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Pinnwand

Der Gastro-Blog: Essen, Trinken, Kochen und alles, was uns sonst bewegt.

Last-Minute-Ticketing

SI-Sportreporter Iso Niedermann bloggt direkt von der Fussball-WM 2010 aus Südafrika.

Ehrlich, der Kalauer ist mir zu platt und längst abgegriffen. Ich werde mich also nicht dazu herablassen, von «Schwarzhandel» zu sprechen, wenn ich hier erzähle, wie ich mit Hilfe einheimischer Ticketdealer in den Genuss von Argentinien - Nigeria gekommen bin.

Doch der Reihe nach. Messi ist mein Fussballgott. Und wer möchte nicht Gott zu Lebzeiten schon einmal live am Werk sehen? Also bei der Akkreditierung zuhause schon zwei Tickets für den ersten Match der Argentinier bestellt und wenige Tage vor WM-Start erfahren: Mein Fotograf Remo und ich sind im Ellis Park Stadium von Johannesburg dabei. Wär ja schön blöd, Argentinien wird Weltmeister und ich war nicht näher am Zauberer dran als all meine Kollegen zu Hause vor dem TV auch.

Von unserer Basis Vanderbjilpark sinds laut Navigationsgerät mit dem Auto 45 Minuten bis zum Stadion. Und erstaunlicherweise sehen wir tatsächlich kaum eine Dreiviertelstunde später schon das Stadiondach vor uns, als wir erstmals im Stau stehen. Das ist bereits mitten in Johannesburg. Und dummerweise keine so tolle Gegend. Umso mehr, als wir vom GPS statt über die grossen Highways durch die berüchtigten Strassen von Downtown Jo'burg gelots werden. Dort stehen ziemlich lusche Gestalten mitten auf der Fahrbahn. «Do you have VIP-Parking? No? Than follow me!» Fast würden wirs tun, doch die offensichtlich selbstgebastelten Volunteer-Westen wecken ein Bisschen unser Misstrauen. Und als sich der nächste «Parkplatz-Anweiser» anerbietet, zu uns ins Auto zu steigen und uns zu einem Parkplatz zu führen, ist unser Quantum an Abenteuerlust aufgebraucht. Der langen Rede kurzer Sinn: Wir schlagen uns auf wundersamen Wegen und mit abenteuerlichen Begründungen soweit selbst bis in Stadionnähe durch, dass wir quasi an der Stadionumzäunung parkieren können, wo uns lauter staunende Polizisten gewähren lassen.

Blöd einfach, dass wir keinen blassen Schimmer haben, wo nun das Akkreditierungscenter ist. Beschilderungen? Hey - this is Africa! Und die massenhaft herumstehenden freiwilligen Helfen sind allesamt ebenso fröhlich wie ahnungslos. Mit der Konsequenz eins, dass wir auf unserer verzweifelten Suche rund ums Stadion zu Fuss etwa doppelt soviel Zeit vertrödeln wie vorher auf der langen Autofahrt. Und der Konsequenz zwei, dass unsere reservierten Tickets natürlich längst an zwei Glückliche auf der Waiting List weitergegeben wurden. Was dann als Konsequenz drei wiederum bedeutet: Entweder eine lange Heimfahrt unverrichteter Dinge und in leicht getrübter Stimmung oder zähe Verhandlungen mit einem der «Ticket-Wiederverkäufer» rund um den Ellis Park und der Griff ins Portemonnaie.

Remo und ich haben Messi doch noch live gesehen. Für jeweils 1000 südafrikanische Rand, etwa 150 Franken. Gott gibt’s halt nicht billiger.