig Geld oder zu wenig Arbeit. Gibt man ihnen welche, nehmen sie sie nicht an oder eben zu wenig ernst. Schade.

Da leider auch die Wasserrestriktionen, welche bereits seit unserer Ankunft in Südafrika gelten, zu wenig fruchteten, wird nun schon bereits zu Beginn des Sommers eine neue Stufe ausgerufen. Level 3 - mit dem Ziel 30 Prozent Wasser zu sparen. Die Dämme sind einfach zu leer. Hätte Level 1 mit dem Ziel, 10 Prozent Wasser zu sparen, oder Level 2 mit 20 Prozent funktioniert, hätte man Level 3 nicht ausrufen müssen. Anders gesagt, wie sollen 30 Prozent gespart werden, wenn es mit 10 nicht mal klappt? 

Wasser wird nun vor allem viel teurer. Ein kleiner Haushalt bekommt sein Wasser auch in Zukunft mehr oder weniger kostenlos oder muss nur ein paar wenige Rand bezahlen. Viel-Verbraucher werden degressiv stärker zur Kasse gebeten. Das macht eigentlich Sinn. Kinderplanschbecken oder «mobile Pools» dürfen gar nicht mehr benutzt werden, Swimmingpools nur noch aufgefüllt werden, wenn sie über eine Abdeck-Plane verfügen und automatische Garten-Bewässerungssysteme sind verboten. Wird das Bewässerungssystem manuell eingeschaltet, verbraucht es dann weniger Wasser? Ist die Abdeck-Plane nie über den Pool gespannt, weil immer jemand badet? Hilft sie dann beim Wassersparen? Und wer kontrolliert das überhaupt? Das finde ich, macht weniger Sinn. Wenn ich dann noch auf der Website der Wasserwerke die Tipps fürs Wassersparen nachlese, dann macht vieles noch weniger Sinn: «Wasserhähne, welche tropfen, solle man reparieren», «Gartenschläuche nicht ohne Verschluss benutzen», «Öko-Duschköpfe verwenden» und so weiter. Handhaben wir alles so in der Schweiz, oder? Südafrika als trockenes Land, muss das erst lernen. Oder ist es bereits zu spät dafür?

Ein wichtiger Hinweis auf der entsprechenden Website ist auch: «Melden Sie Leitungsbrüche umgehend.» Fast täglich sehen wir Bauarbeiten wegen Wasserleitungsbrüchen. Viele tausende und abertausende von Litern kostbaren Wassers fliessen so täglich auf die Strasse. Seit Jahrzehnten wurde einfach zu wenig ins marode Leitungssystem investiert. Man spricht von bis zu 40 Prozent Wasser, das auf dem Weg zum Verbrauer verloren geht. Es wird nun wirklich langsam eng. Wir werden mit einem Info-Blatt unsere Gäste auf die Wassersituation in Südafrika hinweisen. Erfahrungswerte über den Verbrauch haben wir aus dem letzten Jahr, so sind wir gespannt, ob wir Wasser sparen können. Ich bin aber schon ziemlich sicher, wir Europäer haben einen grösseren Sinn fürs kostbare Wasser als die Südafrikaner und werden ohne Komfort-Verzicht zusammen mit unseren hauptsächlich europäischen Gästen Wasser sparen können. Schliesslich war es ja ein südafrikanischer Gast, welcher im Alleingang unseren 180 Liter-Boiler bei einer Morgendusche leerte, nicht ohne sich noch zu beklagen, dass er kein Warmwasser mehr hatte. 

Genug geklagt.

Wir geniessen den Beginn des Sommers mit strahlendem Sonnenschein und entsprechenden Temperaturen sehr. Natürlich auch zusammen mit der Familie des Bruders von Barbara. So führte uns ein Ausflug in ein Weingut, das wir noch nicht kannten und mit einer strengen Bio-Diversität Aufmerksamkeit erregt. Pferde statt Traktoren, clevere Bauweise statt energiefressende Pumpen und Hühner, die das Nobel-Restaurant mit Eiern beliefern und gleichzeitig Dünger für die Reben produzieren. Es war spannend und insofern tröstlich - hie und da legt am Kap doch jemand ein Naturverständnis an den Tag. Das Weingut allerdings gehört einem Europäer.

Man liest sich!

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