Ohnmacht

Warum wir alle bewusster leben sollten.

Sind Sie glücklich mit und in Ihrem Leben?

Sind Sie jemand, der alles hinterfrägt, der gerne weiterkommt?

Sind Sie jemand, der alles hat und trotzdem nach mehr strebt?

Oder soll ich anders fragen: Warum sind wir manchmal so unzufrieden?

 

Gestern Abend Dankesessen des Kispiball-Komitees im Rive Gauche Zürich. Eingeladen sind Sponsoren, Organisatoren und Helfer des Charity-Balls, der jedes Jahr rund eine halbe Million Franken Spenden generiert.

 

Eine halbe Million, die dorthin fliesst, wo die Zukunft liegt. Die Zukunft in Person unserer Kinder.

 

Es ist unglaublich, was das Kinderspital tagtäglich leistet. Voller Demut lauscht man den Alltags-Erzählungen des ärztlichen Direktoren, Prof. Dr. Felix Sennhauser.

 

Über Fortschritte der Medizin und der Technik, aber vor allem über Einzelschicksale, die ans Herz gehen.

 

Über eine dieser Schicksalsgeschichten werde ich nächsten Samstag mehr erfahren. Dann moderiere ich ebenfalls im Hotel Baur au Lac die Benefiz-Gala des Vereins "Kinder für Kinder", dessen Erlös in die Krebsforschung und in die Abteilung für brandverletzte Kinder des Kinderpitals Zürich fliesst.

 

Eine Mutter, die ihr Kind verloren hat, wird erzählen. Ein Hirntumor wurde diagnostiziert, das kleine Mädchen starb ein halbes Jahr später Zuhause.

 

Und während ich mich darauf vorbereite und jetzt diese Zeilen in die Tastatur tippe, habe ich Mühe, mich zu konzentrieren.

 

Ich denke: Wie schnell kann es doch gehen! Wie dumm und manchmal auch ignorant sind wir doch alle, dass wir das Leben nicht mehr geniessen, die Augenblicke, die wir mit unseren Lieben verbringen nicht sorgfältiger durchleben.

 

Diese Gedanken, die mir durch den Kopf schiessen, werden unterstützt durch Cassandra Steen, die singt:


Nichts geschieht ein zweites Mal
Das kann nicht sein
Alles ist nur einmal da
Auch wenn es nicht so scheint
Und ich sag zu dem Moment: geh nicht vorbei
Bleib noch
Du bist viel zu schön

 

Und ich muss mir eine Träne verdrücken. Auch wenn man dies nie und nimmer mit einem Schicksal wie oben beschrieben vergleichen kann: 

 

Samstag. 15 Uhr. Ikea.

Wir tun das, was alle tun, an diesem Tag: Wir reihen uns in die homogene Masse ein, die den freien Nachmittag nutzt, um etwas "für Zuhause" zu tun. Lena braucht einen neuen Schrank und so steuern wir durch den Möbel-Parcours, hieven den Korpus von Regal 15/7 und legen die Scharniere von Regal 15/23 obendrauf, suchen den Türknauf bei 1/1.

 

Soviel Spass das Aussuchen in den ersten fünf Minuten macht - nach einer Stunde Einkaufserlebnis, inmitten vieler Leute und stickiger Luft, sind wir froh, endlich an der Kasse zu stehen.

 

Und plötzlich ist mein Kind kreideweiss im Gesicht. "Mir ist schlecht!" Ich setz die Kleine auf den Wagen und schon verdreht sie die Augen und kippt nach hinten weg. Zum Glück kann ich sie auffangen. Ich erschreck mich zu Tode, die Kleine wird zweimal kurz ohnmächtig.

 

Es vergehen nur wenige Sekunden und schon steht eine Ikea-Mitarbeiterin bei uns, sagt, sie werde einen Arzt ausrufen und dies wird auch schon gleich gemacht.

Unterdessen kniet eine Kundin neben uns, lagert die Kleine richtig, Beine in die Höhe, Stirn kühlen. Lena ist wieder ansprechbar, aber grün im Gesicht.

Zwei weitere Mitarbeiterinnen bringen uns in ein Erste-Hilfe-Zimmer, worauf auch schon eine Ärztin eintrifft, die privat am Möbelschauen war.

Warum ich das erzähle?


Ich bin einfach dankbar für soviel Wärme und Hilfe, die uns spontan entgegengebracht wurde. Wie schnell reagiert wurde, während man selbst in einer Art Schockzustand ist.

 

Und auch wenn mir bewusst ist, dass dies eine Bagatellgeschichte ist im Vergleich mit allen wirklich schlimmen Schicksalen, die Mütter und Väter durchmachen, es hat mich aufgerüttelt. Geniess den Moment! Sei dir bewusst, was du hast.

Alles kann sich so schnell ändern. Oder wie es zu Beginn des erwähnten Liedes heisst: 

 

Life, you're whole life is changes.

 

 

Song: Cassandra Steen "Darum leben wir"