Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

«Immerhin haben wir noch etwas zum Putzen»

Wegen der verheerenden Waldbrände in Südafrika muss Auswanderer Sacha von der Crone mehrmals täglich zum Putzlumpen greifen. Doch er will nicht jammern: Immerhin haben er und seine Freundin noch ein Dach über dem Kopf.
Reisen Südafrika Blog Sacha von der Crone Auswanderer
© ZVG.

Die Schäden des Feuers sind gut sichtbar.

Auch in dieser Woche gabs keinen Regen, dafür arbeitete der Gärtner immer pünktlich und zuverlässig. Das Feuer blieb leider auch das grosse Thema, verbunden mit der Dürre schon fast eine logische Folge. Die Brände waren für einige Zeit unter Kontrolle und man liess sie gewähren, da es die Berge hoch brannte. Doch leider drehte der Wind und entfachte neue Feuer. Die Auswirkungen bei uns waren wie immer: Ascheregen und Rauchgeschmack. So schlimm wie noch nie. Die aufgedeckten Frühstückstische mussten zusätzlich mit einer Tischdecke überdeckt werden, damit nicht alles gleich wieder schwarz war. Putzen bis in die hinterste Ecke, und das mehrmals täglich, war angesagt. «Immerhin haben wir noch etwas zu putzen», war jeweils mein Kommentar zu den Gästen, die Mitleid mit uns hatten. Schliesslich haben nun noch mehr Menschen ihr Hab und Gut verloren. Zudem brannte es in weiteren Teilen unserer Bucht. Evakuationen und Strassensperrungen auf dem Weg ans Kap der guten Hoffnung waren die Auswirkung. Ausgerechnet an dem Tag, als viele unserer Gäste von ihrem geplanten Ausflug ans Kap sprachen.

So sind wir jeweils nicht nur aus eigenem Interesse über unsere Region auf dem Laufenden, sondern natürlich auch für unsere Gäste. Besorgte Touristen aus Deutschland und England, welche in den nächsten Wochen bei uns übernachten werden, riefen uns an und wollten wissen, wie es uns geht und wie schlimm die Region betroffen ist. Wir konnten sie beruhigen, schliesslich sind die touristischen Auswirkungen verhältnismässig klein, auch wenn die Brände verheerende Zerstörungen hinterliessen. Man liest von einem Schaden von 60 Millionen Rand (ca. 4.5 Millionen Franken).

Düstere Aussichten

Dass der Regen im Sommer bei uns ausbleibt, ist ja normal. Die leeren Dämme, welche mittlerweile bereits das Niveau von Ende April erreicht haben, werden normalerweise von Mai bis Oktober durch Regen gefüllt. Das eigentliche Problem entstand also schon vor Monaten bzw. Jahren. Nur jetzt ist es wirklich besonders besorgniserregend. Düstere Aussichten also für die nächsten Monate.

So, genug gejammert. Trotz allem geht es uns ja richtig gut hier unten. Touristisch ist die Situation perfekt und auch die Aussichten stimmen uns glücklich. So stellten wir fest, dass die Edelweiss-Charter-Gesellschaft, die jeweils meine Mutter entspannt nach Südafrika bringt, in nächsten Saison einmal mehr pro Woche nach Kapstadt fliegen wird. Insgesamt also dreimal.

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Asche auch auf unserem Auto.

«So viele Deutsche in Südafrika wie noch nie» titelte eine Zeitung in Deutschland. In der Tat spüren wir in Gesprächen die vielen Vorteile von Südafrika im Gegensatz zu anderen typischen Destinationen in der kalten Jahreszeit in Europa. Keine Zeitverschiebung, ein Klima, das man von Europa her kennt und dann noch der günstige Wechselkurs gepaart mit den sonst schon tiefen Kosten hier in Südafrika. Bereits sind auch schon wieder viele Buchungen für die nächste Saison eingetrudelt. 

Reben nicht gleich Reben 

Jeden Tag unternehme ich mit Hund Fynn einen Ausflug in die Weinreben, gleich hier bei uns ums Eck. Fynn geniesst dort vor allem das Baden oder Planschen im mittlerweile fast komplett leeren Stausee. Das vorherige Laufen durch die Weinstöcke lässt er mehr oder weniger über sich ergehen. Er freut sich einfach auf das Spielen im und am Wasser. Ich versuche jeweils zu erkennen, woran gerade wann an welchen Rebstöcken gearbeitet wird. Augenfällig ist aber vor allem eines: Diese Reben sind von Traubenproduzenten und nicht von Weinbauern. Sie verkaufen diese Trauben an Weinproduzenten weiter. Deshalb produzieren sie vor allem Masse und keine Klasse. Keine Liebe ist spürbar, die Sauberkeit lässt sehr zu wünschen übrig und kein Ausdünnen findet statt. Sauberkeit übrigens ist auch ein Grund für die vielen Brände. Trockene, abgestorbene Bäume oder Gräser werden einfach stehen und liegen gelassen und sind so perfekte Brandbeschleuniger. Vieles - oder doch alles - ist halt doch menschgemacht.

Man liest sich!

Im Dossier: Alle Beiträge von Auswanderer Sacha von der Crone