Blog Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Neues Leben am Kap - voller guter Hoffnung

Ein Schweizer wandert aus. Und sucht sein Glück in Südafrika.

Der erste Wintertag - bevor es wieder Sommer wird

Die Temperaturen erreichen keine 20 Grad mehr, in Südafrika bedeutet das: Winter, wenn auch nur kurz. In der Africa-Lodge von Auswanderer Sacha von der Crone ists entsprechend ruhig, bald aber kommen wieder Gäste aus der Schweiz.
Südafrika-Blog Fondue
© Sacha von der Crone

Winterabende in Südafrika unterscheiden sich kaum zur Schweiz. Raclette gehört dazu.

Mitte der Woche wurde es zum ersten mal in diesem Jahr «Winter». Die Temperaturen erreichten keine 20 Grad mehr, in der Nacht und am frühen Morgen regnete es sogar. Acht Millimeter wurden gemessen. Natürlich immer noch nichts, um die drohende Wasserknappheit oder gar das Ende der Wasserversorgung zu verhindern. Kühle Aussen-Temperaturen führen automatisch auch zu kühlen Temperaturen innerhalb des Hauses. Die Holztüren schliessen schlagartig schlechter, und unsere beiden Hunde sind nur noch auf dem Sofa zu finden. Ziva erlebte den ersten richtigen Regen und entpuppte sich sogleich als richtiger Ridgeback. «Was kommt da vom Himmel? Ich bleib sicherheitshalber gleich im Haus», versuchte sie uns mit unschuldigen Augen zu verstehen geben.

Im Winter stehen für uns auch immer kleine Reparatur-Arbeiten im Haus an. Risse, Risse und nochmals Risse müssen im Mauerwerk zugespachtelt und übermalt werden. Es ist schon erstaunlich, das ursprüngliche Haus besteht seit mehr als sechs Jahrzehnten, der Anbau und der Ausbau zu den Gästezimmern erst seit gut einem Jahrzehnt - und ausgerechnet hier reisst immer mal wieder ein Stück Verputz oder eine Fuge im Plattenboden auf. Wobei das Wort Verputz komplett falsch ist: Es wird einfach eine spezielle Wandfarbe aufgetragen, die sehr dickflüssig ist und den Eindruck eines Verputzes versucht zu erwecken, mehr ist es nicht.

So beschäftigten wir uns einen Tag drinnen und feuerten den Cheminée-Ofen für einen winterlichen Raclette-Abend ein. Die restliche Woche war es aber wieder warm genug, und wir hielten uns wie fast immer draussen auf, arbeiteten im Garten oder liessen die Seele baumeln und verbrachten unterhaltsame Stunden mit den Hunden.

Damit ist es nun aber wieder vorbei. Weitere Gäste, Freunde aus der Schweiz, werden wieder Leben in die Arica-Lodge bringen. Für ganze zwei Wochen sind wir also nochmals zurück im Business, bevor dann die Winterpause richtig beginnt und die Lodge für zwei Monate schliesst. Wetterglück werden unsere Gäste haben, es wird nochmals richtig sommerlich. Und das Mitte-Mai - umgerechnet ist bei uns jetzt November.

Der Regen bleibt also wiederum aus, und die Lage wird nochmals bedrohlicher. Die Stadt-Regierung von Cape Town prüft die Einführung von noch strengeren Wasserrestriktionen. So wäre es dann ab Juni ganz verboten, Wasser ausserhalb des Hauses, in welcher Weise auch immer, zu verwenden. Wasser gibts dann nur noch für das «Lebenswichtigste». Wir fragen uns, ob eine solche strenge Regulierung nicht schon viel früher hätte eingeführt werden müssen. Die Dämme sind nun wirklich leer und die füllen sich nicht mehr einfach so mit einem normal-regenreichen Winter. Wasser sparen - und zwar richtig und mit letzter Konsequenz - wird uns wohl noch für lange, lange Zeit hier am Kap begleiten. Und wenn man die vielen Damm-Statistiken liest, merkt man auch, dass eine Abnahme der Füllstände bereits seit 2013 absehbar war.

Barbara musste diese Woche noch zur Kontrolle zum Frauenarzt. Das erste Mal hier in Südafrika. Natürlich ist ein solcher erster Arzt-Besuch ungewohnt und entsprechend angespannt geht man hin. Irgendwie ist halt immer das Gefühl dabei, dass wir nicht mehr «zu Hause sind» und alles kennen. Obwohl wir ja in Südafrika, mindestens bei privaten Spitälern oder Arzt-Praxen, medizinisch auf sehr hohem Niveau versorgt sind. So verlief dann auch alles entsprechend normal und doch gewohnt. Ungewöhnlich ist einzig der Kontroll-Besuch-Rhythmus. Ist in der Schweiz eine Kontrolle jährlich erforderlich, reichen hier alle zwei Jahre. Und etwas war dann doch komisch: Sie bekam eine Rechnung über gut 120 Franken vorgesetzt, um diese der Krankenkasse zu schicken, bezahlen musste sie dann aber, handschriftlich korrigiert, nur umgerechnet hundert Franken. Andere Länder, andere Sitten...

Man liest sich!

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