Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Neue Wasser-Restriktionen und vergessliche Gäste

Der Regen blieb in Südafrika wieder einmal aus, und Sacha von der Crone nervt sich über die Regierung. Auch mit einigen unfairen Gästen hatte der Auswanderer die vergangenen Tage zu tun.
Sacha von der Crone Auswanderer Handball Winterthur
© ZVG

Braai-o-clock in der Africa-Lodge. Dazu Sonne, Palmen, Ski-WM.

Das neue Handy ist eingetroffen keine 23 Stunden, nachdem ich es im Internet bestellt habe. Per Kurier direkt nach Hause geliefert - das nenn ich Service. Ich habe mich entschieden, es selber einzurichten, obwohl es mein erstes Handy mit diesem Betriebssystem ist. In den Shop muss ich nun trotzdem, denn ich bekomm einfach nicht alles so hin wie gewünscht.

Der Regen blieb wieder aus und es wurden neue Restriktionen «erfunden». Es gibt normalerweise Wasserrestrektionen 1 bis 4. Wir waren bis vor Kurzem bei 3. Nun gibt es neu eine Nummer 3B. Unter anderem ist das Wässern des Gartens nur noch an zwei Tagen erlaubt. Auch wir und alle anderen Nutzer von Bohrlöchern oder Brunnen sollen sich daran halten, müssen aber nicht. Der Grundwasserspiegel ist um etwa zwölf Meter gesunken, es werden also nicht nur die Dämme leerer und leerer. Und für die nächsten zehn Tage ist wieder kein Regen in Sicht. 

Fast gleichzeitig mit der Erhöhung der Restriktionen wurde aber aus Regierungskreisen mitgeteilt, dass all die «Schauermärchen» von trockenen Wasserhähnen in allen Haushalten in unserer Region nicht wahr seien. Und es reiche schon noch bis zur Regenzeit im Winter. Eine äusserst unglückliche Kommunikation. So wird das Sparen bestimmt nicht gefördert. Und dazu kommt noch: Was, wenn der Regen wie in den letzten zwei, drei Jahren auch in diesem Winter spärlich bleibt? Was gedenkt die Regierung in Zukunft zu tun? Prognosen sprechen davon, dass in den nächsten 15 Jahren die Region mit zwei Millionen Menschen mehr bevölkert wird. Man investierte schon in den letzten drei Jahrzehnten nicht in die Wasserspeicherung und Wasserversorgung. Wohin wird das führen? Neu wird man übrigens mit der Regulation Nummer 3B auch aufgefordert, Wasserverschwender direkt beim Amt zu verpfeifen. Die schicken dann auch gleich die Polizei vorbei.

Gäste, die den Abreise-Tag vergessen

Frühstück bestellten sie auf 7.30 Uhr - eine halbe Stunde früher als normal. Sie wollten Golfspielen gehen. Als wir sie dann am «Zmorge-Tisch» auf die bevorstehende Abreise ansprachen, brach plötzlich Panik aus. Sie werden so gegen 14.30 Uhr wieder hier sein und dann auschecken, sagten sie. Natürlich mussten wir ihnen das ausreden, schliesslich waren schon neue Gäste gebucht und man kann nicht einfach so lange bleiben, wie man gerade möchte. Sie brachen überstürzt vom Frühstückstisch auf und gingen packen. Dann kamen sie zurück und sagten, es sei alles in den Koffern verstaut und sie kämen das um halb drei abholen. «Nein, Zimmer räumen. Es werden neue Gäste ankommen.»

Die Laune der zwei verschlechterte sich im gleichen Tempo wie unsere. Tatsächlich wollten die beiden Gäste, drei Koffer, zwei Taschen und unzählige Weinschachteln im Zimmer deponieren. Hektisch und mit Murren packten sie alles in ihr Auto. Die Zeit fürs Golfspiel kam schliesslich immer näher und so verliessen sie unfreundlich unser Grundstück. Entsprechend ihrer Abreise-Laune war dann auch ihre Bewertung und der Kommentar auf der weltweit grössten Booking-Plattform. Unfair, wirklich unfair. Wir büssen nun so für jedermann sichtbar für ihren eigenen Fehler und sie selber haben wohl auch die «unvergesslich schönen Tage bei uns», wie sie selber einmal sagten, vergessen.

Noch unfairer empfinden wir aber die Plattform selber. Gäste können ohne Kontrolle und voller Emotionen Bewertungen abgeben. Unser sachlicher Kommentar zu dieser Bewertung lag volle 72 Stunden im Postfach der Kontrollstelle des Portals. Wenn sich also gerade in der Schweiz sogar die Politik mit diesem Buchungs-Portal auseinandersetzt, sei eines bestätigt: Die Plattform ist unglaublich gut, aber bestimmt nicht «auf der Seite» der Hoteliers.

Den Besuch des Rugby-Spiels habe ich zudem «verschlafen», Montagabend war vorbei, als ich das nächste Mal daran dachte. Irgendwie werden wir wohl immer mehr zu Südafrikanern und leben nach dem, was der Tag gerade so bringt. Ganz schweizerisch haben wir aber wieder an einem Urnengang teilgenommen. Das ging auch nur, weil wir Schweizer-Gäste hatten, welche die Stimm-Couverts mit in die Schweiz nahmen. Per Post würde es zeitlich nie und nimmer reichen. Südafrika und die Schweiz verschmilzt immer mehr bei uns - so gab es Braai bei 30 Grad und den Schweizer-Abfahrts-WM Triumph zur gleichen Zeit.

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