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Pinnwand

Der Gastro-Blog: Essen, Trinken, Kochen und alles, was uns sonst bewegt.

Punktesieg für die Österreicherin

«Die Frau ist die einzige Beute, die ihrem Jäger auflauert.» Ich weiss nicht, von wem der Spruch ist. Aber seit heute weiss ich, dass er stimmt.

Blondes Haar, blaue Augen, ein sympathisches Lächeln. Die Susanne Maria Stöger aus Innsbruck ist das, was man in Österreich glaubs ein «fesches Madl» nennt. Eine halbe Stunde nach der Herren-Abfahrt sitzt sie, so wie Hervé und ich, im Bus zurück nach Whistler. Sie hört, dass wir Schweizerdeutsch sprechen, also gratuliert sie uns zum Sieg von Didier Défago. Überhaupt ist sie ziemlich kommunikativ und spontan, und so plaudern Susanne, Hervé und ich munter weiter.

Sie fragt, was wir denn in Whistler machen, und wir erzählen ein wenig von unserer Arbeit und von der Schweizer Illustrierten und so. Wie mir scheint, ist die Susanne ziemlich von uns beeindruckt.

Irgendwann erzählt sie auch von ihrem Job: Susanne produziert fürs Österreichische Olympische Comité jeden Tag eine kleine Zeitung, acht Seiten gross. Sie klagt über ihre enorme Arbeitsbelastung und darüber, dass sie noch heute etwas über Défago schreiben müsse und überhaupt keine Ahnung habe. Sie sei da völlig hilflos.

Ziemlich gönnerhaft biete ich ihr meine Hilfe an: «Wenn du ein paar Infos zum Didier brauchst, kannst du mich ja fragen.»

Und dann geht's in horrendem Tempo los:

«Das würdest du für mich tun? Du bist wirklich gstiascht!»
«Äh, was bin ich?»
«Das heisst bei uns ‹nett›. Komm, schreib dir meine Mail-Adresse auf.»
«Klar doch, aber wofür?»
«Komm schreib jetzt. Meine Mail-Adresse ist….» (ich schreibe auf)
«Und wofür jetzt?»
«Du bist der Gast-Autor für unsere morgige Ausgabe!»
«Was bin ich?!»
«Na Gast-Autor. Wenn du mir einen Bericht über Défago schreibst, haben wir morgen eine super Zeitung und lassen die Deutschen mit ihrem Blatt alt aussehen.»
«Ja, aber…»
«Nein wirklich, so was von gstiascht! Ich brauch den Didier-Bericht in zwei Stunden. Das schaffst du, oder?»
«Äh…»

Dann ist die Susanne weg und ich brauch einen Moment, um mich zu sammeln. Zum Glück findet Hervé die richtigen Worte:

«Alejandro, könnte es sein, dass dich die Dame soeben gewaltig über den Tisch gezogen hat?»
«Ach halt die Klappe.»
 

Alejandro Velert ist Sportredaktor der Schweizer Illustrierten und verfolgt die Olympischen Spiele gemeinsam mit Fotograf Hervé Le Cunff live vor Ort in Vancouver.