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Pinnwand

Der Gastro-Blog: Essen, Trinken, Kochen und alles, was uns sonst bewegt.

(Noch) ungeschoren

SI-Sportreporter Iso Niedermann bloggt direkt von der Fussball-WM 2010 aus Südafrika.

Falls uns Hitzfelds Buben nicht weiter so positiv überraschen wie bisher (will heissen mit einem Sieg im Achtefinal, von dessen Erreichen wir ja mittlerweile fast ausgehen), haben wir heute ziemlich genau die Hälfte unserer Südafrika-Expedition erreicht. Alles, was über drei Wochen Aufenthalt am Südzipfel des afrikanischen Kontinents hinausgeht, geht auch über unser sportliches Vorstellungsvermögen in Bezug auf die Schweiz hinaus.

Zeit also, eine erste persönliche Bilanz zu ziehen. Und die lautet für mich: Noch alles da. Mir wurde bisher noch nicht mal ein Kugelschreiber geklaut. (Und jetzt Holz anfassen: Während ich dies hier in meinem Hotelzimmer in Port Elizabeth schreibe, steht unser River Chalet im Emerald Resort von Vanderbjilpark einsam und verlassen da. Ich werde bei der Rückkehr nach dem Chile-Match leicht nervös sein, wenn wir die Türe aufschliessen.)

Einigen Kolleginnen und Kollegen aus dem medialen Begleittross des Schweizer Teams ist es nicht so gut ergangen. Während wir in Durban fürs Startspiel waren, wurden fünf Chalets rund um unseres herum ausgeräumt. Matthias Hüppi hat mittlerweile eine neue Bleibe ausserhalb des Resorts bezogen, nachdem die eingeschlagene Scheibe seines Häuschens drei Tage lang unrepariert blieb.

Weshalb Fotograf Remo und ich ungeschoren davonkamen? Keine Ahnung. Dabei gäb's doch auch bei uns tolle Kleider abzuholen (anscheinend hatten es die Einbrecher vorab auf warme Kleider abgesehen. Und wenn es einen kriminellen Akt gibt, den ich ein bisschen verstehe, dann diesen im Juni 2010 in Johannesburg). Einige Fenster sind in unserem Chalet mit derart lottrigen Riegeln «gesichert», dass es schon fast eine Einladung ist. Müssen wir gar leicht beleidigt sein, dass die Diebe unser Haus einfach links liegen liessen?

Die Resortleitung hat entschlossen reagiert und zweierlei gemacht: Erstens hat sie uns allen einen Zettel ins Chalet gelegt, in dem wir erinnert wurden, keine Wertsachen im Zimmer liegen zu lassen und insbesondere auch auf unsere wertvolle Bekleidung Acht zu geben. Safes gibt’s nicht. Also tragen wir uns mit dem Gedanken, zu jedem Interviewtermin, zu jedem Abendessen und selbst zu den Trainings der Schweizer unser gesamtes Reisegepäck sauber verpackt in den Koffern mitzunehmen. Zweitens wurden die Sicherheitsmassnahmen auf beeindruckende Weise verstärkt.

Es patroullieren nun furchterregende Security-Gestalten durch das Resort. Meist ältere Einheimische, die mit hinter dem Rücken verschränkten Armen gemächlich durch die Strässchen schlurfen und allen freundlich zuwinken. Ich schätze mal, das sind die Gärtner, die jetzt gerade nicht so viel zu tun haben.

Eine weitere Bestätigung haben die bösen Vorahnungen einiger Kollegen heute beim Flug von Johannesburg nach Port Elizabeth erfahren. Aus einer ganzen Reihe von eingecheckten Koffern wurde Arbeits-Material wie Laptops oder Foto-Objektive geklaut. Ich aber habe im Hotel all mein technisches Equipment unversehrt ausgepackt. Ich hab es nämlich als Handgepäck ins Flugzeug mitgenommen. Weshalb das Andere nicht machen, ist mir ein Rätsel. Aber richtiggehend schleierhaft ist für mich, wie man einen Computer im Gepäck einchecken kann!

Sagen wir's diplomatisch so: Für gestohlene Jogginghosen aus einem schlecht gesicherten Chalet kann niemand etwas. Gewisse andere Verluste aber sind zumindest etwas schwieriger zu rechtfertigen…So, das wärs für heute. Ich pack jetzt meinen Laptop zusammen und nehme ihn zusammen mit meiner warmen Jacke mit ins Bett. Sicher ist sicher.