Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Endlich ist der Regen da

Die Erlösung kommt vom Himmel: In Südafrika regnet es! Auswanderer Sacha von der Crone freuts. Sein Hund hingegen weniger.
Südafrika Reisen Karten Auswandern Sacha von der Crone aus Winterthur
© ZVG

Die Africa-Lodge aus der Luft: Ein Gast beschert Blogger von der Crone einen neuen Blickwinkel.

Endlich war er einmal da, der Regen! Zwei halbe Tage lang regnete es ausgiebig. Unsere Freude war gross, die von unseren Gästen und von Fynn nicht. Natürlich verstanden unsere Gäste, wie wichtig diese Niederschläge waren, schliesslich beobachteten die meisten auf ihrer Rundreise in Südafrika die Trockenheit und einige erlebten sogar die Feuer. Trotzdem, wer hat schon gerne Regen in den Ferien?

Hund Fynn fand es auch überhaupt nicht lustig. Wenn er schwimmen kann, ist er eigentlich eine Wasserratte, doch wehe das Nass kommt vom Himmel. Keine Pfote setzt er freiwillig vor die Türe, wenn es regnet. Zu seinem Glück machte der Himmel bereits nach einigen Stunden wieder auf. Unserem Garten tat der Regen sichtlich gut. Ich bilde mir ein, es sei nun grüner als vorher. Sicher ist nun auch die letzte Asche von den Blättern der Bäume und Dächern der Häuser verschwunden, und die Feuerwehrleute feierten.

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Hund Fynn hat keine Freude am Regen.

Für zwei, drei Tage und hoffentlich noch mehr ist nun wieder ein bisschen Ruhe eingekehrt in die vielen, vielen Brandherde. Doch wie schon die Regierung von Kapstadt in Erinnerung rief, wir sind erst in der Hälfte der «Feuer-Saison». Im Übrigen wird nun aktiv nach Brandstiftern gesucht. Es ist erwiesen, dass einige Brände absichtlich gelegt wurden. Durch das Aussetzen einer Belohnung sucht man nun die Schuldigen. Einige Facebook-Communitys rufen sogar zur Spende auf, um die Belohnung zu erhöhen. Mitwisser sollen der Verlockung des Geldes nicht widerstehen können und die Schuldigen verpfeifen. Offiziell liegt die Belohnung bei gut 1000 Schweizer Franken. Viel Geld für manche hier in Südafrika.

Die Communitys hier in Somerset West sind extrem verbreitet. Vor allem auf Facebook gibts ja - wie oft erwähnt - für alle Bedürfnisse eine eigene Gruppe. Eine Gruppe, der auch wir angehören, ist die Nachbarschafts-Hilfe für unsere Gegend. Eigentlich richtig sinnvoll, weil hier direkt aus nächster Nähe allerlei Informationen zu erhalten sind. Meistens leider über Unglücksfälle oder gar Verbrechen. Oft eine Warnung für uns, halt doch ein wenig Achtsamer zu sein, als wir es wohl sind.

Aber oft machen mich Nachrichten in diesem geschlossenen WhatsApp-Chat auch nachdenklich. «Weisser VW-Polo mit Schwarzem am Steuer, steht seit Minuten an der Adresse XY», hiess eine Nachricht. Minuten später die Folge-Nachricht: «Hab ihn überprüft, Uber-Fahrer, wartet auf Fahrgast.» Barbara und ich fragen uns, wenn ein Weisser im Auto an der Strasse steht, ist dies dann auch ein Grund für eine «Alarm-Nachricht»? Zwei Tage später wieder im gleichen Chat: «Sah einen Schwarzen, ohne T-Shirt, mit Laptop-Tasche, rennt der Strasse entlang. Kann ihn jemand überprüfen?» Minuten später: «Alles OK, in der Tasche hatte er ein Brot und eine Cola, rennt auf den Mini-Bus.» (Anmerkung: Mini-Bus sind die Taxis, welche die Arbeiter zurück in die Townships fahren). Solche Nachrichten erschrecken uns. Ich würde mich echt schämen, einem Auto an die Scheibe zu klopfen und zu fragen: «He du, was machst du da?» Oder jemanden auf der Strasse anzuhalten, um ihm mal in die Tasche zu sehen. Vielleicht bin ich zu naiv oder fühle mich zu sicher. Und andererseits wissen wir auch, dass wohl noch nie ein Weisser das Haus von einem Weissen leergeräumt hat oder gar auf ihn losging. 

Sonntagmittag, so um elf. Ich bin mit Fynn am Spazieren, abgelegen in den Weinbergen. Fynn findet alles interessanter als mich und läuft für einmal hinter mir. Ich gehe an einer Gruppe Schwarzen vorbei, die am Wegrand hocken. Wohl zwei Väter mit ihren Söhnen, die so 16 Jahre alt sind. Entsetzt sehe ich, dass eine Flasche Rum herumgereicht wird. Und das um diese Uhrzeit. Fynn ist für die Gruppe noch nicht sichtbar und ich werde sofort verbal angepöbelt. Nun ist Fynn da und plötzlich grüsst man mich freundlich und wünscht mir einen schönen Sonntag. Es kommt mir ein alter Mann auf seinem klapprigen Motorrad entgegen, und ich warne ihn vor der Gruppe. «Keine Sorge», sagt er, hebt sein Shirt hoch und ich sehe seine leger in die Jeans gestopfte Waffe. Vorurteile sind also doch da, um bestätigt zu werden.

Wir freuen uns übrigens sehr, dass wir und auch unsere Gäste, gegenüber der Vorjahresperiode fast einen Drittel Wasser sparen. Dasselbe gilt auch für den Strom. Schön, dass wir umweltbewusst unterwegs sind, mit der Unterstützung unserer Gäste. Die Zeiten könnten ja noch härter werden.

Man liest sich!

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