Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Ist das unser gelebter Traum?

Auswanderer Sacha von der Crone stellt sich die Sinnfrage: War es richtig, nach Südafrika auszuwandern? Zur unendlichen Geschichte entpuppt sich die Suche nach einem neuen Gärtner, der noch immer nicht gefunden ist. 

Ich jäte gerade den Parkplatz. Ein Gast ist auf dem Weg zu seinem Auto und dann unterwegs auf einen Golfplatz. Mit ironischem Unterton sagt er zu mir: «Das ist nun also Ihr gelebter Traum.» Meine Gedanken kreisen um die entschiedenen Wahlen in den USA und ich nütze jeweils auch diese «meditative» Arbeit, wie ich sie immer nenne, um den Blog vorzubereiten. Ist das mein beziehungsweise unser gelebter Traum? Jäten und laub rechen als Auswanderer in Südafrika? Es gibt bestimmt spannendere und herausfordernde Arbeiten auch hier in der Kapregion. Aber: Die Sonne scheint mir ins Gesicht, wir können mehr oder weniger tun und lassen, was wir wollen. Da tagsüber die Gäste meistens auf Achse sind, springen wir zur Abkühlung in den Pool oder lesen im Liegestuhl als Pausenbeschäftigung. Echte Alltagssorgen plagen uns keine, Pendenzenberge müssen auch nicht abgetragen werden und wenn wir mal wollen, gehen wir Golf spielen oder ausgedehnt mit Fynn spazieren. «Ist das ihr gelebter Traum?» Ja, danke der Nachfrage.

Man merkt, einen neuen Gärtner haben wir noch nicht gefunden. Wir haben die Suche ein wenig schleifen lassen. Doch wir sollten uns dahinter klemmen, die Saison beginnt bald so richtig und die Zeit und vor allem die Motivation fürs tägliche Rechen und Jäten wird nicht grösser. Ein bisschen südafrikanisch leben wir also schon, es kann ja auch morgen noch ein Gärtner gesucht werden. Doch wenn ein Notfall ansteht, dann hätten wir das immer noch gerne jetzt erledigt. Eine unserer traumhaften Palmen am Pool - sie ist bestimmt über 50 Jahre alt - hat ein riesen Loch in der Rinde. «Ist sie so überhaupt noch stabil», fragen wir uns? - Es gibt einen Palmen-Doktor in Somerset West, sogar ein Deutscher. Komisch, aber wahr, mein Vertrauen ist sofort gestiegen. Doch scheinbar lebt dieser Deutsche schon zu lange in Südafrika. Auch nach vier Tagen ist er immer noch nicht erschienen. Das nervt. Da momentan der Cape-Doctor äusserst stark weht, wissen wir wenigstens, dass die Palme noch hält. Der Cape-Doctor ist ein starker Südost-Wind, der im November am aktivsten ist. Er befreit Kapstadt von Smog und Schmutz und bringt Regen im Landesinneren. Trotzdem hätten wir gerne gewusst, was mit unserer Palme los ist. Wir suchen nun einen anderen Fachmann. Gleich morgen. 

Beauty, unser Haupt-Zimmermädchen musste ja zu ihrer kranken Mutter reisen. Ob die Mutter wirklich krank ist, wissen wir gar nicht. Wir wissen aber, dass sie mit Kind, Mann und Sack und Pack zurück in ihre Heimat gereist ist - Rückkehr ausgeschlossen. Schade hat sie uns dies nicht gesagt, sondern ist einfach abgehauen. So konnten wir uns, und auch Fynn, der sie jeden Morgen mit Freude erwartete, von ihr gar nicht verabschieden. Es ist halt so: Haben Gastarbeiter genügend Geld auf der Seite, gehen sie zurück in die Heimat. Schade um sie bei uns in der Africa-Lodge. Schade für sie, verliert sie nun den Anteil an den Trinkgeldern. Aber kündigen auf ein bestimmtes Datum, ist hier nicht gang und gäbe. Wir haben dadurch zum Glück kein weiteres Mitarbeiter-Problem und sind trotzdem gut aufgestellt für die Saison. 

Regen bleibt aus, kein Niederschlag in Sicht. So bleibt der akute Wassermangel ein Thema. Ich bin manchmal nicht sicher, wie wirklich ernst die Südafrikaner die Lage nehmen. Einige posten auf Facebook, wie sie Regenwasser direkt zur Bewässerung in den Garten leiten. Gute Idee, funktioniert aber auch nur bei Regen. Andere wiederum fragen nach, was denn die Restriktionen genau beinhalten, worauf zu achten sei und ab wann sie gelten. Es gibt also beide Varianten von Südafrikanern. Dann ist Präsident Zuma auch nach einem weiteren Misstrauensantrag immer noch im Amt, trotz schwerwiegender Korruptionsvorwürfe. Die Zweidrittelsmehrheit im Parlament rettete ihn ein weiteres Mal. Also: Status quo in Südafrika und in der Africa-Lodge.

Man liest sich!

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