Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

«Man soll das Leben leben»

Wie geht es mit Südafrika politisch weiter? In welche Richtung entwickelt sich Europa? Fragen, die sie sich Südafrika-Auswanderer Sacha von der Crone in seinem neuesten Blog stellt. 

Es regnet nun doch ziemlich häufig, einmal 24 Stunden ohne Unterbruch. Leichte Überschwemmungen im Garten und vor allem ein randvoller Pool sind die Folge. Selbst Fynn will bei diesem Hundswetter nicht wirklich nach draussen. Beim Spazierengehen sucht er Schutz unter Barbaras Schirm und sein Geschäft verrichtet er nur widerwillig und äusserst schnell. Ein richtiger Schönwetter-Hund. Kaum schaut die Sonne wieder hervor, sonnt er sich in unserem Garten. Trotzdem: Der Regen ist immer noch bitternötig und ich bin nicht sicher, ob es wirklich schon genug geregnet hat. Nun wird es wieder schön und sonnig - der Karneval an diesem Wochenende in Stellenbosch deutet an, dass sich der Winter und damit die regenreiche Zeit dem Ende zu neigen.

Auch wenn bei uns, obwohl der erste Gast der neuen Saison bei uns war, nicht viel läuft, ist in Südafrika einiges los. Der Goldkurs klettert nach oben und es bricht im Moment eine Art neue Goldgräber-Stimmung aus. Der Wirtschaft tut jede noch so kleine positive Nachricht gut. Negative gab es zuletzt ja genügend. Die Arbeitslosigkeit klettert weiter nach oben und nun ist schon deutlich mehr als jeder Vierte hier ohne Arbeit. Das bringt politische Unruhen mit sich und neue Brisanz in die Woche der Wahlen. Die regierende ANC-Partei wird wohl in vielen Regionen ihre absolute Mehrheit verlieren und Koalitionen eingehen müssen, von einst über 65 Prozent Wähleranteil ist nicht mehr viel zu sehen. Der Unmut in allen Schichten der Bevölkerung wird grösser und grösser. Brennende Staatseinrichtungen, Autos und Häuser sind die Folge. Und mehr oder weniger alles nur wegen eines Mannes an der Spitze des Landes. Der Präsident kämpft ums politische Überleben. Hinzu kommt, dass das Verfassungsgericht nun entschieden hat, dass der Präsident innert 45 Tagen weit über eine halbe Million Franken für den Umbau seiner Villa auf Staatskosten zurück bezahlen muss. Mal schauen ob er es auch tut.

Der Wahltag ist übrigens ein freier Tag, damit alle auch zu den Urnen gehen können. Frei hat aber nur, wer auch wählen kann. Spannend ist, dass dies nicht mal alle Südafrikaner selber wissen. So wird auf Facebook gefragt, ob denn Schule sei, da die Schüler ja nicht wählen können. Die Antwort folgt postwendend: Es ist frei, die Lehrer müssen an die Urne.

Da jetzt gerade noch im Benzin-Business gestreikt wird, sorgen sich andere, am Wahltag noch genügend Benzin zu haben, um ins Wahllokal fahren zu können. Denn derzeit muss man bis zu 20 Minuten warten, um eine Tankfüllung zu bekommen. Manchmal sind die Sorgen schon komischer Natur...

Zu meinen morgendlichen Ritualen gehört es - nebst dem obligaten Kaffee -, auch die lokale Tageszeitung von Winterthur online zu lesen. So passiert es leider auch, dass ich in den Todesanzeigen vom Tod eines ehemaligen Arbeitskollegen erfahre. Viel zu früh, viel zu jung ist er gestorben, der Krebs hat ihn besiegt. Solche Nachrichten gehen einem natürlich nahe. Genau so die furchtbaren Anschläge und Amokläufe in Europa. All diese Bad-News häuften sich in den letzten Tagen und werfen Fragen über das Leben auf. «Sind wir ausgewandert oder haben wir uns in Sicherheit gebracht», fragte Barbara, als die negativen Nachrichten nicht mehr aufhören wollten. Man könnte es fast meinen. Oft wurden und werden wir von Bekannten und auch Gästen für unseren Mut bewundert. Doch wir fühlen uns gar nicht sonderlich mutig, sondern einfach entschlossen. Man merkt aber oft, wie bei der Bewunderung auch ein wenig Neid mitschwingt oder mindestens die Erkenntnis, selber den Mut nicht aufzubringen. Doch all diese negativen Nachrichten zeigen doch vor allem eines: «Man soll das Leben leben, um nicht irgendwann einer verpassten Möglichkeit nachtrauern zu müssen.»

Man liest sich!

Im Dossier: Alle Beiträge von Auswanderer Sacha von der Crone