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Der Gastro-Blog: Essen, Trinken, Kochen und alles, was uns sonst bewegt.

Echte Kerle wie wir

SI-Sportreporter Iso Niedermann bloggt direkt von der Fussball-WM 2010 aus Südafrika.

Ich gestehs freimütig: Mir graut vor Schlangen und allem, was da sonst noch so kreucht und fleucht. Viecher, die ich nicht sehe und höre, ehe sie mich anfallen, beissen, würgen und verschlingen, sind so was von unfair. Ich bin froh, wenn sich Zuhause diese fetten schwarzen Badewannen-Spinnen wieder im Abfluss verkriechen, ehe ich sie entfernen muss, um vor meiner kreischenden Familie den Helden zu markieren.

Kein Wunder, nehme ich mit Genugtuung zur Kenntnis, wenn andere gestandene Kerle mit ähnlichen Widerwärtigkeiten zu kämpfen haben. Stéphane Grichting zum Beispiel. Der ist ja sowas Schrank von einem Mann, dass sich Fernando Torres gleich noch etwas bleicher als sonst schon aus dem Schweizer Strafraum schleicht, wenn sich der Walliser Kampfstier ihm in den Weg stellt. Diesen Grichting also wollten mein Fotograf Remo und ich für ein Foto in ein Schilffeld stellen, wo es so richtig wild nach Afrika aussah. «Mais écoute, il n'y a pas des serpents ici?», wollte Grichting wissen und spähte nervös ins Stoppelfeld.. «Non, non,, Stéphane. Reste calme!», beruhigte ich ihn und spähte gleichzeitig verstohlen ins undurchschaubare Dickicht.

Könnte ja sein dass … Um zu zeigen, wie gefahrlos und schlangenfrei alles ist, marschierte ich dem Stürmer-Schreck voraus ins Schilf. Das heisst, eigentlich stampfte ich mehr als dass ich ging. Schlangen sollen ja sehr geräuschempfindlich sein. Ich machte einen Witz: «Attention, Stéphane! quelque chose bouge là bas!» Kleiner Joke! Haha! Der Spass war beruhigend. Wenigstens für mich. Grichting überstand die Fotosession unbeschadet und sollte nach unserem Ermessen am Dienstag das Chilenischen Angriffs-Ungeziefer im Griff haben. Wie kann man sich nur vor Schlangen fürchten!?!

Wenig später trafen wir uns mit Alain Sutter im Safaripark. Ziel war es, den SF-Experten so richtig afrikanisch zu portraitieren, also mit irgendwelchen Springböcken, Zebras oder Gnus im Hintergrund. Zwei charmante Safari-Führerinnen namens Mariska und Elana fuhren uns zu diesem Zweck in der untergehenden Sonne mitten ins Revier der Gazellen und Blauböcke.

Nachdem endlich eine Herde Impalas mit Hilfe von tonnenweise verschütteten Futterwürfeln angelockt war, schlug Alains Stunde. Runter vom Jeep und zur Herde hin. «Wie bitte, zu diesen Riesenviechern mit ihren Hörnern soll ich hin? Und wenn die angreifen?» Unglaublich! Hitzfelds Jungs verbal zerpflücken, aber ein paar Antilopen fürchten! «Go on, go on! The're more afraid of us than we are of them!», ermunterten Mariska und Elana den einst so schnellen Aussenläufer.

Erkannte ich da ein unterdrücktes Lachen in den Gesichter der beiden Outback-Girls? Konnte Sutter sich eine Blösse geben? Natürlich nicht. Todesmutig stapfte er vom Safarijeep Richtung der Herde. Ich blieb sicherheitshalber mal auf dem Gefährt sitzen, um meine Kommentare abzugeben. Etwas erhöht hat man einfach die bessere Übersicht über das Ganze. Hätte doch nix gebracht, wenn ich diese Position freiwillig aufgegeben hätte. Jemand muss ja die Kommandostellung halten.

Auch Sutter überlebte. Die Schlangen im Park sind frustriert, den Gnus knurrt noch immer der Magen. Mir wurscht. Sollen sie einen Spieler von Chile würgen oder einen TV-Experten des honduranischen Fernsehens fressen. Hauptsache, wir Schweizer Naturburschen beweisen ein bisschen Eier, nicht wahr?