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Olympia-Blog

SI-Sportredaktorin Sarah Meier berichtet laufend von den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang.

Vom Winde verweht

SI-Reporterin Sarah Meier wirbelt bei Minustemperaturen durch Pyeongchang. Die letzten 24 Stunden kämpften die Olympioniken mit schwierigen Wetterbedingungen. Wegen des starken Windes mussten einige Wettkämpfe verschoben werden. Unsere Sportredaktorin harrt trotz bitterer Kälte auf der Tribüne aus und beobachtet das Geschehen.
Olympische Winterspiele in Pyeongchang 2018 Olympia-Blog von Sarah Meier Blog-Eintrag 4
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Das Wetter ist nach wie vor das grosse Thema hier in Pyeongchang. Nun ist es nicht mehr nur die Kälte, sondern vor allem der Wind, der zu reden gibt. Er wirbelt das Programm in einigen Sportarten ziemlich durcheinander. Und in anderen schafft er unfaire Verhältnisse.

Beat Feuz unterstützte Dario Cologna

Im Ski alpin wurde nach der Männer-Abfahrt auch der Riesenslalom der Frauen verschoben. Und wenn ich einen Blick auf mein Wetter-App werfe, dürfte wohl auch die Kombi-Abfahrt der Männer von morgen auf der Kippe stehen. Die Skifahrerinnen und Skifahrer scheinen es gelassen zu nehmen. Beat Feuz, 31, sagt, er befasse sich nicht gross mit dem Wetter, da das sowieso halbstündlich ändern könne. Statt selber zu fahren, feuerte er stattdessen Dario Cologna, 31, live an. Lara Gut, 26, schreibt auf Instagram, dass sie jetzt halt wieder zurück ins Bett gehe.

Andere Wettkämpfe wie das Skispringen wurden trotz der starken Winde und den ständig wechselnden Verhältnissen durchgeführt. Dass Simon Ammann, 36, nach Mitternacht und nach über zehnminütiger Wartezeit auf und neben dem Balken springen musste, fand ich mehr als grenzwertig. Zum Glück gab es keine schweren Stürze. Das war heute beim Snowboard-Slopestyle-Wettkampf der Frauen anders.

Die Bedingungen für die Snowboarderinnen waren so schwierig wie noch nie

Diese Entscheidung war eine Lotterie. Es gab sehr viele Stürze, die laut Speaker in der Arena zu 90 Prozent dem Wind zuzuschreiben waren. «Oh nein, eine Böhe hat sie gebremst», «oh nein, der Wind hat sie in die falsche Richtung getrieben», «und wieder ein Sturz aufgrund des Windes, es tut mir so leid für die Athletinnen», sind seine Kommentare. Und weiter: Er habe noch nie einen Snowboard-Wettbewerb in derart schwierigen Bedingungen gesehen.

Da frage ich mich schon, warum der Wettkampf überhaupt durchgeführt wurde. Am extremsten windete es - zumindest auf der Tribüne – während des zweiten Runs der Schweizerin Sina Candrian, 29. Etwa so, als würde direkt neben mir ein Helikopter landen. Ich fühle mit den Sportlern und Sportlerinnen, die vier Jahre auf diesen einen Moment hingearbeitet haben und deren Medaillen-Traum vom Winde verweht wird.

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SI-Reporterin Sarah Meier muss trotz starkem Wind auf der Tribüne ausharren.

Die Zuschauer flüchten in die Wärme

Auch für die Zuschauer war es nicht sehr angenehm. Das Resultat: Der zu Beginn volle Zielraum leerte sich mit jeder Windböe weiter. Am Ende, als es um Olympiagold ging, waren die Stehplätze noch knapp zu einem Drittel gefüllt, die Tribüne gar halbleer. Immerhin: Es gab für jeden Standing oder besser gesagt Dancing Ovations. Die Kälte hier haut selbst die grössten Tanzmuffel aus den Sitzen.