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Der Gastro-Blog: Essen, Trinken, Kochen und alles, was uns sonst bewegt.

«Nach jedem schweren Crash gibt's Blumen von der SI»

Als Journalist sollte man zu den Protagonisten seiner Geschichten eine gewisse Distanz bewahren. Dominique Gisin macht es einem diesbezüglich verdammt schwer.

Nur 24 Stunden nach ihrem Sturz, der einem das Blut in den Adern gefrieren liess, treffen wir sie in Whistler zu einem Interview. Ihr Kommentar zum Blumenstrauss, den wir ihr schenken: «Cool, nach jedem schweren Crash gibt's Blumen von der SI. Ich habe bald eine Sammlung von Euch.» Dann setzt sie sich hin, bestellt sich einen Grüntee und bleibt statt der abgemachten zwanzig Minuten eine Stunde lang mit uns sitzen.

Und auch wenn sie am Tag zuvor den bittersten - oder besser gesagt: einen weiteren bitteren - Moment in ihrer Karriere hat hinnehmen müssen: Niedergeschlagen oder gar desillusioniert wirkt sie nicht. Ihre innere Stärke und ihre Zuversicht fürs Leben generell scheinen das einfach nicht zuzulassen.

Kleine Kostprobe? «Ja, es tut mir alles brutal weh und ich bin arg enttäuscht. Aber wenn ich mit Dani Albrecht oder Fränzi Aufdenblatten vergleiche, über was soll ich mich da beklagen?» Natürlich hat sie da recht. Aber es gibt nicht manche Sportler, die das in einer solchen Situation sagen - und auch wirklich meinen.

Übrigens, der Hervé hat's beim Foto-Shooting dann gar nicht einfach. Er hatte nämlich den Auftrag, Dominique wie einen begossenen Pudel zu fotografieren. Das geht aber nicht, weil sie immerzu lacht. Als er's dann doch irgendwann geschafft hat, verabschiedet sich Dominique mit den Worten: «Schick mir das Interview bitte zum Gegenlesen. Ich merke ja vielleicht erst morgen, dass ich heute völlig plemplem war.»

Journalistische Distanz hin oder her: Man kommt einfach nicht drum herum, diese Frau zu bewundern!
 

Alejandro Velert ist Sportredaktor der Schweizer Illustrierten und verfolgt die Olympischen Spiele gemeinsam mit Fotograf Hervé Le Cunff live vor Ort in Vancouver.